Das neue Coronavirus : Kamele übertragen vermutlich Mers

Das Kamel eines Mers-Patienten aus Jeddah trägt ebenfalls das Virus in sich. Dieser erste Nachweis bestätigt die These, dass der tödliche Erreger von Fledermäusen über Kamele auf den Menschen übergesprungen ist.

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Kamele könnten Mers übertragen.
Unter Verdacht. Kamele infizieren sich seit über zehn Jahren mit Mers.Foto: AFP

Wenn irgendwo im Nahen Osten ein Kamel krank wird, interessiert das normalerweise niemanden. Doch dieses Exemplar ist eine Ausnahme. Es könnte das Rätselraten beenden, ob und wie sich Menschen in Saudi-Arabien nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren mit dem neuen Coronavirus Mers anstecken. Das Virus kostete nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang 64 von 153 Patienten das Leben.

Zu den Patienten gehört ein 43-jähriger Mann aus Jeddah. Er erkrankte Ende Oktober an Mers und musste ins Krankenhaus. Dort wird er bis heute behandelt. Derweil testen die Behörden nicht nur Kontaktpersonen auf das Virus, sondern auch sein Vieh. Bei einem kranken Kamel entdeckten die Experten nun Erbgutfragmente des Erregers. Sollte das Erbgut des Virus mit dem des Patienten übereinstimmen, wäre es der erste Nachweis einer Ansteckung bei Tieren, sagte der saudische Gesundheitsminister Ziad Memish der „Canadian Press“.

Zuvor hatte er die Verbindung zwischen Mers und Kamelen immer wieder zurückgewiesen. Schließlich war es in Saudi-Arabien nie gefunden worden. Er bezog sich dabei auf die Studie eines Teams um Marion Koopmans vom Nationalen Institut für Public Health und Umwelt im niederländischen Bilthoven und Christian Drosten von der Universität Bonn. Die Virologen hatten bei 50 von 50 Kamelen aus dem Oman und bei 15 von 105 Kamelen von den Kanarischen Inseln Antikörper gegen Mers nachgewiesen – die Tiere waren also irgendwann mit dem Virus infiziert. Amerikanische Forscher fanden ebenfalls Mers-Antikörper bei Kamelen in Ägypten.

Eine Spanierin wurde nach der Pilgerfahrt nach Mekka krank

Koopmans und Drosten sind trotzdem vorsichtig. Um zu beurteilen, ob das saudische Kamel an Mers und keinem anderem Coronavirus erkrankt ist, müsse sie die Gensequenz des Virus sehen, sagt Koopmans. Und auch diese wäre kein Beweis, dass Kamele wirklich der Zwischenwirt für Mers sind. „Wir brauchen systematischere Hintergrundinformationen über die Patienten“, sagt Koopmans. Ab und an erfahre die Fachwelt, dass solche Untersuchungen stattfinden. Die Ergebnisse werden jedoch kaum publiziert. Anscheinend haben nur wenige Patienten direkten Kontakt mit Tieren.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass sich Kamele schon vor zehn Jahren mit dem Virus infiziert haben“, sagt Drosten. „Für mich sieht es weiter nach einer Epidemie aus, die vor allem von Mensch zu Mensch übertragen wird.“ Es sei denkbar, dass Mers zwar seinen Ursprung bei Fledermäusen habe und zunächst über Kamele auf den Menschen übergesprungen ist. Vermutlich sei es aber längst beim Menschen angekommen.

„Wir hatten befürchtet, dass sich das Virus mit den zurückkehrenden Haddsch-Pilgern in alle Welt verbreitet“, ergänzt Koopmans. Bisher stiegen die Fallzahlen glücklicherweise nicht massiv an, das Virus sei anscheinend noch nicht ansteckend genug. Für eine Entwarnung sei es dennoch zu früh.

Der erste Fall in Spanien zeigt, dass die Pilger durchaus mit Mers in Berührung kamen. Die 61-jährige Frau bekam knapp zwei Wochen nach ihrer Ankunft in Saudi-Arabien Husten und Fieber. Weitere zwei Wochen später diagnostizierten Ärzte in einer Notaufnahme in Mekka eine Lungenentzündung. Sie flog trotzdem nach Hause und kam in Madrid sofort ins Krankenhaus. Dort stellte sich heraus, dass sie sich mit Mers angesteckt hatte. „Der Fall sollte EU-Bürger an das Risiko erinnern, dass man sich bei Reisen im Nahen Osten mit Mers anstecken kann“, kommentierte die europäische Seuchenbehörde ECDC. Die Verbreitung innerhalb Europas sei derzeit unwahrscheinlich. „Es bleibt die Frage: Was passiert, wenn sich das Virus verändert?“, sagt Koopmans. „Wir müssen wachsam sein. Und die Ansteckungsquelle finden.“

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