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Spielehersteller Schmidt : "Die Schlecker-Pleite hat uns kalt erwischt"

10.12.2012 14:36 Uhrvon
Last Minute. Brettspiele werden meist erst kurz vor Weihnachten gekauft, sagt Axel Kaldenhoven.Bild vergrößern
Last Minute. Brettspiele werden meist erst kurz vor Weihnachten gekauft, sagt Axel Kaldenhoven. - Foto: Georg Moritz

Axel Kaldenhoven ist Chef des Berliner Spieleherstellers Schmidt Spiele. Mit dem Tagesspiegel spricht er über "Mensch ärgere Dich nicht" in der Smartphone-Ära und das Weihnachtsgeschäft.

DER MANAGER

Axel Kaldenhoven (48) hat Grafikdesign und Betriebswirtschaftslehre studiert. Nach Stationen bei Nixdorf und Apple kam er 1995 zur Schmidt Spiele GmbH, seit 1997 ist er Geschäftsführer.

DAS UNTERNEHMEN
Der Berliner Spielehersteller gehört nach Branchenprimus Ravensburger zu den führenden Anbietern im Spiele- und Puzzlemarkt. Zum Unternehmen gehören die Marken „Drei Magier“ und „Hans im Glück“, für die Schwester Kiddinx Entertainment („Bibi Blocksberg“, „Benjamin Blümchen“) übernimmt Schmidt Spiele den Vertrieb. Das Unternehmen hat 45 Mitarbeiter.

Herr Kaldenhoven, wer spielt heute noch Brettspiele?
Viele, sehr viele! Es heißt ja immer, alle Leute würden nur noch auf ihren Computern spielen oder auf ihren Smartphones, aber das stimmt nicht.

Deutschland ist der größte Markt für Brettspiele, gespielt wird immer.

Auch ältere Kinder und Jugendliche? Oder spielen die nicht lieber Games auf ihrem Smartphone, Nintendo oder der Play Station statt „Mensch ärgere Dich nicht“?
Ja, in der Altersgruppe von acht bis 18 können wir mit unseren Brettspielen nicht so recht landen. Dabei sinkt die Altersgrenze immer weiter. Heute tippen schon Kinder von fünf, sechs Jahren auf den Smartphones ihrer Eltern herum.

Wie reagieren Sie darauf?
Wir bringen unsere Spiele auch auf die Smartphones und die iPads. „Mensch ärgere Dich nicht“ ist bereits eine der beliebtesten Apps, aber das ist nicht unser Kerngeschäft.

Sind Brettspiele nur was für Erwachsene?
Das hängt vom Spiel ab. „Mensch ärgere Dich nicht“ – unser Klassiker – richtet sich an Menschen zwischen fünf und 99 Jahren, das spielt die Oma mit dem Enkel. Wir entwickeln aber auch Spiele direkt für Kinder, etwa „Meine erste Post“ oder „Benjamin Blümchen“. „Qwirkle“, das „Spiel des Jahres 2011“, wird dagegen eher von der Generation 18plus gespielt.

Was bringt es, wenn eines Ihrer Spiele als „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet wird?
Eine Menge – insbesondere Umsatz- und Imagegewinn. Normalerweise verkauft man von einem Erwachsenen- oder Familienspiel 5000, 10 000 oder 15 000 Stück im Jahr. Wenn ein Spiel „Spiel des Jahres“ wird, können es bis zu 450 000 werden, das ist ein Quantensprung – und zwar nachhaltig. Im ersten Jahr verkauft man zwischen 350 000 und 450 000 Stück, im zweiten Jahr sind es dann immer noch 50 Prozent davon. Vorausgesetzt, die Spielidee ist entsprechend gut und nachhaltig! Die Auszeichnung ist so etwas wie der Oscar der Spielebranche.

Es gibt das „Spiel des Jahres“, das „Kinderspiel des Jahres“ und das „Kennerspiel des Jahres“. Sehr undurchsichtig das Ganze.
Sie haben noch den „Deutschen Spiele Preis“ vergessen. Wir haben schon alle Preise bekommen, 2009 gleich zwei auf einmal: „Dominion“ war „Spiel des Jahres“ und „Das magische Labyrinth“ „Kinderspiel des Jahres“. Damals ist der Umsatz echt explodiert. Die Kriterien für die Preise sind aber eigentlich ganz klar: Das „Kinderspiel des Jahres“ richtet sich an die Kinder, das „Spiel des Jahres“ an die Familien, und das „Kennerspiel des Jahres“ ist etwas für die Freaks. Es gibt echte Spielefreaks, die lesen stundenlang Anleitungen und wollen ganz tief einsteigen.

Wirklich? Mich nerven lange, komplizierte Spielanleitungen.
Damit liegen Sie im Trend. Immer mehr Menschen haben keine Lust mehr, lange Beschreibungen zu studieren. Vor zehn Jahren war das noch anders. Heute will man die Schachtel aufmachen, kurz lesen und loslegen. Aber es gibt Menschen, die möchten mehr, die wollen in die Spielwelt eintauchen und sich damit intensiv auseinandersetzen. Nehmen Sie „Carcassonne“…

… das „Spiel des Jahres 2001“, bei dem man in Frankreich Städte baut…
… davon haben wir allein im ersten Jahr 650 000 Stück verkauft. Das war unser erfolgreichster Titel. Für Ungeduldige erklären wir aber alle unsere Spiele mit Filmen im Internet.

Hängt die Ungeduld damit zusammen, dass die Menschen weniger Zeit haben?
Man will in seiner Freizeit alles Mögliche machen, da bleibt für die einzelne Beschäftigung, etwa das Spielen, weniger Zeit. Aber es gibt auch den gegenläufigen Trend: Freunde, Bekannte oder Angehörige treffen sich zu Hause, kochen zusammen und spielen.

Weihnachten ist dafür wahrscheinlich eine gute Zeit, oder?
Ja, Weihnachten wird viel gespielt. Aber für uns ist das die stressigste Zeit im Jahr. Spiele sind klassische Zweitgeschenke, neben Erstgeschenken wie Fahrrädern oder anderen teuren Sachen. Brettspiele werden immer später gekauft, oft erst im Dezember.

Welchen Anteil hat das Weihnachtsgeschäft an Ihrem Umsatz?
Das, was wir in den letzten drei Monaten des Jahres umsetzen, macht rund 60 Prozent aus. Es ist wichtig, dass wir schnell nachliefern können, falls ein Titel sehr gut verkauft wird und wir nachliefern müssen. Die letzten Wochen entscheiden über das Ergebnis des gesamten Jahres.

Einige Spielwarenhersteller warnen schon vor Engpässen. Drohen die auch bei Ihnen?
Es kann immer mal passieren, dass etwas knapp wird. Aber wir versuchen, bis kurz vor Toresschluss zu liefern, in diesem Jahr sogar bis zum 21. Dezember. Selbst die Ware, die wir erst am 21. abschicken, ist bis Heiligabend in den Geschäften. Unser Vorteil ist, dass wir einen Großteil unserer Spiele in Deutschland produzieren, das gibt uns Flexibilität.

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