Auszeichnung für deutschen Alzheimerforscher : „Tickende Zeitbombe“ Amyloid-beta

Der Münchner Forscher Christian Haass wurde auf dem internationalen Alzheimer-Kongress in Washington geehrt. Er hat entdeckt, dass wir alle lebenslang Amyloid-beta herstellen.

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Geehrt. Christian Haass
Geehrt. Alzheimerforscher Christian HaassFoto: LMU, Jan Greune

Zu der Hoffnung auf eine Antikörpertherapie von Alzheimer passt die Entscheidung der amerikanischen MetLife Foundation gut. Schließlich ist das Eiweiß Amyloid-beta (Abeta), gegen das sie sich richten, das große Thema des Geehrten: Der Biochemiker Christian Haass von der Ludwig-Maximilians-Universität München hat den mit 200 000 US-Dollar dotierten Preis jetzt bei der Tagung der internationalen Alzheimer-Gesellschaft in Washington entgegengenommen.

Der 54-Jährige ist einer der profiliertesten Anhänger der „Amyloid-Hypothese“, der zufolge es Fehler bei der Herstellung des Eiweißes und die Bildung toxischer Bruchstücke sind, die über Jahrzehnte zu Alzheimer führen. Er hat 1992 die Fachwelt mit der Entdeckung elektrisiert, dass wir alle das Protein ein Leben lang produzieren, es sich aber bei Alzheimer zunehmend in toxischer Form im Gehirn ablagert und Nerven schädigt. Schon früh sah er Abeta als „tickende Zeitbombe“ im menschlichen Gehirn. Und als Angriffspunkt für Alzheimer-Therapien

Er interessiert sich besonders für „Sekretasen“: Enzyme, die wie molekulare Scheren wirken und bei der Bildung des Amyloid-Beta-Proteins eine zentrale Rolle spielen. Sie schneiden Fragmente aus einem Vorläufer-Eiweiß heraus. Die Idee, Alzheimer zu verhindern, indem man diesen Scheren das Handwerk legt, lag deshalb nahe. Und sie bestätigte sich im Tierversuch am Modellorganismus Zebrafisch. Dummerweise haben die Sekretasen allerdings eine wichtige biologische Funktion bei der Zellteilung, die Haass ebenfalls aufklärte – und die erklärt, warum es zu schweren Nebenwirkungen kommen kann, wenn man sie blockiert. Auch bei den Forschungen anderer Arbeitsgruppen zur Impfung mit synthetisch hergestelltem A-Beta, die den Organismus zur Bildung von Antikörpern gegen das Protein anregen soll, gab es noch keinen entscheidenden Durchbruch.

Haass ist überzeugt davon, dass jede Alzheimer-Therapie früh beginnen muss, um überhaupt zu wirken. Die neuen Ergebnisse zur die Antikörper-Behandlung scheinen das zu bestätigen. Zugleich geben sie der Amyloid-Hypothese neuen Auftrieb. 2014 bekam Haass schon das Bundesverdienstkreuz für besondere Verdienste in der Demenzforschung.

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