Referendum in Schottland : Was die Unabhängigkeit für Anleger bedeuten würde

Stimmen die Schotten an diesem Donnerstag für die Unabhängigkeit, hätte das auch Auswirkungen auf deutsche Anleger. Allerdings gibt es viele offene Fragen.

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Die Queen und das Pfund würden die Schotten gerne behalten.
Die Queen und das Pfund würden die Schotten gerne behalten.Foto: dpa

Die Queen, das Pfund und die EU wollen sie eigentlich behalten. Doch nur die Königin könnte ihnen bleiben, sollten sich die Schotten an diesem Donnerstag für die Scheidung von England, Wales und Nordirland aussprechen. Wirtschaftlich könnten bei einem „Yes“ sogar „heftige Verwerfungen“ drohen , warnen Internationale Währungsfonds sowie die meisten Banken.

Kurzfristig könnten die Anleger am Donnerstag viele britische Aktien und Bonds auf den Markt werfen – und andere Märke mitreißen. Mittelfristig drohten nicht weniger als das Aus für den viertgrößten Finanzmarkt Europas in Edinburgh, ein jahrelanger Rosenkrieg um die britischen Staatsschulden, die Renten- und Sozialsysteme und das Nordsee-Öl, eine Neubewertung der britischen Bonität und erhebliche Schwankungen des Pfunds.

Welche Währung hätte ein unabhängiges Schottland?

„Für Europa wäre ein Ja wirtschaftlich sehr negativ“, sagt Berthold Busch vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Vor allem die Währungsfrage werfe Folgeprobleme auf: Es sei juristisch klar, sagt Busch, dass ein neues Land nicht einfach formlos in der EU bleiben könne. Vielmehr sei ein neues Aufnahmeverfahren notwendig, dafür müsse Schottland jedoch zunächst eine eigene Währung und eine Notenbank schaffen und mittelfristig die Aufnahme in die Euro-Zone anstreben.

Lieber möchte Schottland aber eine Währungsunion mit den britischen Pfund-Schwestern unter dem Dach der Bank of England bilden, doch Regierung, Labour-Opposition und die Notenbank lehnen dies katgeorisch ab. Dies sei nur ein „grotesker Bluff“, der Druck auf die Schotten ausüben solle, kontern die Separatisten. London argumentiert dagegen, eine Währungsunion mit unterschiedlicher Sozial- und Fiskalpolitik sei wie eine Mini-Eurozone  – und damit anfällig für Probleme.

Als dritte Variante vorstellbar wäre eine freiwillige Koppelung an die Pfundzone. Dies würde jedoch bedeuten: Die Schotten hätten keinen Zugriff mehr auf Zentralbankgeld. Und die schottische Wirtschaft müsste, unabhängig von ihrer konjunkturellen Lage, mit in London festgezurrten Konditionen leben und sich Gelder stets auf dem Interbankenmarkt besorgen.

Der Finanzstandort Edinburgh, wo unter anderem die Royal Bank of Scotland (drittgrößte Bank Europas), die Lloyds Banking Group, die Clydesdale Bank und der Versicherer Standard Life ihren juristischen Sitz haben, würde das nicht überleben. Alle vier Unternehmen haben bereits angekündigt, im Falle eines Ja nach London umzuziehen.

Wie wären deutsche Anleger betroffen?

Auf deutsche Anleger, Unternehmen mit Großkrediten und Versicherungs- oder Bankkunden der schottischen Finanzwirtschaft könnten Änderungen von Verträgen und Anlagebedingungen zukommen. Standard Life beispielsweise ist in etwa so groß wie die Allianz und hat 450 000 Kunden in Deutschland und Österreich. Die Bank of Scotland wiederum, eine Tochter von Lloyds, ist sehr aktiv auf dem deutschen Markt, etwa mit Tagesgeldern und Autokrediten.

Auch bei einer Abspaltung gälte für deutsche Kunden grundsätzlich die EU-Einlagensicherung von 100 000 Euro weiter, solange die schottische Unabhängigkeit nicht vollzogen wäre – also bis Frühjahr 2016. Die Bank of Scotland sichert Kundengelder als Mitglied in der deutschen Einlagensicherung sogar mit 250 000 Euro pro Kunde ab. Da sie nach London umzöge, können Anleger ihr Geld auch über 2016 hinaus liegen lassen, bestätigen Verbraucherschützer.

Fondskäufer und Index-Anleger müssten sich hingegen auf Veränderungen einstellen, denn britische Fonds und Indizes an der Börse enthalten auch schottische Aktien. Bei einem Ja der Schotten wäre der Umzug der Banken auch notwendig, um weiter dem britischen Leitindex FTSE angehören zu können. Die Aktien des Energieunternehmens Scottish & Southern Energy oder des Transportunternehmens First Group aus Aberdeen müssten den FTSE dann verlassen.

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