Aha : Warum riecht es in manchen Schwimmbädern stark nach Chlor?

Chlor in Schwimmbädern hat sein Gutes. Nur schade und störend, wenn der Duft des Keimtöters schwer in der Luft liegt.

Thomas de Padova
Chlor
Sommer, Sonne, Chlor: Chlor hat einen ganz eigenen Geschmack.Foto: ddp

Berlin In meinem Reisegepäck befinden sich eine Auswahl verschiedener Tees und ein Tauchsieder. Teewasser gibt’s an jedem Urlaubsort. Allerdings nicht immer aus dem Hahn. Leitungswasser ist mancherorts so chlorhaltig, dass nicht einmal das Bergamotte-Aroma eines Earl Grey den Geschmack überdeckt.

In Schwimmbädern macht sich Chlor manchmal schon durch den Geruch bemerkbar. Es wird dem Wasser zugefügt, weil es schon in für den Menschen unbedenklichen Mengen Keime abtötet.

Das Darmbakterium Escherichia Coli reagiert empfindlich auf Chlor, desgleichen Pseudomonas aeruginosa, der Klassiker für Mittelohrentzündungen, der sogar im Schampoo überlebt. Parasiten wie Giardien oder Cryptosporidien kapseln sich jedoch ein. Sie sind gegen Chlor ziemlich resistent und müssen über Filtersysteme aus dem Wasser gefischt werden.

Chlor ist reaktionsfreudig. Es wird dem Badewasser in Form von Chlorkalk, Bleichlauge oder Chlorgas beigemischt und über die Strömung im Becken verteilt. Im Wasser bildet sich daraus eine oxidierende Säure, die desinfizierend wirkt. Sie greift die Zellwand der Mikroorganismen an.

Da Chlor auch unserer Gesundheit schaden kann, setzt man es in geringer Konzentration ein. Je kleiner die Zahl der Badegäste und je besser die Filteranlagen, in denen das Wasser gereinigt wird, umso weniger braucht man davon. Wasserfilter bestehen oft aus einem Bett körniger Materialien wie Koks oder Aktivkohle.

Auf ihrer großen Oberfläche halten sie Öle und Schmutzteilchen fest. Im unteren Teil der Anlage filtert beispielsweise Sand weitere Partikel aus dem Wasser heraus, und das besonders gut, wenn sie zuvor mit Flockungsmitteln verklumpt wurden.

„Pro Badegast sollten regelmäßig 30 Liter Frischwasser bereitgestellt werden“, sagt Andreas Nahrstedt, Verfahrensingenieur beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wasserforschung in Mülheim an der Ruhr. Leider scheren sich etliche Besucher nicht um die Hygiene. Verschwitzt und eingeölt springen sie ins Becken, ohne vorher zu duschen, andere pinkeln sogar ins Wasser, die Chemie nimmt ihren Lauf:

„Harnstoff und andere Verunreinigungen werden im Schwimmbecken zu Chloraminen und Trihalogenmethanen umgewandelt.“ Die Chloramine sind es, die den bisweilen starken Chlorgeruch in überfüllten Bädern ausmachen. „Sie können Augen und Schleimhäute reizen.“ Ihr Gehalt wird ständig kontrolliert, das Wasser entsprechend oft umgewälzt und gereinigt.

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