Wirtschaft : Sieben Jahre Haft für EKC-Anlagebetrüger

94.000 Anleger betrogen / Eine Mrd.DM Schaden Frankfurt (Main)(ro).Einmal vier Jahre und sechs Monate, zwei Mal sieben Jahre wegen gemeinschaftlichen Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung: Drei der vier Hauptangeklagten im Prozeß um die Betrügereien des European Kings Club (EKC) werden viel Zeit haben, um hinter Gittern über ihr, wie es Staatsanwalt Klaus-Dieter Benner nennt, "widerwärtiges und perfides" Treiben nachzudenken.Daß die Urteile der 26.Strafkammer des Frankfurter Landgerichts an der unteren Grenze des Strafmaßes von bis zu zehn Jahren und unter den Anträgen des Staatsanwaltes blieben, ist den Geständnissen des EKC-"Rädelsführers" Hans-Günther Spachtholz und der beiden anderen Angeklagten Harald Bertges und Andreas Rast zuzuschreiben.Spachtholz kam erheblich besser weg, weil er gleich am zweiten Verhandlungstag sein kriminelles Treiben zum Ärger der anderen Beschuldigten in allen Details eingeräumt hatte.Bertges und Rast kam diese Einsicht erst nach und nach. Dadurch konnte der hierzulande bislang größte Prozeß um einen Anlagebetrug nach nur sechs Wochen abgeschlossen werden.Alle Beteiligten hatten befürchtet, es könne Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern, obwohl für die Anklage nur 678 der 32.000 Betrugsfälle herangezogen wurden und bislang gerade mal 20 Geschädigte überhaupt als Zeugen vernommen werden konnten.Der Schaden allein für diese Menschen beläuft sich auf 4,78 Mill.DM. Richter Thomas-Michael Seibert zollte Staatsanwälten und Angeklagten Lob."Damit ist in einem wichtigen Bereich die öffentliche Ordnung wieder hergestellt." Sonst aber schüttelte er nur den Kopf über die Kriminalität, mit der die EKC-Oberen von 1992 bis Mitte 1995 mit dem Verkauf von sogenannten Lettern und Renditeversprechungen von über 70 Prozent rund 94.000 Anleger vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz übers Ohr gehauen und zwei Mrd.DM aus der Tasche gezogen hatten.Für manche Anleger ging die Rechnung mit diesem Schneeballsystem zwar auf, aber die meisten waren am Ende die Dummen.Bei mindestens einer Mrd.DM liegt der Schaden.Allenfalls zehn Prozent der Gläubigerforderungen im derzeit laufenden Konkursverfahren könnten nach Ansicht des Richters erfüllt werden. Seibert warf den Angeklagten vor, "die Armen ausgeplündert" zu haben.Denen sei eine Philosophie vermittelt worden, die einer Ideologie gleichgekommen sei.Zugleich habe man eine perfekte Organisation aufgebaut."Der EKC hat eine Marktlücke entdeckt, nach der sich alle Telekom-Werbestrategen gesehnt hätten: Ohne finanziellen Aufwand über Verwandte und Freunde Reklame zu betreiben." Andererseits aber waren die EKC-Chefs im kriminellen Geschäft, so die Richter, Amateure.Vom Erfolg ihrer Strategie überrascht, wußten sie nicht, wohin mit den vielen Millionen.Sie verpraßten des Geld oder gerieten selbst an Betrüger: Jede Investition erwies sich als Flop."Da ist Geld verschwunden in einem Umfang, der sprachlos macht", meinte Seibert."Wo ist die Schatulle der EKC-Oberen, die mindestens 30 Mill.DM enthielt? Wo sind die 150 Mill.DM, die noch von April bis Oktober 1995 eingesammelt wurden?" Spachtholz, Bertges und Rast nahmen die Urteile noch im Gerichtssaal an.Ex-EKC- Präsidentin Damara Bertges hat die Einsicht noch nicht ereilt: Sie bestreitet die Betrugsabsichten.Das Urteil gegen sie dürfte jetzt nicht mehr lange auf sich warten lassen.Das Verfahren gegen weitere fünf EKC-Mitarbeiter ist dagegen noch gar nicht eröffnet.

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