Wirtschaft : Schlecht gerechnet

Verbraucherschützer kritisieren: Auskunfteien wie die Schufa arbeiten oft mit falschen Daten

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Berlin - Fast jeder hat ihn, kaum jemand kennt ihn – den Scoring-Wert, den Auskunfteien wie die Schufa nutzen, um die Bonität von Verbrauchern zu beziffern. Mit schlechten Werten zahlen Kunden höhere Zinsen für ihre Kredite oder bekommen erst gar keinen. Neue Handyverträge gibt es dann nur mit Prepaid-Karte, Versender liefern ausschließlich gegen Vorkasse – oder überhaupt nicht.

Bei solch gravierenden Nachteilen ist es wichtig, dass die Daten stimmen. Doch die Erfahrungen, die Verbraucher mit der Schufa, Creditreform, Bürgel und anderen Auskunfteien gemacht haben, sind anders. Fast 50 Prozent der Bürger, die eine Datenauskunft eingeholt haben, stießen auf falsche oder veraltete Daten. Das geht aus einer Internet-Umfrage hervor, die der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) durchgeführt hat und deren Ergebnisse dem Tagesspiegel vorliegen. Rund 1500 Verbraucher hatten sich von April 2010 bis zu diesem April beteiligt und ihre Erfahrungen mit den Auskunfteien geschildert. „Die Ergebnisse zeigen, dass es nach wie vor enorme Probleme gibt“, sagte VZBV-Finanzexperte Frank-Christian Pauli dem Tagesspiegel. „Wir sehen dringenden Handlungsbedarf.“

Dabei sollten Probleme mit den Auskunfteien eigentlich der Vergangenheit angehören. Seit dem 1. April vergangenen Jahres haben die Verbraucher per Gesetz das Recht, von den Diensten zu erfahren, welche Daten über sie gespeichert sind, welchen Scoring-Wert sie haben und wie dieser zustande kommt – in verständlicher Form und kostenlos. Einmal im Jahr müssen die Auskunfteien solche Anfragen unentgeltlich geben.

Rund ein Jahr nach der neuen Auskunftsregelung zieht der VZBV jedoch eine enttäuschende Bilanz. Fast 60 Prozent der Verbraucher hätten die Antworten auf ihre Scoring-Anfragen nicht verstanden. 30 Prozent gaben an, sie hätten für die Auskünfte zahlen müssen. Die Verbraucherschützer wollen das nicht hinnehmen. Sie wollen sich jetzt intensiver mit dem Scoring-Problem beschäftigen.

Die Schufa stellt die Ergebnisse jedoch in Zweifel. An Umfragen wie der des VZBV würden tendenziell eher Menschen teilnehmen, die unzufrieden sind, sagte Schufa-Sprecher Christian Seidenabel auf Anfrage. Die größte deutsche Auskunftei arbeitet mit anderen Zahlen: Von den 66,2 Millionen Verbrauchern, deren Daten bei der Schufa gespeichert sind, habe es im vergangenen Halbjahr nur 12 gültige Beanstandungen gegeben. Die Kritik der Kunden – vermutet Seidenabel – könne auf Missverständnissen beruhen, etwa bei der Frage, ob eine Auskunft etwas kosten darf oder nicht. So sei zwar die reine Datenauskunft bei der Schufa kostenfrei. Für eine Bonitätsauskunft, die der Verbraucher beim Arbeitgeber oder beim Vermieter vorlegen will, berechnet die Auskunftei aber 18,50 Euro.

Jeder Verbraucher könne alle Daten, die über ihn gespeichert sind, einsehen und kontrollieren, betont Seidenabel. Dazu gehöre auch die Information darüber, welches Unternehmen wann und zu welchem Zweck Erkundigungen über ihn eingezogen habe. Überhaupt nicht gespeichert würden Informationen zu Kontoständen, Einkommen, Beruf, Familienstand, Nationalität und zum Kaufverhalten.

Sind die gespeicherten Daten falsch oder unvollständig, haben Verbraucher einen Anspruch auf Korrektur. „Das funktioniert gut“, räumt Verbraucherschützer Pauli ein. Die wahren Probleme lägen jedoch woanders: „Das Bewertungsschema ist intransparent“, meint Pauli. Wer von Berufs wegen häufig umzieht, werde schnell in einen Topf mit denen geworfen, die vor ihren Gläubigern flüchten. „Dass dann richtigzustellen, ist fast unmöglich“, sagt Pauli.

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