Private Krankenversicherung : Die DKV langt zu, die Debeka senkt die Beiträge

Für viele Privatpatienten steigen die Beiträge teilweise kräftig, andere Unternehmen werden billiger. Warum das so ist und was Betroffene tun können.

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Finanzspritze: Viele Krankenversicherer erhöhen die Beiträge.
Finanzspritze: Viele Krankenversicherer erhöhen die Beiträge.Foto: dpa

Nach dem Beitragsschock für DKV-Mitglieder fordern Verbraucherschützer gesetzliche Reformen für die private Krankenversicherung. „Es wäre besser, wenn die Privatversicherer ihre Beiträge jährlich moderat anpassen würden, statt den Versicherten auf einen Schlag hohe Beitragssteigerungen zuzumuten“, sagte Lars Gatschke, Versicherungsexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), dem Tagesspiegel. Nach geltendem Recht dürfen die Unternehmen ihre Beiträge nur dann verändern, wenn die Kosten eines Tarifs um mindestens zehn Prozent höher oder tiefer liegen als kalkuliert. „Ein Tarif bleibt sieben Jahre lang gleich, und dann bekommen die Mitglieder plötzlich eine Erhöhung um acht Prozent“, ärgert sich der Verbraucherschützer.

Bis zu 130 Euro mehr

Doch manches Mal ist es mit acht Prozent nicht getan. Bei der DKV, der zweitgrößten privaten Krankenversicherung, steigen die Beiträge zum 1. April um bis zu 130 Euro im Monat, für die Betroffenen eine Steigerung um 40 Prozent oder mehr. Für die R+V-Versicherung hat der Branchendienst „Map-Report“ eine Beitragserhöhung von 16,4 Prozent ermittelt. Der Beitragsschock trifft jedoch nicht alle Versicherten, sondern nur einzelne Tarife. Bei der DKV liegt die Erhöhung über alle Verträge hinweg bei 7,8 Prozent, bei der R+V sind es 5,8 Prozent. Branchenweit geht der Map-Report für die knapp 8,9 Millionen Vollversicherten in diesem Jahr von einem Beitragsanstieg um 4,1 Prozent aus.

Die Kosten steigen

Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) macht die steigenden Gesundheitskosten verantwortlich. Der medizinisch-technische Fortschritt führe zu steigenden Ausgaben. An den medizinischen Innovationen lassen Ärzte und Kliniken Privatpatienten nämlich besonders gern teilhaben. Immerhin bringen diese den 2,3-fachen Gebührensatz, bei aufwendigeren Fällen auch den 3,5-fachen. Auch die steigende Lebenserwartung macht die Versicherungen teurer. Und seitdem der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, die Zinsen niedrig hält, erwirtschaften viele Versicherer mit ihren Kapitalanlagen weniger als kalkuliert. Sinkt der Rechnungszins, muss die Lücke über Beitragserhöhungen gefüllt werden.

Im Alter wird es teuer

Für die Kunden ist das bitter. Denn viele sind mit Billigtarifen geworben worden, als sie jung und gesund in die PKV eingetreten sind. Doch wiederholte Beitragserhöhungen zehren den finanziellen Vorteil auf. „Mit 55 Jahren ist man oft beim Doppelten der Beiträge angekommen“, sagt Gatschke. Verbraucher sollten in jungen Jahren ihre Beitragsersparnis zur Seite legen. Aber das macht keiner. Das dicke Ende kommt im Alter. Die meisten PKV-Versicherten können dann nicht mehr in die gesetzliche Krankenkasse zurück. Ein Wechsel zu einer anderen, günstigeren Privatkasse scheitert oft an der Gesundheitsprüfung.

Die meisten Allianz-Kunden bleiben verschont

Dabei könnte sich ein solcher Wechsel lohnen. So hat die größte Privatkasse, die Debeka, ihre Beiträge weitgehend stabil gehalten. 1,5 Millionen Mitglieder bekommen sogar eine Beitragssenkung. Auch bei der Allianz bleiben 93,5 Prozent der Mitglieder von Erhöhungen verschont. Das liegt daran, dass die Kapitalerträge dieser Versicherer höher sind als bei der Konkurrenz, aber nicht nur. „Die Debeka hat einen großen Tarif, in dem viele Mitglieder sind“, sagt Gatschke. „Die DKV hat aggressiv um Neukunden geworben und immer neue Tarife aufgemacht.“ Den Schaden hätten die Kunden. „Die Tarife vergreisen, die Beiträge gehen durch die Decke.“

Was Kunden tun können

Was tun, wenn die Versicherung immer teurer wird? Zurück in die gesetzliche Kasse? Das würden viele gern machen. Vor allem Menschen mit Kindern, die in der GKV beitragsfrei mitversichert wären, würden viel Geld sparen, wenn sie der Privatversicherung den Rücken kehren könnten. Das geht aber nur, wenn sie brutto weniger als 56 250 Euro im Jahr verdienen. Wer an der Grenze liegt, könnte einen Teil seines Gehalts per Entgeltumwandlung in eine Betriebsrente einzahlen und so unter die Versicherungspflichtgrenze rutschen. Auch eine Reduzierung der Arbeitszeit (und des Gehalts) könnte eine Rückkehr in die Gesetzliche ermöglichen – allerdings nur bis zum 55. Lebensjahr. Danach ist Schluss. Wer privat versichert bleibt, kann in einen Tarif mit weniger Leistungen wechseln oder seinen Selbstbehalt erhöhen. Beiträge sparen kann man auch im Standardtarif (ab 55 Jahren) und im Basistarif, allerdings entspricht das Angebot hier nur dem GKV-Niveau.

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