Siemens : Vor dem Allzeithoch

Zur Hauptversammlung präsentiert Siemens-Chef Joe Kaeser gute Zahlen – das treibt den Aktienkurs gewaltig nach oben.

Axel Höppner
So stark wie noch nie: Joe Kaesers Vertrag wird vermutlich verlängert.
So stark wie noch nie: Joe Kaesers Vertrag wird vermutlich verlängert.Foto: AFP

Das Timing ist Joe Kaeser gelungen. Pünktlich zur Hauptversammlung präsentierte der Siemens-Chef den Investoren und Aktionären starke Quartalszahlen und hob die Gewinnprognose für das Gesamtjahr an. Die Aktie stand am Mittwoch mit einem Plus von knapp fünf Prozent an der Spitze des Dax und erreichte fast das Allzeithoch von gut 123 Euro aus dem März 2000. Mit einer Gesamtbewertung von rund 100 Milliarden Euro steht Siemens damit wieder auf Augenhöhe mit dem Dax-Anführer SAP. „Wir liegen mit unserem Strategieprogramm Vision 2020 richtig“, lobte Kaeser sich selbst.

Während die Erlöse des Wettbewerbers General Electric auf bereinigter Basis um zwei Prozent sanken, legte Siemens zum Start im ersten Geschäftsquartal um drei Prozent auf 19,1 Milliarden Euro zu. Der Nettogewinn verbesserte sich sogar um 25 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. „Wir haben die Wettbewerber in fast allen wichtigen Parametern hinter uns gelassen“, freute sich Kaeser vor den Aktionären. Allerdings sei man gut beraten, „bescheiden zu bleiben“. Längst laufe noch nicht alles perfekt.

Kaesers Vertrag läuft bis 2018

Die Investoren sehen das ähnlich. Auch deshalb drängen sie darauf, dass der Siemens-Chef über 2018 hinaus weitermacht. Kaeser selbst hält sich bedeckt. Auf die Zusammenarbeit mit dem künftigen Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe freue er sich. Und die mögliche Vertragsverlängerung im Sommer? „Wir arbeiten jetzt einfach weiter und dann wird sich zeigen, wie sich die Zukunft entwickelt.“ Nach Informationen des „Handelsblatts“ hat er dem Aufsichtsrat indes schon vor einigen Monaten signalisiert, dass er zu einer Vertragsverlängerung bereit ist. Die könnte noch als letzte große Amtshandlung Aufsichtsratschef Gerhard Cromme durchziehen. Der 73-Jährige, einst einer der mächtigsten Strippenzieher der Deutschland AG, kürte auf der Hauptversammlung seinen designierten Nachfolger, Ex-SAP-Chef Jim Hagemann Snabe.

Von den Aktionären gab es viel Lob für Kaeser. „Der von Ihnen eingeschlagene Weg hat zu sichtbaren Verbesserungen und Ergebnissen geführt“, sagte Marcus Poppe, Fondsmanager bei der Deutschen Bank. Zum Start ins neue Geschäftsjahr, das bei Siemens im Oktober beginnt, steigerte der Konzern das operative Ergebnis im industriellen Geschäft um 26 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht einer Umsatzrendite von 13 Prozent nach 10,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Kaeser erhöhte die Prognose und erwartet jetzt im Gesamtjahr elf bis zwölf Prozent Rendite, ein halber Prozentpunkt mehr als bislang.

Die Profitprognose wurde angehoben

Zu verdanken sei das auch dem Umbau unter der Führung Kaesers, lobte auf der Hauptversammlung Daniela Bergdolt, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Man hat das Gefühl, alle ziehen an einem Strang.“ Der Vorstandsvorsitzende fand klare Worte für die Entwicklung in den USA. „Es sorgt mich persönlich und uns als Unternehmen, dass wir Töne hören, die zu unserer bisherigen Wahrnehmung des Landes nicht passen“, sagte Kaeser. Die USA seien „great geworden durch die Immigranten“. Siemens selbst, betonte er, sei in den USA mit 50 000 Beschäftigten und 60 Fabriken tief verwurzelt.

Der Konzern wurde schlanker

Der Vorstandschef hatte in den vergangenen drei Jahren den Konzern verschlankt und Hierarchien in den vier Sektoren Industrie, Energie, Medizintechnik und Infrastruktur gestrichen. Zugleich richtete er das Unternehmen stark auf die Digitalisierung aus. In fünf von acht Geschäftsfeldern stiegen die Umsätze im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres. In der Medizintechnik stagnierten sie, in der Antriebssparte PD und in der Zugsparte Mobility sanken die Erlöse. Noch klarer ist das Bild bei der Profitabilität: In sieben von acht Geschäftsbereichen verbesserte sich die Umsatzrendite. Vor diesem Hintergrund plädierten einige Aktionärsvertreter für eine Vertragsverlängerung Kaesers. „Wir wünschen uns, dass Sie die ,Vision 2020‘ als Vorstandschef auch zu Ende bringen und eine Vertragsverlängerung zumindest bis 2020 anstreben“, sagte Ingo Speich, Fondsmanager bei der Union Investment.

Denn alle wissen, dass gerade in einem schwierigen globalen Umfeld eine gute Performance kein Selbstläufer ist. Und so gab es auch mahnende Stimmen. Beim Umbau habe Kaeser „alte Know-how-Träger und für Sie unbequeme, kritische Geister“ wie Industrievorstand Siegfried Russwurm verloren, die „im Vorstand auch mal abweichende Meinungen vertreten“, sagte Fondsmanager Speich. Er hoffe, dass „der neue Vorstand nicht zu einem Club der Jasager mutiert“. Gute Unternehmensführung sei niemals eine One-Man-Show, sondern brauche immer ein Gegengewicht und ein Korrektiv, mahnte der Aktionärsvertreter. (HB)

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