US-Notenbank : Fed-Chefin Janet Yellen lässt die Börsianer jubeln

Der Dax und der Dow Jones Index haben am Dienstag neue Höchstmarken erreicht: Fed-Chefin Janet Yellen hatte zu verstehen gegeben, dass die für Juni erwartete erste Leitzinserhöhung wohl verschoben wird.

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Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), am Dienstag bei ihrer halbjährlichen Anhörung vor dem US-Kongress.
Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), am Dienstag bei ihrer halbjährlichen Anhörung vor dem US-Kongress.Foto: AFP

Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), hat am Dienstag während ihrer halbjährlichen Anhörung vor dem US-Kongress deutlich gemacht, dass es bei der geplanten ersten Leitzinserhöhung seit der Finanzkrise keine Eile gebe. Sie werde diese Erhöhung rechtzeitig durch ihre Wortwahl ankündigen, sagte Yellen. Sie wolle dann das Wort „geduldig“ (patient) aus den Erklärungen der Fed streichen.
Derzeit versichert die Fed stets, dass man „geduldig“ vorgehen wolle, um deutlich zu machen, dass eine Leitzinserhöhung nicht unmittelbar bevorsteht. Bisher gingen Marktteilnehmer davon aus, dass die Fed frühestens im Juni erstmals wieder die Leitzinsen erhöhen werde. Nun könnte es Juli oder sogar noch später werden.

Rekordstände an Finanzmärkten

Die Aussichten auf eine Verschiebung der geplanten Zinserhöhung in den USA haben europäische und amerikanische Aktienindizes am Dienstag zu neuen Höchstständen geführt. Anlegern kommt eine lockere Geldpolitik entgegen, weil sie die Kurse nach oben treibt. Das wird derzeit vor allem in der Eurozone und in Deutschland deutlich, wo zunehmend Marktteilnehmer aus der ganzen Welt angezogen werden, weil sie an den Kurssteigerungen teilhaben wollen.

Eine Leitzinserhöhung, wie sie demnächst in den USA ansteht, könnte dagegen einen Rückschlag an den Börsen auslösen, wenn die Erhöhung unerwartet kommt. Andererseits sind Leitzinserhöhungen ein Zeichen, dass es gut steht um die Wachstumskräfte der Wirtschaft, was wiederum den Kursen nützt. Deshalb sind Rücksetzer nach Leitzinserhöhungen oft nur von kurzer Dauer. Erst gegen Ende eines Aufwärtstrends kann eine weitere Zinserhöhung der Auslöser für eine Trendumkehr sein.

Janet Yellen sagte bei ihrer Anhörung am Dienstag zunächst, dass eine Zinserhöhung nicht unmittelbar bevorstehe. Außerdem lasse sich die Fed nicht auf einen einzelnen Faktor als Auslöser für die Zinswende festlegen. Allerdings werde die US-Notenbank – abhängig von der Entwicklung der Konjunktur – von „Treffen zu Treffen“ über diese Frage entscheiden.

Börsianer erwarten Leitzinserhöhung frühestens im Juli

„Das hört sich so an, als ob die Zinserhöhung frühestens im Juli statt wie bisher gedacht im Juni kommt", sagte ein Börsianer gegenüber Reuters. Anlagestratege Dan Morris vom Vermögensverwalter TIAACREF tippte sogar auf September. „So lange die Inflation gering bleibt und sich bei Wachstum und Dollar-Kurs nichts ändert, haben sie keinen Grund, die Zinsen zu erhöhen.“

Der Dax kletterte daraufhin auf ein Rekordhoch von 11228,4 Zählern und verabschiedete sich mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 11205,7 Punkten in den Feierabend. An der Wall Street markierte der Dow Jones mit 18212,1 Stellen ebenfalls eine neue Bestmarke. Höchststände gab es auch beim S&P 500, einem marktbreiten Index der 500 größten US-Firmen, dem wie auch bei anderen großen Indizes wie Dax oder Mdax viele passive Indexfonds - sogenannte ETFs - folgen, mit denen der Anleger relativ einfach und von den Gebühren her günstig einen ganzen Index kaufen kann. Der EuroStoxx50 gewann 0,8 Prozent auf 3548,9Zähler.

Sinkende Inflation in der Eurozone

Neue Sorge bereitet die weitere Entwicklung der Inflationszahlen für die Eurozone. Der dramatische Verfall von Energiekosten lässt die Verbraucherpreise im Euroraum weiter sinken. Die jährliche Inflationsrate betrug im Januar minus 0,6 Prozent, das war im Monatsvergleich ein Rückgang um 0,4 Punkte, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg berichtete. Ein solches Minus war zuletzt im Juli 2009 verzeichnet worden.

In Deutschland betrug die Teuerung den EU-Statistikern zufolge im Januar minus 0,5 Prozent. Griechenland kam auf minus 2,8 Prozent. In Malta betrug die Rate hingegen plus 0,8 Prozent.Im Vergleich zum Vorjahr mussten Verbraucher 9,3 Prozent weniger für Energie ausgeben. Der Ölpreis hatte sich seit vergangenen Sommer zwischenzeitlich mehr als halbiert. (mit Reuters und dpa)

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