Private Krankenversicherung : DKV kassiert Beitragsgarantie

Die zweitgrößte private Krankenversicherung hat vielen ihrer Kunden das Versprechen gegeben, die Beiträge nicht zu erhöhen. Das kostet sie nun 20 Millionen Euro.

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Zu voreilig. Der zweitgrößte private Krankenversicherer muss für seine Beitragsgarantie nun ein Jahr lang zahlen.
Zu voreilig. Der zweitgrößte private Krankenversicherer muss für seine Beitragsgarantie nun ein Jahr lang zahlen.Foto: dpa

Es ist keine zehn Monate her, da schickte Deutschlands zweitgrößter privater Krankenversicherer tausenden seiner Kunden eine „Garantieerklärung“. Bis zum April 2015, so lautete das Versprechen, würden ihre Tarife nicht erhöht. Das war offenbar ein wenig voreilig. Denn nun teilte die DKV den Betroffenen mit, ihre Beiträge leider doch schon zum April 2014 deutlich heraufsetzen zu müssen. Doch weil man eine einmal abgegebene Garantie nicht einfach für nichtig erklären kann, gibt es einen bemerkenswerten Kompromiss: Der Mehrbetrag werde ein Jahr lang „aus unternehmenseigenen Mitteln“ bezahlt.

Aufschlag um 11,8 Prozent

Er wisse nicht, ob er sich darüber jetzt freuen oder ärgern solle, sagt Stefan Block (Name geändert). Der 51-Jährige wurde von der DKV darüber informiert, dass sich sein Tarif „BestMed Komfort“ trotz Beitragsgarantie zum April um 11,8 Prozent verteuert. Einerseits ist Block erleichtert, dass er diesen Aufschlag vorerst nicht zahlen muss. Andererseits fühlt er sich auch verschaukelt. Schließlich wird die Erhöhung mit Verzögerung doch noch fällig – und summiert sich im April 2015 dann womöglich mit einem weiteren Aufschlag, der ausdrücklich nicht ausgeschlossen wird, zu einer ganz besonders heftigen Verteuerung. Und geht die Finanzierung der offenbar voreilig abgegebenen Beitragsgarantie jetzt nicht auf Kosten aller anderen in der Versichertengemeinschaft?

Bei 58 000 Versicherten im Wort

Bei der DKV sehen sie darin kein Problem. Betroffen seien von der vorerst auf die eigene Kappe genommenen Beitragserhöhung rund 58 000 Versicherte, sagt DKV-Sprecherin Sybille Schneider. Die Überbrückung koste 20 Millionen Euro. Entnehmen werde man diese Summe der eigens gebildeten Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB). Dies sei mit dem unabhängigen Treuhänder so vereinbart. Die 20 Millionen seien nur ein kleiner Teil der „Gesamtlimitierungssumme“ von 310 Millionen Euro, die in diesem Jahr wie üblich zur „Abfederung von Beitragserhöhungen“ eingesetzt würden, heißt es bei der Versicherung.

Solche Mittel seien „dazu da, dass sie verbraucht werden“, findet auch Stefan Reker vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV). Es sei üblich, zur Dämpfung von Beitragserhöhungen Reserven zu bilden und diese zeitnah auszugeben. Wie dieses Geld eingesetzt und wie darüber mit den Kunden kommuniziert werde, sei Sache des Unternehmens.

"Die Kunden verschaukelt"

Versicherungsberater sehen die Sache durchaus kritischer. Das Beispiel der DKV zeige, dass Beitragsgarantien über mehr als zwölf Monate in der PKV „grundsätzlich unrealistisch“ seien, meint etwa Harald Leissl von der Ulmer Firma „Beitragsoptimierung24.de“. PKV- Beiträge stiegen nun mal regelmäßig und unvermeidbar – aufgrund des medizinischen Fortschritts und der steigenden Lebenserwartung. Von daher handle es sich bei der Garantie lediglich um einen „PR- Gag“, den die Kunden selbst finanzieren müssten. Sie seien „verschaukelt“ worden. Wobei Stefan Block besonderes Pech hatte. Im vergangenen Jahr war er eigens wegen der Beitragsgarantie zu dem „BestMed“-Tarif gewechselt – nachdem ihm die DKV seinen vormaligen Tarif gleich um 25 Prozent erhöhen wollte. Ein Wechsel zu einem anderen Versicherer kam wegen der nicht mitnehmbaren Altersrückstellungen nicht infrage. Insgesamt betrug die Steigerung für alle rund 900 000 DKV-Vollversicherten im vergangenen Jahr im Schnitt 4,5 Prozent – während die meisten anderen Versicherer kaum erhöhten.

Dickes Ende absehbar

Offenbar wollte die DKV vor diesem Hintergrund mit ihrer Beitragsgarantie bei ihrer Klientel wieder Land gutmachen. Doch der Schuss ging nach hinten los, der Ärger ist jetzt umso größer. Bildlich gesprochen, so bringt es Leissl auf den Punkt, würden bei der DKV Reserven „dafür verbraten, die Kunden hinters Licht zu führen“. Schon jetzt nämlich sei für die Betroffenen das dicke Ende absehbar. Im April kommenden Jahres ende die Subventionierung, gleichzeitig komme vermutlich die nächste reguläre Beitragserhöhung. Wer dann keine zweistellige Erhöhung aufgebrummt bekomme, der könne froh sein.


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