Neue Regeln für Prepaid-Karten : Anti-Terror-Kampf an der Ladenkasse

Käufer von Prepaid-Handys müssen sich ab sofort ausweisen. Anbieter von Video-Identifikation profitieren - auch der Pionier aus Berlin.

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Hohe Nachfrage. In jedem zweiten deutschen Handy steckt eine Prepaid-Karte.
Hohe Nachfrage. In jedem zweiten deutschen Handy steckt eine Prepaid-Karte.Foto: dpa

Prepaid-Karten für das Handy sind ein Phänomen. Rund 60 Millionen davon waren im Vorjahr aktiv, damit steckt in fast jedem zweiten Mobiltelefon in Deutschland eine Karte, bei der das Guthaben aufgeladen wird. Doch das könnte sich bald ändern, denn ab 1. Juli gelten für den Verkauf neuer Prepaid-SIM-Karten strengere Vorschriften. Wie auch bei Mobilfunkverträgen müssen sich Käufer dann mit dem Ausweis identifizieren, der Mobilfunkanbieter muss die Daten registrieren und speichern.

Obdachloser mit 200.000 Prepaid-Karten

Die Maßnahme ist Teil der Anti-Terror-Gesetze, denn in der Vergangenheit hatten Attentäter in der Regel Prepaid-Handys zur Kommunikation genutzt und dabei oft falsche Personalien angegeben. „Sie können heute unter dem Namen Donald Duck ein Prepaid-Handy kaufen“, hatte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) bei der Verabschiedung der neuen Regeln geschimpft. Für Aufsehen hatte zudem ein Fall in Ungarn gesorgt, wo Terroristen gleich 200.000 Prepaid-SIM-Karten auf den Namen eines toten Obdachlosen angemeldet hatten.

Ab Samstag müssen sich Käufer daher in Telekomshops identifizieren, komplizierter wird es jedoch für Karten, die in Supermärkten, Kiosken oder Tankstellen verkauft werden. Um lange Wartezeiten und Schlangen an den Kassen zu vermeiden, soll hier die Identifikation nachträglich erfolgen – beispielsweise über die sogenannte Videoidentifikation. Die Nutzer verbinden sich damit am Computer per Videoschaltung mit dem Callcenter eines Spezialanbieters, wie dem Berliner Unternehmen WebID Solutions.

Videoidentifikation macht bisher Finanzgeschäfte einfacher

Der Pionier hatte das Verfahren 2014 ursprünglich entwickelt, um Finanzgeschäfte zu vereinfachen. Wer ein Konto eröffnen möchte, muss dafür nicht mehr in die Filiale oder zur Post gehen. An den Tag, als sein Unternehmen das zum ersten Mal anbot, kann sich Gründer und Geschäftsführer Stefan Jorga noch genau erinnern: „Wir haben damals drei Identifikationen durchgeführt“. Heute sind es bis zu 5000 am Tag. Denn inzwischen nutzen 100 Banken diese Dienstleistung, darunter die Deutsche Bank, die DKB, die Berliner Bank oder INGDiBa.

Durch das neue Anwendungsfeld bei Telefonkarten dürfte das enorm ansteigen. „Am Jahresende wird die Zahl der Identifikationen für Telekommunikationsunternehmen deutlich höher sein als für Banken“, glaubt Jorga. Daher will WebID auch zahlreiche neue Mitarbeiter einstellen: von zuletzt 250 soll die Zahl auf bis zu 400 steigen. Der Umsatz soll von fünf auf zehn Millionen verdoppelt werden.

Auch der Konkurrent IDnow aus München erwartet einen Wachstumsschub. Bislang nutzen ebenfalls bekannte Banken und Fintech-Start-ups wie N26 oder Weltsparen die Videoident-Lösung der Münchner. Doch für die neuen Telekom-Kunden hat IDnow gerade 30 neue Mitarbeiter eingestellt und beschäftigt nun 200 Personen. Bis Jahresende könnte noch mal eine dreistellige Anzahl hinzukommen. „Der Umsatz könnte das Niveau der Bankgeschäfte erreichen“, sagt IDNow-Geschäftsführer Michael Sittek. Allerdings glauben auch viele, dass durch die Änderungen der Verkauf der Prepaid-Karten insgesamt sinkt – die Frage ist nur wie stark.

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