Strafanzeige : Schlecker unter Verdacht

Nach dem Aus für die Drogeriekette Schlecker beschäftigen die Umstände der Pleite nun die Staatsanwaltschaft. Neben der Routineuntersuchung gibt es auch eine Strafanzeige.

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Ging bei der Schlecker-Insolvenz alles mit rechten Dingen zu? Foto: dapd
Ging bei der Schlecker-Insolvenz alles mit rechten Dingen zu?Foto: dapd

Die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker beschäftigt nun auch die Staatsanwälte. Die Behörde in Stuttgart prüfe, ob die Pleite mit möglichen Straftatbeständen wie Bankrott, Untreue oder Betrug in Verbindung stehe, sagte Sprecherin Claudia Krauth am Montag. Es handele sich um ein routinemäßiges Vorgehen bei Insolvenzen, erklärte die Staatsanwältin. So werde nun in einer sogenannten Vorprüfung geklärt, ob Insolvenzverschleppung vorliegt. Es handele sich dabei nicht um ein Ermittlungsverfahren. Krauth zufolge ist mit einem Ergebnis nicht vor Juli zu rechnen. Die Ulmer Ermittlungsbehörde, die wegen des Hauptsitzes von Schlecker eigentlich zuständig wäre, hatte die Aufgabe an die Kollegen in Stuttgart abgegeben. Dort sitzt die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Wirtschaftsstrafsachen.

Bei der Staatsanwaltschaft in Ulm ist unterdessen eine Strafanzeige gegen Schlecker eingegangen. „Wir prüfen den Fall“, sagte der Sprecher der Behörde, Michael Bischofberger, dem Tagesspiegel. Man müsse klären, ob auch diese Anzeige an Stuttgart weitergegeben werde.

Laut Krauth könnte Anton Schlecker als Einzelperson in der von ihm gewählten Rechtsform eingetragener Kaufmann (e.K.) nicht wegen einer Insolvenzverschleppung belangt werden. Das gelte aber nicht für die Töchter Ihr Platz und Schlecker XL. Außerdem griffen bei Anton Schlecker – sollte er sich tatsächlich schuldig gemacht haben – die Straftatbestände Bankrott, Untreue oder Betrug, die mit der Verschleppung eines Insolvenzverfahrens zusammenhängen.

Die Schlecker-Insolvenz - eine Chronik der Ereignisse
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Am Wochenende waren erneut Gerüchte um strittige Immobilienverkäufe von Anton Schlecker aufgekommen. Nach einem Bericht des „Spiegel“ soll er kurz vor der Insolvenz ein Zentrallager samt Grundstück im steirischen Gröbming für 2,8 Millionen Euro sowie die Österreich-Zentrale bei Linz für 1,8 Millionen an seine Kinder verkauft und somit der Insolvenzmasse entzogen haben.

Nach dem gescheiterten Verkauf der insolventen Schlecker-Töchter Ihr Platz und Schlecker XL an den Investor Dubag am vergangenen Freitag hat nun die Drogeriemarktkette dm Interesse angemeldet: Der Marktführer will bis zu 80 Märkte übernehmen – „vor allem von IhrPlatz und nur vereinzelt von Schlecker XL“, teilte das Unternehmen am Montag mit. „Logistisch ließen sich die Märkte sofort integrieren, eine Umstellung auf unser Ladenbild könnten wir zeitnah vollziehen“, erklärte dm-Chef Erich Harsch. Man sei an 60 bis 80 Filialen interessiert. Die Kette teilte zudem mit, dass sie bereits neun ehemalige Schlecker- und Ihr-Platz-Märkte übernommen habe. Für die österreichische Gesellschaft von Schlecker interessiert sich einem Medienbericht zufolge die österreichische MTH-Gruppe, die in Deutschland unter anderem MäcGeiz betreibt. mit dpa

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