Siemens in Berlin : Die Turbinen drehen langsamer
20.12.2012 13:55 UhrDie fetten Jahre für Siemens in Berlin sind vorbei. In den vergangenen Jahren liefen die Geschäfte so gut, dass Siemens Millionen investierte und kräftig Arbeitsplätze aufbaute. Nach dem radikalen Stellenabbau nach der Wende arbeiteten Ende September wieder rund 13 500 Menschen für Siemens in der Hauptstadt. Allein rund um das Gasturbinenwerk in der Moabiter Huttenstraße entstanden 700 neue Stellen.
Das Werk – in dem Konzernchef Peter Löscher gerade die Bilanz präsentierte – arbeitete zeitweise an der Kapazitätsgrenze. Doch die Auftragsbücher sind dünner geworden. Und das von Löscher angekündigte Effizienzprogramm, das die Kosten im ganzen Konzern bis 2014 um sechs Milliarden Euro drücken soll, wird auch Berlin treffen, auch das Vorzeigewerk in Moabit.
Der Stellenabbau dort kommt noch zu den vielen Arbeitsplätzen hinzu, die bei Osram und beim Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) verloren gehen.
„Wir leiden unter sinkenden Auftragseingängen“, sagt Lennart Kunde, Betriebsratsvorsitzender des Gasturbinenwerks. Die Nachfrage auf dem Weltmarkt sei eingebrochen, statt 250 Gasturbinen pro Jahr würden derzeit nur 200 nachgefragt. In Deutschland würden so gut wie gar keine Gaskraftwerke gebaut, das sei auch Schuld der Politik, meint Kunde. Im Energiekonzept der Bundesregierung komme Gas gar nicht vor.
Ein Konzernsprecher bestätigt den rückläufigen Auftragseingang im Berliner Werk. „Wir arbeiten nicht unter Volllast“, sagt er. Nachdem in 2011 und 2012 deutschlandweit rund 1100 Arbeitsplätze bei Siemens in den Bereichen fossile Stromerzeugung sowie Öl und Gas entstanden seien, würden im Zuge des Effizienzprogramms nun rund 1100 Arbeitsplätze wieder abgebaut. „Noch stehen die Zahlen nicht fest“, sagte er. „Wir sind in Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern.“ Betriebsratsvorsitzender Kunde geht davon aus, dass im Berliner Werk mehr als 100, aber weniger als 200 Arbeitsplätze abgebaut werden.
Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaft sehen auch die Politik in der Pflicht. „Wir haben die Sorge, dass die gute Entwicklung in der Berliner Industrie in den letzten Jahren nun durch die Pläne von Siemens, NSN und Osram konterkariert wird“, sagt Klaus Abel aus der Berliner IG-Metall-Spitze.




















