AhA : Warum kühlt Pusten die Suppe?

Thomas de Padova D

Fettauge, sei wachsam! An einer Hühnerbrühe verbrennt man sich besonders leicht die Zunge. Denn auf der Suppe schwimmen Fettaugen.

Fett ist wasserabweisend. Wegen seiner geringen Dichte liegt es oben auf und bildet auf der Bouillon kreisrunde Tröpfchen, die von zwischenmolekularen Kräften zusammengehalten werden und sich gerne mit anderen Tröpfchen zu großen Fettaugen vereinen. Viele solche Augen bedecken die heiße Bouillon wie eine Isolierschicht. Der Fettfilm behindert eine rasche Verdunstung und Abkühlung der Flüssigkeit, denn Fettmoleküle sieden erst bei einer deutlich höheren Temperatur als 100 Grad Celsius.

Wenn man den Suppenlöffel zum Mund führt, ist also Vorsicht geboten. Schon als Kind lernt man, vor dem Essen zu pusten – was mehr ist als ein Spiel auf Zeit: Das Pusten fördert die Verdunstung.

Bei der Verdunstung entweichen die schnellsten und heißesten Moleküle der Brühe als Dampf. Um die Bouillon zu verlassen, müssen sie zuvor die Anziehungskräfte ihrer Nachbarmoleküle überwinden. Auf diese Weise wird Energie verbraucht, die Temperatur der zurückbleibenden Flüssigkeit sinkt. Sie kühlt ab.

Noch schneller erkaltet sie, wenn man den heißen Dampf über der Brühe wegbläst. Dadurch werden die verdunsteten Moleküle zerstreut, die Luftfeuchtigkeit über der Flüssigkeit nimmt ab, neue nach draußen strebende Moleküle erhalten den nötigen Raum.

Wie stark ein Luftstrom den Abkühlungsprozess beschleunigt, kann man im Sommer an der eigenen Haut erleben: Die Schweißabsonderung und -verdunstung entzieht unserem Körper Wärme. Ein Ventilator unterstützt das Schwitzen. Er kühlt nicht etwa die Raumluft. Stattdessen bläst er die feuchte Luft über unserer Haut weg, so dass sich der Schweiß besser verflüchtigen kann. Thomas de Padova

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