Wirtschaft : Nichts für schwache Nerven

Die IBB Beteiligungsgesellschaft finanziert Berliner Unternehmen mit Risikokapital. Und verdient damit Geld

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Berlin - Ob die Herren von der Investitionsbank Berlin gewusst haben, worauf sie sich da einlassen? Als Björn-Frederic Limmer in einem Konferenzraum der Bank Bilder von einer Prostataoperation an die Wand wirft, erstarren die Gesichter der überwiegend männlichen Zuschauer. Ab dem 35. Lebensjahr beginne die Prostata bei Männern zu wachsen, erklärt Limmer. Ab dem 50. Lebensjahr müsse jeder Zweite operiert werden. Mit dem neuen Speziallaser, den seine Firma, die Limmer Laser GmbH, erfunden hat, käme es bei solchen Operationen aber nicht mehr oft zu Blutungen und Schwellungen. Das beruhigt die Banker wieder. Von dem Verfahren verspricht sich Limmers Firma wachsende Umsätze. Davon profitiert auch die IBB. Denn ihr gehört ein Teil des Unternehmens.

Seit 1997 vergibt die Investitionsbank nicht mehr nur Kredite, sondern beteiligt sich über die IBB Beteiligungsgesellschaft (IBB Bet) auch direkt an Unternehmen. Die meisten stammen aus der Technologie- oder Kreativbranche. In der Regel werden sie gerade neu gegründet oder befinden sich in der Wachstumsphase. Risikokapital heißt diese Form von Beteiligung, denn von einhundert Unternehmen gehen zwanzig wieder pleite, sagt Ulrich Kissing, Chef der IBB. Weitere 60 schaffen es zwar in die schwarzen Zahlen, werfen aber keine hohen Gewinne ab. Ein Fünftel der Unternehmen wächst so schnell, dass die beteiligten Kapitalgeber es nach ein paar Jahren an größere Unternehmen verkaufen oder an die Börse bringen können.

Seit 2005 erziele die IBB Bet mit diesem Geschäftsmodell Gewinn, sagt Geschäftsführer Marco Zeller. Im vergangenen Jahr hat seine Gesellschaft 24 Beteiligungen abgeschlossen, acht davon mit Neugründern. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Fleischhauer, Hoyer & Partner steht die IBB Bet damit auf Platz zwei der Risikokapitalgeber in Deutschland, allerdings nur, was die Menge der Beteiligungen betrifft. Das Volumen ist mit sechs Millionen Euro eher klein. Das Geld kommt zum Teil von der Investitionsbank. Der Rest sind EU-Fördermittel, die das Land Berlin einbringt. Die IBB Bet beteiligt sich nie allein an einem Unternehmen, sondern nur im Zusammenschluss mit privaten Partnern. Dafür übernimmt die IBB Bet vor Ort die Betreuung und Beratung der Firmen.

Insgesamt ist die Gesellschaft bislang an 44 Unternehmen beteiligt. Zusammen machen sie 72 Millionen Euro Umsatz und stellen knapp 1500 Arbeitsplätze in Berlin, 11 davon bei der Limmer Laser GmbH. Björn-Frederic Limmer sagt, er würde gern noch mehr Leute beschäftigen, fünf Stellen im Vertrieb seien ausgeschrieben. Ein Einstellungsmerkmal steht schon mal fest: Zimperlich dürfen die Mitarbeiter nicht sein. Miriam Schröder

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