Wissen : Der Erbe geht leer aus

Uni Leipzig verliert altägyptische Sammlung

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Die Universität Leipzig muss die altägyptische Sammlung von Georg Steindorff an die Jewish Claims Conference (JCC) herausgeben. Das hat das Verwaltungsgericht entschieden. Für den Rechtsstreit war sogar Steindorffs Enkel, der 88-jährige Thomas Hemer, aus den USA nach Berlin geflogen, um als Zeuge auszusagen. Er wollte erreichen, dass die Sammlung an der Uni Leipzig bleibt. Die Uni erwägt, gegen das Urteil vorzugehen.

Hemer schilderte dem Gericht, sein Großvater habe die Sammlung seiner Uni schenken wollen. „Aber dann brauchte er das Geld, um es meinem Vater zu geben“, sagte Hemer. So kam es, dass Steindorff der Uni die Sammlung, die damals rund 400 Stücke umfasste, für 8000 Reichsmark anbot. Er selbst schätzte ihren Wert auf 10 260 Reichsmark. Auch andere Städte zeigten Interesse, doch der Ägyptologe wollte, dass sie in Leipzig bleibt. So geschah es.

Steindorff genoss unter den Nazis außergewöhnliche Privilegien, die für einen Juden, auch wenn er zum Protestantismus übergetreten war, unüblich waren. Er war bis zur Emeritierung 1934 Inhaber des Lehrstuhls für Ägyptologie. Noch 1937 durfte er die größte Publikation der Ägyptologie, die es im deutschen Reich gegeben hat, veröffentlichen – als Hauptautor. Einige bekannte Nazis tauchen als Co-Autoren auf. „Steindorff hatte andere Konditionen als andere“, schilderte Dietrich Raue, Custos des Ägyptischen Museums der Uni Leipzig. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass Steindorff zum Zeitpunkt des Verkaufs 1937 nicht verfolgt war. Auch Hemer sagte: „Opa hat sich nicht von den Nazis bedroht gefühlt.“ 1939 emigrierte Steindorff dennoch in die USA, wo er 1951 starb. Nach dem Krieg verlangte er einige Dinge zurück, seine Sammlung erwähnte er nicht.

Das alles half der Uni nicht. Zentrale Frage im Rechtsstreit war, ob der Verkauf verfolgungsbedingt geschah. Das wird bei allen Verkäufen nach 1935 vermutet und muss widerlegt werden. Es zu widerlegen sei der Uni trotz des aufgebotenen Zeugen nicht gelungen, befand das Gericht. So bekam nun die JCC die Sammlung zugesprochen. Sie hatte dies nach der Wiedervereinigung beantragt. 2007 hatte Hemer selbst die Sammlung beansprucht, um sie der Uni zu schenken. Er wurde als verspätet abgewiesen. Fatina Keilani

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