Wissen : „DFG bedroht Freiheit der Forschung“

Wissenschaftler kritisieren Intransparenz

Wenn Wissenschaftler Geld für ein neues Vorhaben beantragen wollen, kommen sie an der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oft kaum vorbei. Denn die DFG ist die größte Forschungsförderungsorganisation hierzulande. 2,3 Milliarden Euro verteilte sie im Jahr 2010, das Geld erhält sie vom Staat. Jetzt erheben der Heidelberger Germanist Roland Reuß und der Münchner Jurist Volker Rieble schwere Vorwürfe. Wegen der Monopolstellung der DFG und der Intransparenz ihrer Entscheidungswege sei die Forschung gefährdet, schreiben die Professoren in einem Beitrag für die „FAZ“, der auf einem Vortrag der beiden vom Juli beruht: „Von der Wissenschaftswiege bis zur -bahre befindet die DFG, was gute Wissenschaft sei. Das bedroht die individuelle Wissenschaftsfreiheit und das Fundament von Forschung und Lehre.“

Die Liste der bedenklichen Strukturen, die Reuß und Rieble bei der DFG ausmachen, ist lang. So sei die Auswahl der Gutachter für Anträge intransparent. Diese würde „letztlich selbstmächtig“ durch einen Fachreferenten vorgenommen, die Gutachter blieben geheim. Das sei ein „unhaltbarer Zustand“ und ermögliche überdies „Kungeleien“. Es sei nicht plausibel, warum Gutachter Anonymitätsschutz bräuchten. Der Wissenschaft sei schließlich „offene Kritik immanent“. Ob geförderte Vorhaben am Ende Ergebnisse bringen, werde nicht gut genug geprüft.

Fragwürdig sei auch, dass der nicht-öffentlich tagende Hauptausschuss Themen und Methodenwahl festlege und so „Forschungskonzeptionen für die gesamte Bundesrepublik“ entwickle. Wissenschaftliches Fehlverhalten werde nur anonym öffentlich gemacht, offenbar solle „Kriminalität die edle Sphäre der Wissenschaft nicht verlassen“. Es könne nicht sein, dass der Bundesrechnungshof die Ausgaben der DFG zwar prüfe, das Ergebnis aber geheimhalte. Reuß und Rieble fordern eine unabhängig finanzierte Einrichtung, die die Arbeit der DFG bewerte. DFG-Präsident Matthias Kleiner wies die Vorwürfe zurück. Reuß und Rieble zeichneten „ein Zerrbild, das mit der Realität nicht das Geringste zu tun hat“. tiw

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