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Verdacht auf Untreue : Schulden und Sühne bei Schlecker

Die Staatsanwaltschaft macht ernst: Nach der Pleite nimmt sie jetzt Ermittlungen gegen den Gründer der Drogeriemarktkette Schlecker auf. Was das für die Gläubiger bedeutet.

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Anton Schlecker, Gründer der Schlecker-Drogeriemaerkte, steht Landgericht in Ulm als Zeuge vor er Strafkammer (Foto vom 25.02.99).
Anton Schlecker, Gründer der Schlecker-Drogeriemaerkte, steht Landgericht in Ulm als Zeuge vor er Strafkammer (Foto vom 25.02.99).Foto: dapd

Als sich die Kinder von Anton Schlecker vor knapp einem Monat an die Öffentlichkeit wandten, gestanden sie ein, dass die Familie nicht rechtzeitig gehandelt hatte. „ Wir haben zu spät begonnen, konsequent und mit allem Nachdruck gegenzusteuern“, sagten Lars und Meike Schlecker zur Pleite der größten deutschen Drogeriemarktkette. Zugleich beteuerten sie aber, dass die Zahlungsunfähigkeit, die Anton Schlecker Ende Januar bekannt gegeben hatte, nicht absehbar war: „Die eigentliche Insolvenz hingegen hat sich aus unserer Sicht innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums zugespitzt.“

Daran aber haben die Behörden nun offenbar erhebliche Zweifel. Die Stuttgarter Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstraftsachen hat am Mittwoch wegen der Pleite ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Es gehe um den Verdacht der Untreue, der Insolvenzverschleppung und des betrügerischen Bankrotts. „In unserer Vorprüfung hat sich ein Anfangsverdacht bestätigt“, sagte Staatsanwältin Claudia Krauth. Ermittelt werde gegen „Verantwortliche“, dazu gehörten auch Mitarbeiter des Unternehmens. Namen wollte die Behörde nicht nennen.

Es habe „seit langem und immer wieder“ Vermögensverschiebungen gegeben, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dadurch seien die Gläubiger des Unternehmens möglicherweise geschädigt worden. Neben Grundstücken seien den bisherigen Ermittlungen zufolge auch andere Wertgegenstände transferiert und damit der Insolvenzmasse möglicherweise entzogen worden.

Bildergalerie: Eine Chronik der Schlecker-Insolvenz

Die Schlecker-Insolvenz - eine Chronik der Ereignisse
1. Juni 2012 - Nichts mehr los bei Schlecker. Mehr als 2000 Filialen sind bereits geschlossen. Die Investoren-Konzepte können die Gläubiger nicht überzeugen. Nun ist auch für den Großteil der übrigen 3000 Geschäfte bald Schluss.Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: dpa
01.06.2012 14:111. Juni 2012 - Nichts mehr los bei Schlecker. Mehr als 2000 Filialen sind bereits geschlossen. Die Investoren-Konzepte können die...

Am Mittwoch gab es bundesweite Razzien bei Schlecker. Die rund 160 Ermittler stellten nach Angaben der Polizei umfangreiche Unterlagen und Dateien sicher. Sie waren mit drei Transportern vor der Zentrale der Drogeriekette in Ehingen vorgefahren. Durchsucht wurden drei Firmenräume im baden-württembergischen Alb-Donau- Kreis, in dem auch der Schlecker-Firmensitz liegt, sowie einen Geschäftsraum in der Region Osnabrück, wo die Tochter Ihr Platz angesiedelt ist. Zudem gab es Razzien in Wohnungen – darunter auch in Schleckers Privatvilla – im Raum Ulm, in Berlin, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wolle die Ermittlungen „nach allen Kräften unterstützen“, teilte ein Sprecher mit.

Für das laufende Insolvenzverfahren haben die Ermittlungen erst einmal keine Auswirkungen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, gilt zumindest rein rechtlich eine verschärfte Haftung gegenüber den Gläubigern. Die dürften aber kaum etwas davon haben. „Davon wird aber die Insolvenzmasse auch nicht größer“, sagt Daniel Bergner, Geschäftsführer des Verbands der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID). Zu den Gläubigern gehören neben dem Kreditversicherer Euler Hermes noch weitere Lieferanten, die Vermieter und die 25 000 Beschäftigten der Drogeriekette, die nun ihren Job verloren haben. Die offenen Forderungen belaufen sich insgesamt auf 800 Millionen Euro.

Video: Razzia bei Schlecker

Die Gläubiger müssen nun hoffen, dass die restlichen Unternehmensteile nicht verschleudert werden. Denn die Erlöse aus den Verkäufen der Auslandstöchter fließen direkt in die Insolvenzmasse. Zudem prüft Geiwitz alle Übertragungen von Vermögenswerten Anton Schleckers an die Kinder oder die Ehefrau aus den vergangenen zehn Jahren. Sollte sich der Verdacht der Vermögenverschiebung bestätigen, können möglicherweise Teile in die Insolvenzmasse zurückgeholt werden.

Experten zufolge sind Ermittlungsverfahren bei Insolvenzen zunächst nichts Ungewöhnliches. „Dem Unternehmer, in diesem Fall Schlecker, muss nun aber erst einmal ein Vorsatz nachgewiesen werden“, sagt Bergner. Anton Schlecker selbst kann als Einzelperson in der Rechtsform eingetragener Kaufmann (e.K.) nicht wegen einer Insolvenzverschleppung belangt werden. Anders ist die Lage bei den Schlecker-Töchtern Ihr Platz und Schlecker XL, die GmbHs sind. Bei Anton Schlecker – sollte er sich tatsächlich schuldig gemacht haben – greifen aber die Straftatbestände Untreue oder betrügerischer Bankrott, diese laut Gesetz je mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden können.

Insolvenzverschleppung sei in Deutschland ein „Massenphänomen“, sagt Bergner. „Viele Unternehmer hoffen zu lange auf Besserung und haben zudem Angst vor der gesellschaftlichen Ächtung, die mit einer Insolvenz einhergehen kann.“ Das neue Insolvenzrecht, das bei frühzeitiger Meldung die Sanierung von Unternehmen in Eigenregie ermöglicht, soll diesem Trend entgegenwirken. Für den Firmenpatriarchen Anton Schlecker kommt diese Hilfe zu spät. mit dpa

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