AhA : Warum wird es am Äquator schlagartig dunkel?

Thomas de Padova

Der frühe Sonnenuntergang macht mir schon jetzt zu schaffen. Kaum ist die Siesta vorbei, bricht bereits die Dämmerung herein. Wie schön sind Sonnenuntergänge dagegen im Urlaub! Am Meer kann man in vielen Farbabstufungen verfolgen, wie sich der Feuerball dem Horizont nähert. Hat die Sonne mit dem untersten Punkt gerade den Horizont berührt, ist sie in Wirklichkeit schon dahinter verschwunden. Wir sehen sie trotzdem noch, für kurze Zeit scheint sie regelrecht stillzustehen.

Das liegt daran, dass das Sonnenlicht auf dem Weg zu uns die Erdatmosphäre durchqueren muss. Die Sonnenstrahlen treten aus dem Vakuum des Weltraums in die vergleichsweise dichte Atmosphäre ein und werden dabei zum Erdboden hin gebrochen. Daher steht die Sonne nicht geradewegs dort, wo ihr Licht aus unserem Blickwinkel herkommt, sondern etwas tiefer. Am Horizont erscheint sie uns um einen Sonnendurchmesser nach oben verschoben. Je tiefer sie sinkt, umso mehr weicht ihre scheinbare Lage von der tatsächlichen Position ab, ihr Untergang verzögert sich.

Am Äquator ist die nun hereinbrechende Dämmerung vergleichsweise kurz. Dort geht die Sonne nahezu senkrecht unter. Und ziemlich fix. Es dauert kaum mehr als 20 Minuten, bis sie so weit unter den Horizont abgetaucht ist, dass die ersten Sterne am Abendhimmel sichtbar werden. „In nördlichen Breiten geht die Sonne dagegen schräg unter“, sagt Wolfgang Steinicke von der Vereinigung der Sternfreunde in Umkirch, Baden-Württemberg. Sie benötigt entsprechend mehr Zeit, um so tief zu sinken, dass es dunkel wird. „Je nach Jahreszeit und Wettersituation kann es bei uns bis zu anderthalb Stunden dämmern.“

Der Winkel zwischen der scheinbaren Sonnenbahn und dem Horizont wird immer flacher, je näher man den Polen kommt. Vom Nord- oder Südpol aus gesehen, wandert die Sonne in 24 Stunden immer auf derselben Höhe im Kreis. Steht sie im Sommer über dem Horizont, geht sie auch abends nicht unter, dann ist Polartag. Im Winter dagegen zieht sie ihre Kreise ein halbes Jahr lang unter dem Horizont, die Nacht will kein Ende nehmen. Nur dazwischen liegen ein paar zwielichtige Tage. Thomas de Padova

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