Wirtschaft : Private Pflegeanbieter fordern Unterstützung Appell: Mehr Zuwanderung und weniger Bürokratie

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Berlin - Deutschlands private Pflegeanbieter fordern mehr Unterstützung von der Politik: Angesichts der wachsenden Zahl von Pflegebedürftigen in Deutschland hat der Arbeitgeberverband Pflege deutliche Kritik an den Rahmenbedingungen geäußert. „Wir haben Hemmnisse ohne Ende“, sagte Friedhelm Fiedler, stellvertretender Vorsitzender des Verbands, am Mittwoch in Berlin. Als größte Probleme nannte er zum einen den hohen Bürokratieaufwand: „Bis zu 30 Prozent ihrer Arbeitszeit sind Fachkräfte mit Papierkram beschäftigt. Jeder Schritt muss dokumentiert werden. In der Zeit könnten sich die Mitarbeiter besser um die Bedürftigen kümmern.“ Zum anderen sei es noch immer schwierig, Personal aus dem Ausland einzustellen. „Wir brauchen Zuwanderung. Aber der Staat akzeptiert die meisten ausländischen Abschlüsse nicht, obwohl sie mindestens gleichwertig sind“, sagte der Verbandsvorsitzende Thomas Greiner.

Schon jetzt sind vielerorts Stellen unbesetzt, 10 000 sind amtlich gemeldet. Um Fachkräfte zu sichern, haben einige Träger Ausbildungsstätten in China und Indien eröffnet. Auch gebe es Ansätze, in Spanien zu werben, wo die Jugendarbeitslosigkeit hoch ist, sagte Greiner.

Im Auftrag des Arbeitgeberverbands hatte das Rheinisch Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt, dass bis 2020 mindestens 175 000 Pflegekräfte zusätzlich gebraucht werden. Dabei nehme die Bedeutung privater Anbieter zu: Der Anteil an den rund 11 000 Heimen ist laut Studie zwischen 1999 und 2009 von knapp 36 auf 40 Prozent gestiegen. Dabei seien private Einrichtungen bei mindestens gleicher Qualität durchschnittlich bis zu zehn Prozent günstiger. In einer ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung hingegen heißt es, private Anbieter hätten die Gesamtsituation nicht verbessert. Nach wie vor gebe es bei der Betreuung von Pflegebedürftigen ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis und kaum individuelle Lösungen.Maris Hubschmid