Wegen Erpressersoftware "Petya" : Milka-Fabrik steht seit einer Woche still

In Deutschland leiden Unternehmen weiter an den Folgen der Cyberattacke mit der Erpressersoftware "Petya". Besonders hart traf es den Lebensmittelkonzern Mondelez.

von
Verschlüsselt. Beim Milka Schokofest in Lörrach hatte Werksleiter Alexandre David noch gut Lachen. Im Beisein von Skisprung Star Andreas Wellinger übergab ihm Oberbürgermeister Jörg Lutz symbolisch einen Schlüssel - einige Tage später musste er die Produktion nach einem Hackerangriff dicht machen. Bei der Attacke wurden weltweit Daten verschlüsselt. Foto: obs/Mondelez Deutschland/GEPA pictures/Amir Beganovic
Verschlüsselt. Beim Milka Schokofest in Lörrach hatte Werksleiter Alexandre David noch gut Lachen. Im Beisein von Skisprung Star...Foto: obs

Nach dem massiven Angriff mit Erpressersoftware am vergangenen Dienstag sind die Folgen weiterhin zu spüren. In Deutschland hat es vor allem den Lebensmittelriesen Mondelez getroffen, zu dem Marken wie Milka, Oreo, Toblerone oder Philadelphia gehören. „Ich soll eigentlich Schokolade durch halb Deutschland fahren, doch bis heute haben wir nichts bekommen“, sagte ein Logistiker dem Tagesspiegel. Betroffen sind neben der Zentrale in Bremen auch die Standorte im niedersächsischen Bad Fallingbostel, wo sich neben einer Fabrik auch ein großes Logistikzentrum befindet.

Im Milka-Werk in Lörrach nahe der Schweizer Grenze steht die Produktion seit Tagen still, normalerweise werden hier täglich bis zu 4,5 Millionen Tafeln Schokolade pro Tag produziert. Eine Mondelez-Sprecherin bestätigt, dass auch die deutschen Standorte betroffen sind und die Systeme heruntergefahren wurden. „Wir arbeiten nach wie vor mit Hochdruck daran, die Schäden zu beheben und sind dabei auf einem guten Weg“, sagte die Sprecherin.

„Irgendwann geht uns die Ware aus“

Wie sein Vorläufer „WannaCry“ im Frühjahr verschlüsselt die Erpressersoftware „Petya“ Unternehmensdaten, die Urheber verlangen ein Lösegeld. Der Ursprung lag in der Ukraine. Deutsche Firmen haben sich nach Einschätzung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) über Tochtergesellschaften in der Ukraine infiziert. Fälle ohne Zusammenhang mit der Ukraine seien der Behörde nicht bekannt. In Deutschland sei zwar nur eine niedrige zweistellige Zahl an Unternehmen betroffen. „Doch bei denen kommt es teilweise zu massiven Störungen, die sich auch nicht in Kürze ausräumen lassen“, sagt ein BSI-Sprecher.

Die Attacke hatte auch Beiersdorf erwischt. „Die Erreichbarkeit per E-Mail und Telefon ist an den meisten Standorten wieder hergestellt“, erklärt das Hamburger Unternehmen. Der reguläre Geschäftsbetrieb und die Produktion seien wieder angelaufen.

Ob bald in Supermärkten ein Milka-Mangel droht, ist unklar. Zumindest der Fabrikverkauf in Bad Fallingbostel läuft weiter, auch wenn der Nachschub fehlt. „Irgendwann geht uns die Ware aus“, sagte eine Mitarbeiterin, „aber noch haben wir einiges da.“

Autor

40 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben