Wirtschaft : Otelo testet in Berlin Werbetelefonie

5000 Haushalte gesucht / Pilotprojekt soll Akzeptanz ausloten / Telekom verliert Großkunden

BERLIN (mot).5000 Berliner Haushalte werden im Herbst dieses Jahres die Gelegenheit haben, zwei Monate lang kostenlos zu telefonieren.Otelo, die Telekommunikations-Tochter von RWE und Veba, startet am 1.Oktober an der Spree das Pilotprojekt "Otelo spotline", das erstmals auf dem deutschen Markt die Akzeptanz von werbefinanzierter Telefonie testen soll.Otelo wolle bis zum 5.Dezember in Berlin herausfinden, "ob Menschen Werbespots über das Telefon akzeptieren, wenn sie dafür umsonst telefonieren können", erklärte der Geschäftsführer der Otelo Communications GmbH & Co., Ulf Bohla, am Mittwoch in Berlin. Ähnliche Versuche seien bisher in Schweden, Finnland, den Niederlanden und Frankreich erfolgreich durchgeführt worden.Das Projekt stoße auf reges Interesse bei der Werbewirtschaft, sagte Bohla, "alle wollen ausprobieren, wie das am Markt ankommt".Etwa zwanzig Firmen werden während des Testlaufs im "Otelo spotline"-Netz kostenlos werben können.Dabei werden Spots am Anfang und während des Telefongesprächs eingespielt.Für die einzelnen Verbindungen im Orts- und Fernbereich fallen keine Gebühren an.Die "zielgruppengenaue Plazierung von Werbespots" erschließe einen neuen Markt und bringe Kunden und Werbetreibenden einen "Zusatznutzen", glaubt Bohla.Otelo betrachte das Konzept allerdings nur als Ergänzung zum Kerngeschäft.Im Massengeschäft werde Werbetelefonie nur eine untergeordnete Rolle spielen.Die Projektkosten für "Otelo spotline" bezifferte Bohla auf mehrere 100 000 DM.Für das Berliner Pilotprojekt sucht Otelo noch Teilnehmer.Interessierte können unter der Telefonnummer 0180/22080 Informationen erhalten und Anmeldungsformulare anfordern.Die Akzeptanz des Projekts soll darüber entscheiden, ob Otelo die Werbetelefonie bundesweit einführt. Das Unternehmen will von 1998 an als Konkurrent der Telekom für Privatkunden preisgünstige und serviceorientierte Angebote für das Telefonieren auf den Markt bringen.Bis zum Jahr 2005 sollen dafür sieben Mrd.DM investiert werden.Nach einem "gleitenden Übergang" ins Jahr 1998 werde "Otelo in der zweiten Jahreshälfte voll da" sein, kündigte Bohla an.Er bekräftigte, die Telefon-Tarife des Unternehmens würden billiger und verständlicher als die der Telekom sein."Wir erwarten großes Interesse", so der Otelo-Chef.In den Ballungsräumen werde Otelo neben der Telekom mit sogenannten "City-Carriern" zusammenarbeiten - wie etwa in Berlin mit der BerliKomm, einer 100-Prozent-Tochter der Wasserbetriebe -, die die lokale "Verästelung" des Telefonnetzes in die Hand nehmen. Einer Umfrage zufolge laufen unterdessen der Deutschen Telekom die Großkunden weg.Wie die "Wirtschaftswoche" am Mittwoch berichtete, haben 30 der 50 größten Unternehmen in Deutschland entschieden, ganz oder teilweise zur privaten Konkurrenz zu wechseln.Thyssen, Karstadt, Lufthansa und Metallgesellschaft werden den Informationen zufolge ab Januar komplett von privaten Anbietern versorgt.

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