VW-Elektrochef Krebs : "Elektroautos werden in einer Nische erfolgreich sein"

"Negativberichte über Elektromobilität können wir gar nicht gebrauchen." - Der Elektroauto-Chef von VW, Rudolf Krebs, über Sorgfalt und Ungeduld bei der Autoentwicklung.

von
Strom tanken. In Detroit hat VW gerade die Studie des E-Bugster vorgestellt. Die Botschaft des markanten Designs ist: Elektroautos machen Spaß.
Strom tanken. In Detroit hat VW gerade die Studie des E-Bugster vorgestellt. Die Botschaft des markanten Designs ist: Elektroautos...Foto: picture alliance / dpa

Herr Krebs, wer interessiert sich eigentlich für Elektroautos? Man hat den Eindruck, dass nach der großen Euphorie eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist.

Eher das Gegenteil ist der Fall. Wir erkennen lediglich, dass alle Beteiligten noch eine Menge Arbeit vor sich haben. Insbesondere die Batteriekosten müssen runter, die Technologie muss sich weiterentwickeln, die Infrastruktur muss angepasst werden, Geschäftsmodelle müssen entstehen. Mit einem Fingerschnipp ist das alles nicht zu schaffen. Aber zurückdrehen lässt sich das Rad sicher nicht mehr. Das sieht man auch an den vielen Milliarden, die weltweit in die Entwicklung und Verbreitung der Elektromobilität gesteckt werden.

Anders als BMW und Daimler ist Volkswagen kaum mit der Erprobung von Elektrofahrzeugen in der Öffentlichkeit aufgetreten – warum diese Zurückhaltung?

Auch dieser Eindruck täuscht. Wir arbeiten schon seit den 70er Jahren an dem Thema, und wir haben unsere Kompetenz kontinuierlich weiterentwickelt. Seit Anfang 2011 ist eine umfangreiche Testflotte von Elektrofahrzeugen des Volkswagen Konzerns unterwegs. Und wir werden 2012 die Tests auf das Ausland ausdehnen, etwa in die USA, nach Europa und China. Insgesamt sind wir dann mit rund 300 Fahrzeugen weltweit in der Erprobung.

Der vollelektrische Golf Blue-E-Motion bekommt gute Noten von den Fachleuten. Warum kann man ihn noch nicht kaufen?

Viele, die das Auto getestet haben, stellen uns diese Frage. Sie sagen: Das Auto ist doch fertig. Aber wir brauchen noch Zeit. Denn bei sehr vielen Komponenten dieses Fahrzeugs betreten wir Neuland. Vieles muss erst noch für die Anwendung im Elektroauto reif gemacht werden.

Zum Beispiel?

Wir haben den Anspruch, dass unsere Batterie selbst nach zehn Jahren Nutzung im Auto noch 80 Prozent ihrer Kapazität hat. Wenn man das erreichen will, ist es nicht mit ein paar Test-Monaten getan. Dafür sind umfangreiche Versuche bei schwankenden Temperaturen, verschiedenen Leistungen und Strömen sowie Langzeittests notwendig. Die Sicherheit muss gewährleistet sein, die Abstimmung zwischen Batteriemanagement und dem Gesamtfahrzeug muss passen, die Schnittstellen zu den Ladestationen unterschiedlicher Hersteller müssen funktionieren. Wenn man das sorgfältig macht, braucht man eine gewisse Zeit. Auch wenn es so aussieht, als sei das Auto schon fertig.

Hat es Sie klammheimlich gefreut, dass die Batterie des Chevrolet Volt – der in Deutschland als Opel Ampera verkauft wird – in Flammen aufgegangen ist?

Überhaupt nicht. Negativberichte über die Elektromobilität können wir gar nicht gebrauchen. Der Ampera hat ein gutes Antriebskonzept für das elektrische Fahren, weil das Fahrzeug durch den zuschaltbaren Verbrennungsmotor auch für lange Strecken geeignet ist.

Wie groß ist der Imageschaden, der nach diesem Vorfall entstanden ist?

Der dürfte gering sein, weil General Motors schnell erklären konnte, was passiert ist. Das Auto wurde nach einem Crash- Test mit geladener Batterie abgestellt. Deshalb kam es irgendwann zu einem Kurzschluss, weil Kühlflüssigkeit ausgelaufen und kristallisiert war. Das kann man in der Praxis ganz einfach vermeiden.

Zeigt das Beispiel nicht, dass die verwendeten Batterien noch nicht marktreif sind?

Die Batterie ist marktfähig, wenn man die einschlägigen Entwicklungsschritte und Sicherheitsanforderungen beachtet. Dann gibt es keine Unterschiede zu einem konventionellen Auto.

Neben der Sicherheit sind die hohen Kosten ein zentrales Thema. Obwohl sich der Preis für eine Kilowattstunde auf rund 400 Euro halbiert hat, kostet eine E-Auto-Batterie noch um die 10 000 Euro. Wann erreichen wir Preise, die auch ein normaler Autokäufer bezahlen kann?

Um wettbewerbsfähig zu werden, müssen die Kosten der Batterien in den kommenden Jahren noch deutlich sinken.

6 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben