Wirtschaft : Zu weiß, zu deutsch, zu männlich

Neue Spitzenfrau will Siemens umkrempeln

Thomas Magenheim

München - Jill Lee ist eine zierliche und sehr selbstbewusste Person. „Ich bin ein Vorbild“, stellt die 45-jährige Managerin aus Singapur klar. Seit einem Monat bekleidet Lee bei Siemens die neu geschaffene Position einer Diversity-Managerin. Sie soll für mehr Vielfalt im Topmanagement des Technologiekonzerns sorgen. Zu weiß, zu deutsch und zu männlich sei Siemens in seinen Chefetagen – mit diesem Fazit hatte sich Konzernchef Peter Löscher im vorigen Jahr im eigenen Management nicht viele Freunde gemacht. Doch der Österreicher blieb bei seiner Kritik und kündigte Änderungen an. Eine Antwort auf das Problem heißt Jill Lee.

Siemens brauche mehr Frauen und Managerinnen von jenseits der deutschen Grenzen, sagt Lee. Dafür werde sie ab sofort sorgen und zwar auf Basis von Fakten. So kommen zwar zwei Drittel aller 430 000 Siemensianer nicht aus Deutschland, in der obersten Führungsriege dominieren aber Deutsche zu zwei Dritteln. Auch Frauen sind unterrepräsentiert. Ein Viertel der Belegschaft ist weiblich, im Topmanagement liegt der Anteil nur bei sieben Prozent. Quoten für Frauen oder Nicht- Deutsche habe sie nicht im Sinn, sagt Lee.

Bis 2011 werden sich die Verhältnisse in der Chefetage sichtbar ändern, verspricht Lee, die Mutter eines Sohnes ist. Vielfalt im Management sei nun ein strategisches Ziel, bei dem es Siemens nicht primär um das politisch Korrekte, sondern das geschäftlich Erfolgreiche geht. Heterogene Teams sind produktiver und kreativer, sagt Lee. Dazu komme der demografische Wandel. Schon jetzt gebe es hierzulande einen Facharbeiter- und Ingenieursmangel, der sich in Zukunft noch verstärken werde. Das provoziere einen Kampf um Talente, den Siemens nur gewinnen könne, wenn der Konzern gezielt nach Managerinnen aus Indien, Peru und anderswo Ausschau halte und die Besten rund um den Globus anheuere, sagt Lee.

Weiße, deutsche Männer müssten nicht um ihre Karrierechancen fürchten. Für jeden zu besetzenden Posten im Topmanagement verlangt Lee künftig eine Kandidatenliste, um die Entscheidung nachvollziehbar zu machen. Sie wolle Siemens in Sachen Vielfalt in der Chefetage zum Vorbild machen, sagt Lee freundlich, aber bestimmt. Thomas Magenheim

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