Rolls-Royce Triebwerke : Brandenburg bereitet sich auf Riesenbrummer vor

Rolls-Royce, der britische Hersteller von Flugzeugtriebwerken, baut in seinem Werk in Dahlewitz südlich von Berlin einen Prüfstand für die weltgrößten Flugzeugtriebwerke. Politiker aus Bund und Land bekommen sich kaum noch ein vor Freude.

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20 Jahre Düsentrieb: Seit 1992 entwickeln, prüfen und warten Techniker in Dahlewitz südlich von Berlin kleine und mittelgroßen Flugzeugtriebwerke. Bald testet das Werk auch das Modell Trent XWP, das derzeit größte und sparsamste Triebwerk auf dem Markt.
20 Jahre Düsentrieb: Seit 1992 entwickeln, prüfen und warten Techniker in Dahlewitz südlich von Berlin kleine und mittelgroßen...Promo

DahlewitzDahlewitz - Der Wind pfiff ihm ins Mikrofon, auch das Dröhnen der Autobahn einen Steinwurf hinter ihm störte seine Rede. Müde sah Matthias Platzeck aus. Steckte ihm die letzte BER-Aufsichtsratssitzung in den Knochen – oder eine Feier? Auf den Tag genau vor zehn Jahren ist Platzeck zum Ministerpräsidenten Brandenburgs vereidigt worden. So stand der SPD-Politiker am Dienstag auf einem Acker in Dahlewitz am südlichen Berliner Ring und freute sich: „Es ist ein ausgesprochener Glücksfall für uns, dass sich Rolls-Royce vor 20 Jahren entschieden hat, hierherzukommen“, sagte Platzeck.

Als der Triebwerkshersteller kurz nach der Wende – damals noch in Kooperation mit BMW – hier sein Werk aufgebaut habe, sei das eine Initialzündung gewesen. „Wenn die schon kommen, müssen wir uns das auch anschauen“, hätten sich Chefs anderer Konzerne gesagt. Das Ergebnis sehe man heute: 2200 hochwertige Arbeitsplätze bei Rolls-Royce und Tausende weitere im Umfeld. Das Unternehmen sei, so Platzeck, anders als manche Solarfirma vor Ort, tief verankert in der Region – über Partnerschaften mit Zulieferern und Forschungsinstituten. Kurz bevor ein Storch begann, seine Kreise über dem Feld und den 100 Gästen zu drehen, holte Platzeck zum finalen Dank an Michael Haidinger aus – „nicht nur als Mensch, sondern auch als Bürger“. Der so geschmeichelte Gastgeber Haidinger hatte als Deutschland-Chef des britischen Konzerns den Standort in den letzten sechs Jahren stetig weiter ausgebaut. Die Feierstunde am Dienstag war der Höhepunkt und Schlusspunkt seines Wirkens vor Ort: Kommende Woche tritt der gebürtige Österreicher einen neuen Job am Bodensee an – bei dem Motorenhersteller Tognum, der seit einem Jahr Rolls-Royce und Daimler gehört.

Zuvor aber lud Haidinger noch alle Würdenträger zum ersten Spatenstich für den bisher teuersten Erweiterungsbau an dem Standort: Einen Prüfstand für Jumbo-Triebwerke. Kosten: 90 Millionen Euro. Ab 2014 kann dort auch das weltgrößte und modernste Triebwerk vom Typ Trent XWB getestet werden, ein 6,6- Tonnen-Koloss mit mehr als drei Metern Durchmesser, der zum Beispiel den neuen Langstrecken-Airbus A350 in die Luft bringen soll. Bisher konnten die Ingenieure in dem Werk, das auf kleine und mittelgroße Triebwerke spezialisiert ist, in den beiden existierenden Prüfständen keine Motoren dieser Größe testen. Das Gebäude, das nun dort auf der Wiese entsteht, wird eine Grundfläche von rund 8000 Quadratmetern haben, was einem Fußballfeld oder der überbauten Fläche des Kölner Doms entspricht. Die weitgehend schallisolierte Prüfkammer selbst, in der diese Triebwerke aufgehängt und gezündet werden, wird größer sein als ein Olympia-Schwimmbecken. Darin sollen die Entwicklungsingenieure bei Tests bis zu 2000 Parameter – etwa Drücke, Temperaturen, Schwingungen, Frequenzen, Kraftstoffmengen, Dehnungen – gleichzeitig erfassen können.

„Der Bau der Anlage ist eine gute Nachricht für unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und die Region insgesamt“, sagte Haidinger, der als Deutschland-Chef auch im Vorstand des Industriekonzerns saß, der mehr als die Hälfte seines Jahresumsatzes von zuletzt gut 14 Milliarden Euro mit Service, etwa der Wartung und Echtzeitüberwachung fliegender Triebwerke, erwirtschaftet. Für die Kunden könne man durch den Ausbau der Testkapazität in Dahlewitz Entwicklungsprogramme schneller umsetzten. Mitarbeiter und die Region profitierten von der Sicherung bestehender Arbeitsplätze.

An der neuen Anlage selbst würden zudem mehrere Dutzend hochqualifizierte Mitarbeiter eingesetzt werden, kündigte Haidinger an – ohne indes eine konkrete Zahl zu nennen. Auch zur Höhe der beantragten Standortfördergelder machte Rolls-Royce keine Angaben. Diese seien aber nicht höher als üblich, hieß es lediglich.

Seitens der Politik jedenfalls ist man hochzufrieden: Peter Hintze (CDU), Staatssekretär im Bundeswirtschaftministerium und Luft- und Raumfahrtkoordinator der Regierung, war mindestens so gut aufgelegt wie Landesvater Platzeck. In seiner Rede rief er die Region um Dahlewitz kurzerhand zum „deutschen Triebwerks-Valley“ aus. Kevin P. Hoffmann

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