Mein ERSTES Geld (198) : Bügeln und Putzen beim Ohrenarzt

Sebastian Nerz Piraten-Politiker
Foto: picture alliance / dpa

Mein Vater ist Hals-Nasen-Ohrenarzt in Reutlingen. Als ich 14 war, hatte jeder Patient noch eine Akte aus Papier. Die Akten mussten sortiert werden. Bei dieser Gelegenheit sollte ich gleich noch die großen Schränke putzen, in denen sie verstaut waren, und die Praxiswäsche bügeln. 10 D-Mark gab das. Ich weiß aber nicht mehr, ob pro Stunde oder pro Korb. Mit den Patienten hatte ich nichts zu tun, nur mit den Sprechstundenhilfen. Die fanden es ziemlich amüsant, dass der Sohn des Chefs für sein Geld arbeiten muss.

Meine Freunde und ich waren begeistert vom Rollenspiel „Das schwarze Auge“. Man musste sich in einen Fantasiecharakter hineindenken, der in einer fremden Welt lebt. Eine Spielrunde dauerte manchmal einen ganzen Tag. Für das Brettspiel gab es eine Menge teures Zusatzequipment. Mein erstes Geld habe ich in einen Teil vom „Atlas von Aventurien“ gesteckt, eine Riesenlandkarte, mit der wir nach und nach Wand und Decke unseres Spielzimmers tapezierten.

Zwei Jahre habe ich in der Praxis mitgearbeitet, dann fragte mich ein Bekannter, ob ich für ihn eine Webseite programmieren könnte. Das klappte ziemlich gut und war besser bezahlt. Kurz darauf gründete ich mit einem Freund eine kleine Computerfirma. Für Rollenspiele ist heute leider keine Zeit mehr – aber der Atlas von Aventurien war eine gute Orientierungsübung für die Politik.

Aufgezeichnet von M. Langenstraß

Sebastian Nerz (27) ist Chef der Piratenpartei, die an diesem Wochenende Parteitag hatte. Bis 2004 war er aktives Mitglied der CDU, 2009 trat er aus. Sein Bioinformatik-Studium will Nerz im Dezember abschließen.

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