Quote in Aufsichtsräten : Headhunter finden zu wenig Frauen

Nur kleine Schritte: Die Frauenquote in Aufsichtsräten kommt. Doch Headhunter tun sich schwer, geeignetes Personal zu finden.

von
Mit oder ohne Pumps: Ab 2016 soll eine Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte gelten.
Mit oder ohne Pumps: Ab 2016 soll eine Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte gelten.Foto: picture alliance / dpa

Wenn die Frauenquote kommt, könnte das Yvonne Schoper ihrem Ziel ein Stück näher bringen. Die 48-Jährige will Aufsichtsrätin in einem Unternehmen werden – und die Liste ihrer Qualifikationen ist lang. Schoper lehrt an der Hochschule für Technik- und Wirtschaft (HTW) in Berlin, ist Vorständin von Deutschlands größtem Projektmanager-Verband, promovierte Wirtschaftsingenieurin und hat zwölf Jahre als Managerin in der Automobilindustrie gearbeitet. Für eine Tätigkeit im Aufsichtsrat, so glaubt sie, habe sie die notwendigen Kompetenzen. „Solche Posten werden nur eben nicht in Stellenanzeigen ausgeschrieben“, sagt sie.

Das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. Doch Headhunter sind händeringend auf der Suche nach qualifizierten Frauen für Aufsichtsratsmandate. „Die Personalberater haben alle ihre Listen mit geeigneten Frauen, damit sie für mögliche Anfragen direkt einige Kandidatinnen in der Hinterhand haben“, sagt Sabine Hansen, Geschäftsführerin der auf Führungskräfte spezialisierten Personalberatung Amrop Delta. Denn nicht selten bringen Anfragen von Unternehmen Headhunter in die Bredouille, wenn sie verlangen, dass auf einer „Shortlist“ für einen Aufsichtsratsposten auch mehrere Frauen stehen müssen. Ein Headhunter, der nicht namentlich genannt werden will, sagt sogar: „Es ist peinlich, dass wir auf sekundäre Geschlechtsmerkmale abstellen müssen – so bringen wir uns um den bestmöglichen Kandidaten.“ Es sei schon vorgekommen, dass er mehrere geeignete männliche Kandidaten gefunden habe, aber eben keine qualifizierten Frauen – und das den Abschluss seines Auftrages behindert habe. Auch der Personalberater Andreas Halin machte die Erfahrung: „Bei Mandaten für Aufsichtsratsposten fragen die Unternehmen oft nach einer Frau – es ist aber teilweise schwer, geeignete Kandidatinnen für diese Positionen zu finden.“

Rund 100 an der Börse notierte Firmen sind betroffen

Trotzdem werden sich diese Anfragen in Zukunft noch häufen, denn die Frauenquote kommt – das hat Angela Merkel in der vergangenen Woche noch einmal bekräftigt. Der aktuelle Gesetzentwurf sieht vor, ab 2016 eine Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte von Unternehmen vorzuschreiben, die börsennotiert und voll mitbestimmungspflichtig sind. Das sind in Deutschland etwa 100 Firmen. Zudem soll es für 3500 weitere Unternehmen Pflicht werden, sich selbst eine Zielquote für Aufsichtsrat, Vorstand und die oberste Managementebene zu setzen.

Das wird besonders Unternehmen, die im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich tätig sind, vor Herausforderungen stellen. Klagen sind vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall zu vernehmen oder vom Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius, in dessen Aufsichtsrat kein einziges weibliches Mitglied sitzt. „Im Idealfall wachsen Frauen in Führungspositionen von der Basis heran. Aber derzeit gibt es nur einen kleinen Pool von möglichen Kandidatinnen“, betont Antonia Fischer-Dieskau, Gesamtmetall-Referentin für Sozialpolitik.

Siemens, Continental, Eon: In vielen Firmen sind weibliche Vorstände gescheitert

Gleichzeitig wird immer wieder auf Frauen verwiesen, die in hohen Positionen – etwa im Vorstand von Unternehmen – gescheitert sind. Prominente Beispiele sind die ehemalige Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer, Ex-Continental-Vorstand Elke Strathmann oder Regine Stachelhaus, die nur kurze Zeit im Vorstand von Eon saß. „Durch den Drang, Frauen in Führungspositionen zu bringen, verzichtet man zuweilen auf notwendige Vorqualifikationen wie Auslandserfahrung, nachweisbare Performance in bestimmten Positionen oder Erfahrung auf wichtigen Themengebieten“, sagt Personalberater Halin. Auch die Tatsache, dass die Vorzeige-Damen häufig von außen kommen und die Hauskultur nicht kennen, wird zuweilen als Grund für das Scheitern verantwortlich gemacht. Von „extrem hohen Erwartungen“ spricht Monika Schulz-Strelow, Präsidentin des Vereins „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar).

Trotzdem prognostiziert Headhunterin Hansen, dass Frauen auch in Zukunft von außen geholt werden – und die Firmen dabei nicht unbedingt auf Vielfalt setzen. „Aufsichtsratsmandate werden in Deutschland mehr oder weniger unter der Hand vergeben. Das wird bei den Frauen ähnlich wie bei den Männern verstärkt zu Klümpchenbildung führen. Das heißt: Eine Frau hat mehrere Mandate“, sagt Hansen. Es seien dann immer wieder dieselben Damen, die gehandelt würden. Hansen glaubt, dass die Unternehmen sich vor allem um Kandidatinnen bemühen werden, die einen globalen Hintergrund haben. „Sie wollen Frauen mit Einfluss und einem guten Netzwerk. Kompetenz allein ist nicht ausschlaggebend.

Die Taktik lernen

An der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) setzt man trotzdem auf gute Vorbereitung: Dort sollen Frauen gezielt für Posten in Aufsichtsratspositionen fit gemacht werden. „Wir adressieren Schwierigkeiten, mit denen sich Frauen in Spitzenpositionen konfrontiert sehen“, sagt HWR-Vizepräsidentin Friederike Maier. Zu den Teilnehmerinnen gehört auch Yvonne Schoper. „Das Programm führt einem unter anderem die mikropolitischen Taktiken in einem solchen Gremium noch einmal vor Augen“, sagt sie. In Zukunft könnte ihr dieses Wissen nutzen.

Autor

6 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben