Wissen : „DFG bedroht Freiheit der Forschung“

19.10.2011 20:53 Uhr

Wissenschaftler kritisieren Intransparenz

Wenn Wissenschaftler Geld für ein neues Vorhaben beantragen wollen, kommen sie an der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oft kaum vorbei. Denn die DFG ist die größte Forschungsförderungsorganisation hierzulande. 2,3 Milliarden Euro verteilte sie im Jahr 2010, das Geld erhält sie vom Staat. Jetzt erheben der Heidelberger Germanist Roland Reuß und der Münchner Jurist Volker Rieble schwere Vorwürfe. Wegen der Monopolstellung der DFG und der Intransparenz ihrer Entscheidungswege sei die Forschung gefährdet, schreiben die Professoren in einem Beitrag für die „FAZ“, der auf einem Vortrag der beiden vom Juli beruht: „Von der Wissenschaftswiege bis zur -bahre befindet die DFG, was gute Wissenschaft sei.

Das bedroht die individuelle Wissenschaftsfreiheit und das Fundament von Forschung und Lehre.“

Die Liste der bedenklichen Strukturen, die Reuß und Rieble bei der DFG ausmachen, ist lang. So sei die Auswahl der Gutachter für Anträge intransparent. Diese würde „letztlich selbstmächtig“ durch einen Fachreferenten vorgenommen, die Gutachter blieben geheim. Das sei ein „unhaltbarer Zustand“ und ermögliche überdies „Kungeleien“. Es sei nicht plausibel, warum Gutachter Anonymitätsschutz bräuchten. Der Wissenschaft sei schließlich „offene Kritik immanent“. Ob geförderte Vorhaben am Ende Ergebnisse bringen, werde nicht gut genug geprüft.

Fragwürdig sei auch, dass der nicht-öffentlich tagende Hauptausschuss Themen und Methodenwahl festlege und so „Forschungskonzeptionen für die gesamte Bundesrepublik“ entwickle. Wissenschaftliches Fehlverhalten werde nur anonym öffentlich gemacht, offenbar solle „Kriminalität die edle Sphäre der Wissenschaft nicht verlassen“. Es könne nicht sein, dass der Bundesrechnungshof die Ausgaben der DFG zwar prüfe, das Ergebnis aber geheimhalte. Reuß und Rieble fordern eine unabhängig finanzierte Einrichtung, die die Arbeit der DFG bewerte. DFG-Präsident Matthias Kleiner wies die Vorwürfe zurück. Reuß und Rieble zeichneten „ein Zerrbild, das mit der Realität nicht das Geringste zu tun hat“. tiw

Heinz Sielmann Stiftung

Umfrage

Erneute Plagiatsfälle: Was läuft schief beim Promotionsverfahren?

ArteFakte. Wissen ist Kunst – Kunst ist Wissen

Weitere Themen

Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Dr. Dollars Diagnose und weitere Artikel aus unserem Gesundheit-Ressort.

Gesundheit

Alles rund um's Studium

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite