Das neue Coronavirus Mers : Mers bleibt gefährlich

Bald beginnt der Fastenmonat Ramadan. Dann werden wieder Millionen Pilger zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina aufbrechen. Chronisch kranke Menschen sollten bei dieser Reise sehr vorsichtig sein.

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Keime und Kamele. Frische Kamelmilch mit Gästen zu teilen, ist auf der Arabischen Halbinsel Tradition. Die Milch kann allerdings das Coronavirus Mers enthalten. Foto: Reuters
Keime und Kamele. Frische Kamelmilch mit Gästen zu teilen, ist auf der Arabischen Halbinsel Tradition. Die Milch kann allerdings...Foto: Reuters

Knapp zwei Wochen vor Beginn des Fastenmonats Ramadan, wenn Millionen Muslime zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina pilgern, hat das Notfallkomitee der Weltgesundheitsorganisation WHO zum sechsten Mal darüber beraten, welche Gefahr im Moment von dem Coronavirus Mers ausgeht. Der Lungenkeim hat nach der Statistik der WHO bisher 701 Menschen krankgemacht, 249 davon starben – die meisten in Saudi-Arabien. Anfang Juni hatte das Gesundheitsministerium plötzlich 113 Fälle aus den vergangenen Monaten nachgemeldet; außerdem trat der stellvertretende Gesundheitsminister, Ziad Memish, zurück.

Die Situation sei weiterhin ernst, könne aber nicht als internationaler Notfall (Public Health Emergency of International Concern: PHEIC) gelten. Das sagte Keiji Fukuda, zuständig für Gesundheitssicherheit bei der WHO, am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Trotz der vielen neuen Fälle sei das Virus nicht leichter von Mensch zu Mensch übertragbar. Vielmehr seien in einigen saudischen Kliniken einfache Hygieneregeln nicht eingehalten worden, so dass es zu Krankenhausausbrüchen kam. „Diese Ausbrüche werden jetzt genauer analysiert“, sagte Fukuda. Problematisch sei zum Beispiel, wenn Patienten vor der Diagnose in überfüllten Notaufnahmen sitzen und dort andere Wartende anstecken können. „Auf so etwas wird jetzt stärker geachtet. Seitdem ebbt die Ansteckungswelle ab.“

Das Mers-Virus stammt aus dem Tierreich, vor allem unter Kamelen ist es weit verbreitet. Forscher um Chantal Reusken vom Erasmus Medical Center in Rotterdam fanden Virenerbgut in unpasteurisierter Kamelmilch aus Katar. Darin kann das Mers-Virus drei Tage überleben. Wie genau sich Menschen bei Kamelen anstecken – ob über ein Niesen, unpasteurisierte Milch, nicht ausreichend gegartes Fleisch oder andere Wege –, ist noch unklar. Pilger sollten den direkten Kontakt zu den Tieren und zu Kamelprodukten möglichst meiden. Chronisch Kranke sollten besonders vorsichtig sein. Außerdem sollten Begleiter von Pilgergruppen die Mers-Symptome wie Fieber, Husten und Atemnot kennen. Manche Patienten klagen über Übelkeit und Durchfall. Später kann es zu einer schweren Lungenentzündung und Nierenversagen kommen.

Reisende schleppen das Mers-Virus vom Nahen Osten aus immer wieder in alle Welt. Den letzten Verdachtsfall meldete Bangladesch – als 22. Land. Es handelt sich um einen 53-jährigen Mann, der auf seiner Reise von den USA nach Bangladesch einen dreistündigen Zwischenstopp in Abu Dhabi machte. Sein Zustand ist stabil, er liegt auf einer Intensivstation in Dhaka. Die Ärzte schickten Virusproben an ein Referenzlabor, eine Bestätigung steht noch aus.

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