Digitale Pioniere (59): Nancy Lynch : Verteiltes System

Ob in Firmennetzwerken oder bei Online-Spielen - verteilte Systeme setzen auf die Kraft vieler Rechner. Das ist elegant wie auch komplex. Nancy Lynch hat entscheidend zu einem besseren Verständnis dieser komplizierten Netze beigetragen.

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Nancy Lynch
Nancy LynchFoto: MIT

Aller Ehren wert

In den Anfangsjahren des Computerzeitalters erhielt eine Maschine Aufgaben und hatte diese zu lösen. Inzwischen werden viele Aufgaben in Netzwerken mit vielen Einzelgeräten erledigt, sei es in Firmennetzwerken, bei Online-Spielen oder in Buchungsnetzen von Banken und Reisebüros. Die Organisation solcher „verteilter Systeme“, um diese effektiv nutzen zu können, ist ungleich komplexer. Die US-Informatikerin Nancy Lynch hat entscheidend zum besseren Verständnis dieser Komplexität beigetragen.

Zur Person

Die 1948 geborene Mathematikerin Lynch machte 1972 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge ihren Doktor. Nach Aufenthalten an verschiedenen amerikanischen Universitäten kam sie 1982 zurück ans MIT, wo sie seitdem Professorin ist.

Berühmt wurde sie mit ihren Arbeiten zu verteilten Systemen. Keiner, der auf diesem Gebiet etwas zuwege bringen will, kommt an ihrem Lehrbuch „Distributed Algorithms“ vorbei. Die Vorteile sind offenkundig. In einem Computernetzwerk ist es möglich, sowohl Hardware als auch Software auf unterschiedlichen Rechnern für alle Teilnehmer nutzbar zu machen. Das einzelne Gerät muss kein Tausendsassa mit großer Festplatte oder raffinierten Programmen sein, es ist lediglich das Portal zu den Fähigkeiten des Schwarms. Wie Aristoteles schon wusste: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile! Doch die Tücke steckt im Detail. Die Kommunikation und Koordination zwischen den Geräten muss stimmen, die Informationen müssen beständig aufeinander abgestimmt werden, ohne dass zu viel Daten hin und her geschoben werden, was sonst die Leitungen überlasten würde.

Gut zu wissen

Derzeit forscht Lynch an mobilen Systemen, die sich schnell verändern, keinen zentralen Datenserver haben und wo sich die einzelnen Teilnehmer stattdessen untereinander organisieren müssen. Dafür entwickelte sie mit Kollegen den „Rambo“-Algorithmus (Reconfigurable Atomic Memory for Basic Objects). Er ist in unzuverlässigen, unübersichtlichen Umgebungen hilfreich, in denen viele Computer sich selbst organisieren und abstimmen müssen. Die Unterstützung der Arbeit von Ersthelfern in Katastrophengebieten ist ein Einsatzgebiet.

Vor 75 Jahren stellte Konrad Zuse den ersten funktionsfähigen Computer Z3 in Berlin vor. Aus diesem Anlass blicken das Zuse-Institut Berlin und der Tagesspiegel am 11. Mai auf einer internationalen Konferenz in die digitale Zukunft: „The Digital Future – 75 Years Zuse Z3 and the Digital Revolution.“  75 Folgen über die wichtigsten Wegbereiter des digitalen Zeitalters zeigen, was bisher geschah. Mehr zur Veranstaltung: www.science-match.info

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