Millionenspritze : Kirche will insolventen Weltbild-Verlag retten

Nach heftiger öffentlicher Kritik wollen die katholischen Träger dem insolventen Weltbild-Verlag mit 35 Millionen Euro am Leben erhalten. Der Augsburger Bischof nannte allerdings zwei Bedingungen.

Weltbild-Filiale in Dortmund
Weltbild-Filiale in DortmundFoto: dpa

Die katholischen Träger sind nach heftiger öffentlicher Kritik doch zu einer Millionenspritze für den insolventen Weltbild-Verlag bereit. Das Bistum Augsburg bestätigte am Freitag, Weltbild einen sogenannten Massekredit über 15 Millionen Euro zur Fortführung des Geschäftsbetriebs geben zu wollen. Der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge will das Erzbistum München sogar 20 Millionen Euro geben. Ein Bistumssprecher wollte dies weder bestätigen noch dementieren.

Weltbild hatte am 10. Januar Insolvenz angemeldet, nachdem die katholischen Gesellschafter eine weitere Finanzierung für die Sanierung des nach Amazon zweitgrößten deutschen Online-Buchhändlers abgelehnt hatten. Anschließend gerieten die katholischen Träger - darunter zwölf Bistümer - in teils heftige Kritik. Der Vorwurf lautete, die rund 6300 Mitarbeiter des Verlags würden fallen gelassen.

Bisher lief die von der Kirche geäußerte Bereitschaft zur Unterstützung darauf hinaus, soziale Härten abfedern zu wollen. Mit dem vom Bistum Augsburg nun zugesagten Massekredit soll Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz aber das Geschäft aufrecht erhalten und etwa Lieferanten bezahlen können.

Hilfe unter Bedingungen

Im Bayerischen Rundfunk nannte Augsburgs Bischof Konrad Zdarsa allerdings zwei Bedingungen. Die zuständigen Gremien der katholischen Gesellschafter müssen demnach der Hilfe zustimmen. Dies soll laut Bistum am kommenden Montag beim Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg geschehen. Außerdem sollen sich die anderen Bistümer bereit erklären, das Bistum Augsburg nach Abschluss des Insolvenzverfahrens mit eventuell noch ausstehenden Teilen des Kredits nicht allein zu lassen, sondern einen Anteil daran zu übernehmen.

Laut dem Bericht der „SZ“ sollen durch die Hilfen der beiden Bistümer - zusammen demnach 35 Millionen Euro - sowohl die Weltbild GmbH als auch die Deutsche Buch Handels GmbH (DBH) am Leben gehalten werden, die beide 50 Prozent am deutschlandweit tätigen Buchhändler Hugendubel halten.

Verflechtung von Weltbild und Hugendubel

Weil aufgrund der engen Verflechtung von Weltbild und Hugendubel in der DBH Schwierigkeiten der Weltbild GmbH auch schwerwiegende Folgen für den Partner nach sich ziehen könnten, ist nach „SZ"-Informationen geplant, Hugendubel aus diesem engen Verbund herauszulösen und mithilfe der Banken und der Kirche ein Sanierungskonzept für die DBH durchzusetzen.
Ein Sprecher von Münchens Kardinal Reinhard Marx sagte, das Bistum halte es „um der Sache willen“ für nicht geboten, die Fragen zur Hilfe zum gegenwärtigen Zeitpunkt öffentlich zu erörtern. Die Beteiligten befänden sich in „sehr schweren Verhandlungen“, die „unter massivem Druck“ stattfänden.

Der „SZ“ zufolge verlangt das Erzbistum von Hugendubel Sicherheiten, die demnach in wenigen Wochen wieder wegfallen sollen, sobald die Kirche das DBH-Sanierungskonzept geprüft hat. Diesem Gesamtkonzept hätten die Banken, von denen viele auch Gläubiger von Weltbild seien, bereits diese Woche zugestimmt. Unklar sei, ob Hugendubel einen Investor mitbringe, mit dessen Hilfe das Unternehmen größere Anteile der DBH übernehmen könnte.

Die Gesellschafter von Weltbild sind zwölf Bistümer, die Soldatenseelsorge Berlin und der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD). Das Unternehmen hatte vor der Insolvenzanmeldung seit längerem keine Gewinne mehr erwirtschaftet. Grund dafür war nach Unternehmensangaben die Umstellung zu einem Online- und Digitalgeschäft. (AFP)

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