Tarifkonflikt : Piloten kommen Lufthansa entgegen

Die Pilotenvereinigung Cockpit schlägt einen Wachstumspakt vor. Im Gegenzug wird eine Arbeitsplatzgarantie gefordert. Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen.

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Mehrbelastung gegen sichere Arbeitsplätze: Noch sind die Piloten im Arbeitskampf.
Mehrbelastung gegen sichere Arbeitsplätze: Noch sind die Piloten im Arbeitskampf.Foto: Boris Roessler/dpa

In dem seit über einem Jahr begleitet von mehren Streiks wabernden Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und ihren Piloten kommt Bewegung. Am Freitag bot die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) überraschend ein Bündnis für Wachstum und Beschäftigung an, über das umgehend Verhandlungen aufgenommen werden könnten. Es beinhaltet Maßnahmen, die nach Angaben von VC-Sprecher Markus Wahl zu Einsparungen von mindestens 400 Millionen Euro führen können. Im Gegenzug fordert VC Arbeitsplatzgarantien für die Lufthansa-Piloten, die Vorbereitungen zur Auslagerung von Cockpit-Arbeitsplätzen zu stoppen und 900 Nachwuchspiloten zu den derzeitigen Bedingungen einzustellen.

VC sieht die Chance, mit der Lufthansa bis 1. September zu einer Einigung zu kommen. Solange es keine Gespräche gebe, blieben allerdings weiter Streiks möglich, sagte Wahl am Freitag gegenüber unserer Zeit. Lufthansa begrüßte die Initiative und will VC umgehend Termine für Gespräche vorschlagen. Wahls Angaben zufolge betrifft das vorgeschlagene Paket mindestens 6000 Piloten bei Lufthansa. Einsparungen von 400 Millionen Euro ergeben sich nach Angaben von VC in der Vorruhestandsregelung durch die Anhebung des durchschnittlichen Ausscheidealters der Piloten von 58 auf 60 Jahre. Dadurch könnten entsprechende Rückstellungen aufgelöst werden.

Forderung nach marktgerechter Bezahlung

Im Blick auf die Vergütung der Piloten schlägt VC eine gemeinsame Marktanalyse vor, um unter anderem Aufschlüsse über die möglichen Gehälter beim künftigen Lufthansa-Billigableger Eurowings zu gewinnen. Wahl zufolge könnten die Gehälter, die bei Easyjet oder auf der Langstrecke bei Condor gezahlt werden ein Gradmesser für eine marktgerechte Bezahlung der in diesem Bereich eingesetzten Lufthansa-Piloten sein. Im Blick auf den Einsatz von Lufthansa-Jets zu touristischen Zielen auf der Langstrecke das sogenannte JUMP-Konzept biete VC eine Entlastung der Cockpit-Kosten um 20 Prozent an, unter anderem durch die  Anhebung der Arbeitszeiten. Die derzeitigen Vergütungsverhandlungen könnten solange ausgesetzt werden, „obwohl die letzte Gehaltserhöhung für die Piloten mittlerweile vier Jahre her ist und seitdem Reallohnverluste hingenommen werden mussten“, so der VC-Sprecher.

„Eine große Chance zum Wohl der Fluggäste, der Mitarbeiter und der Aktionäre“

Insgesamt kämen die Piloten mit diesem „umfassenden“ Gesamtpaket dem Lufthansa-Management in vielen der Forderungen entgegen. „Im Gegenzug fordern wir, dass die Lufthansa die Arbeitsplatzperspektiven für alle in Deutschland bei der Lufthansa angestellten Piloten garantiert und umgehend die Vorbereitungen zum Ausflaggen der heutigen Cockpitarbeitsplätze stoppt“, sagt Wahl aber auch. 900 Flugzeugschüler, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, sollten zudem zu den aktuellen geltenden Tarifverträgen eingestellt werden. Bislang lehnt das die Lufthansa ab und will sie nur zu schlechteren Bedingungen übernehmen.

Wahl zufolge ist das Angebot für ein Bündnis für Wachstum und Beschäftigung „eine große Chance zum Wohl der Fluggäste, der Mitarbeiter und der Aktionäre“. Man könne ein alle Interessen berücksichtigendes und zukunftsweisendes Ergebnis erzielen. Lufthansa-Sprecher Helmut Tolksdorf betonte am Freitag, die Airline begrüße die Vorschläge der Pilotenvereinigung, werde sie prüfen und der Gegenseite Termine für Gespräche vorschlagen. Inhaltlich wollte er sich zur Initiative der VC nicht äußern. Bislang sind alle Gesprächs- und Verhandlungsbemühungen, zuletzt auch unter Einschaltung des ehemaligen Bundesfinanzministers Theo Waigel als Moderator gescheitert. Seit April 2014 haben die Piloten ihre Arbeit zwölf Mal niedergelegt. Lufthansa sind durch die Flugausfälle Ergebniseinbußen in Höhe von mehr als 300 Millionen Euro entstanden.

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