NACHRICHTEN : Neckermann wird abgewickelt

Insolvenzverwalter sucht weiter nach Investor.

Corinna Visser (mit dpa)
Schnäppchenjagd.
Schnäppchenjagd.Foto: dpa

Inflationsrate geht leicht zurück

Berlin - Billigeres Reisen und günstigere Nahrungsmittel bremsen die Inflation in Deutschland etwas. Waren und Dienstleistungen kosteten im September durchschnittlich 2,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte. Im August lag die Teuerungsrate noch bei 2,1 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit April. In den nächsten Monaten dürfte die Inflation Experten zufolge weiter um die Marke von zwei Prozent pendeln, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht. rtr

Conergy wieder in Schwierigkeiten

Hamburg - Der Hamburger Solarkonzern Conergy ist mitten auf seinem Sanierungsweg wieder in Schwierigkeiten geraten. Nach der vorzeitigen Auflösung eines Liefervertrags mit einem US-Unternehmen und angesichts der aktuellen Geschäftsentwicklung prüfe der Vorstand, ob der daraus resultierende Verlust die Höhe der Hälfte des Grundkapitals erreichen könnte, teilte Conergy mit. Falls ja, müsste Conergy laut Aktiengesetz eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Für 2012 rechnet das Unternehmen mit einem Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen „im mittleren zweistelligen Millionenbereich“. Den bis Sommer 2018 laufenden Vertrag mit dem US-Zulieferer MEMC hatte Conergy aufgelöst und sich damit von einer Altlast befreit. Die Conergy-Aktie verlor am Mittwoch 15 Prozent auf 39 Cent. dapd

Google feiert Unter den Linden

Berlin - Google feiert seine neue Repräsentanz in Berlin. Seit fünf Jahren ist der US-Konzern in der Hauptstadt vertreten. Inzwischen arbeiten 25 Leute hier aus den Bereichen Politik und PR, Vertrieb und Marketing, aber auch Ingenieure. Am Mittwoch weihte das Unternehmen seine neuen Räume am Boulevard Unter den Linden ein. 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur waren geladen, darunter Hans-Joachim Otto, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und sein Kollege aus dem Berliner Wirtschaftssenat, Nicolas Zimmer. Gastgeber sind Annette Kroeber-Riel, Leiterin Politik von Google Deutschland, und David- John Collins aus London, der weltweit die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit von Google verantwortet. vis

Sanicare ist insolvent

Frankfurt am  Main - Deutschlands größte Versandapotheke Sanicare ist zahlungsunfähig. Die Familie des Anfang September verstorbenen Chefs der Sanicare-Gruppe habe gestern einen Nachlassinsolvenzantrag gestellt, teilte der vom Amtsgericht Osnabrück zum vorläufigen Verwalter bestellte Rechtsanwalt Ralph Bünning am Mittwochabend mit. Von der Insolvenz der Versandapotheke mit Sitz in Bad Laer seien 342 Mitarbeiter betroffen. Alle anderen Teile der Sanicare-Gruppe, die insgesamt mehr als 800 Mitarbeiter beschäftigt, seien derzeit nicht von der Insolvenz betroffen. rtr

Berlin - Nach mehr als 60 Jahren im Geschäft und langwierigen Rettungsversuchen ist nun wohl Schluss: Neckermann wird abgewickelt. „Die Chancen für den Erhalt des Versandhändlers Neckermann schwinden“, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Kühne am Mittwoch mit. Acht Wochen lang habe man gemeinsam mit den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young nach Investoren gesucht, aber niemanden gefunden, der sich den „komplexen Herausforderungen“ bei einer Übernahme stellen wollte. Aktuell finden noch Gespräche mit einem interessierten Investor statt, teilte die Geschäftsleitung mit. Aus insolvenzrechtlichen Gründen habe sie aber die Entscheidung fällen müssen, Neckermann.de und zwei weitere verbliebene Gesellschaften abzuwickeln.

Das 1950 in Frankfurt am Main gegründete Traditionsunternehmen, das früher ebenso wie Karstadt zum Handelskonzern Arcandor gehörte und in Neckermann.de umbenannt wurde, steckt seit einigen Jahren in der Krise. Missmanagement und die zu späte Anpassung an den Internethandel hatten das Unternehmen in Bedrängnis gebracht. Der Sanierungsplan des Gesellschafters, des US-Investors Sun Capital Partners, sah vor, Neckermann zu einem reinen Onlinehändler umzubauen und die Hälfte der Stellen zu streichen. Die Gewerkschaft Verdi legte ein Gegenkonzept vor. Beide Seiten konnten sich nicht einigen. Im Sommer wollte Sun Capital dann kein Geld mehr für eine Restrukturierung des verlustträchtigen Geschäfts aufbringen. Am 19. Juli stellte das Unternehmen Insolvenzantrag. Der letzte Neckermann-Katalog war bereits im Frühjahr erschienen.

Die Mitarbeiter wurden am Mittwochmorgen vom vorläufigen Insolvenzverwalter über die Abwicklung informiert. Den meisten der rund 2400 Beschäftigten droht in der kommenden Woche die Arbeitslosigkeit. Sie werden ab Oktober freigestellt. Über eine interne Jobbörse sei bereits eine große Anzahl an Arbeitnehmern an andere Unternehmen vermittelt worden, teilte die Geschäftsleitung mit. Derzeit werden Löhne und Gehälter über das Insolvenzausfallgeld der Arbeitsagentur an die Mitarbeiter bezahlt, aber nur noch bis Ende September.

„Wir werden bis zuletzt alles dafür tun, um doch noch bis Ende September einen ernsthaften Investor zu finden, der bereit ist das Unternehmen weiter zu führen“, sagte Insolvenzverwalter Kühne. „Doch die Lage für das Unternehmen wird immer aussichtsloser.“ In dem Suchprozess seien bislang mehr als 200 interessierte Investoren angesprochen worden. Etwa 50 von ihnen hätten sich intensiv mit den Geschäftsverhältnissen befasst.

Von der Abwicklung betroffen sind die Teilgesellschaften Neckermann.de, Neckermann Logistik und Neckermann.Contact Heideloh in Sachsen-Anhalt. Das Ende der Logistik-Sparte mit rund 820 Beschäftigten zeichnete sich schon länger ab. Am Wochenende war Übergrößen- Tochter Happy Size an den Konkurrenten Klingel verkauft worden, der möglichst viele der rund 80 Arbeitsplätze erhalten will. Corinna Visser (mit dpa)

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