Elektrische Zigarette : Dampfen mit E-Zigarette weniger gefährlich als Rauchen

Wissenschaftler haben Studien zur E-Zigarette ausgewertet. Danach überwiegt der Nutzen des Umstiegs von Rauchern eindeutig die Risiken.

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Dampfen statt Rauchen. Krebserregende Stoffe wie beim Verbrennen von Tabak entstehen dabei nicht.
Dampfen statt Rauchen. Krebserregende Stoffe wie beim Verbrennen von Tabak entstehen dabei nicht.Foto: picture alliance / dpa

Immer mehr Menschen „dampfen“, atmen nikotinhaltigen Nebel aus elektrischen Zigaretten ein. 2013 wurden in Deutschland 100 Millionen Euro mit E-Zigaretten samt Zubehör umgesetzt (Tabakindustrie: 20,1 Milliarden), für 2014 wird mit einer Verdopplung gerechnet. Gleichzeitig ist ein Streit um Nutzen und Gefahren entbrannt. Im Fachblatt „Addiction“ kommen Wissenschaftler nun zu dem Schluss, dass E-Zigaretten vermutlich weit weniger schädlich sind als herkömmliche Zigaretten, sowohl für Raucher wie für Passivraucher. Allerdings seien die Langzeitfolgen bislang ungeklärt.

Die Forscher um Peter Hajek von der Queen-Mary-Universität in London werteten die wissenschaftliche Literatur zum Gebrauch, den Inhaltsstoffen und der Sicherheit von E-Zigaretten aus. Danach sind es in erster Linie Raucher, die „dampfen“ und so von der herkömmlichen Zigarette loskommen wollen. Es gebe keine stichhaltigen Belege für den Vorwurf, dass rauchlose Zigaretten Kindern den Einstieg erleichterten. Kinder rauchten heute, im Zeitalter der E-Zigarette, eher weniger als früher. Auch dafür, dass das Dampfen das Rauchen indirekt verharmlose und die Tabakkontrolle erschwere, existierten keine Indizien.

Verdampftes Nikotin, aber keine krebserregenden Kohlenwasserstoffe

In rauchlosen Zigaretten wird eine nikotinhaltige und aromatisierte Flüssigkeit (Liquid), meist Propylenglykol oder Glyzerin, erhitzt und so verdampft. Der entstehende Nebel (Aerosol) wird eingeatmet. Anders als beim Rauchen entstehen keine krebserregenden Kohlenwasserstoffe, kein Kohlenmonoxid und andere gefährliche Verbrennungsprodukte. Die getesteten Liquids und Aerosole enthielten Schadstoffe in weit geringeren Mengen als im Tabakrauch, die Konzentration krebserzeugender Stoffe sei zu vernachlässigen. Passivraucher könnten durch das Aerosol Nikotin einatmen, allerdings in unbedeutender Menge.

E-Zigaretten mildern das Verlangen nach „echten“ Zigaretten. Es gebe Hinweise, dass sie Rauchern helfen, abstinent zu werden, schreiben die Forscher. Als Beispiel nennen sie Großbritannien, wo zeitgleich mit dem immer beliebter werdenden Dampfen mehr Menschen vom Tabak loskamen.

Eine Einstufung als Arzneimittel würde das Aus bedeuten

Unter Fachleuten sind E-Zigaretten dennoch nach wie vor umstritten. Gegner warnen vor ungeklärten Spätfolgen und davor, vom Pfad der „100-Prozent-Rauchfrei-Politik“ abzuweichen. Die Kritiker wollen die rauchlose Zigarette als Arzneimittel deklarieren. Sie dürfte dann nur in Apotheken verkauft werden und würde so praktisch vom Markt verschwinden. Erst im Frühjahr scheiterte ein entsprechender Versuch vor dem Europäischen Parlament.

Hajek und sein Team kommen zu anderen Schlüssen. Die gegenwärtige Beweislage rechtfertige es nicht, elektrische Zigaretten strenger als herkömmliche zu regulieren. „E-Zigaretten sollten mit konventionellen Zigaretten auf dem freien Markt konkurrieren“, sagte Hajek laut einer Presseerklärung. „Gesundheitsexperten sollten Raucher, die nicht aufhören wollen, ermutigen, auf E-Zigaretten umzusteigen. Auch Rauchern, bei denen Entwöhnungsversuche fehlgeschlagen sind, kann das nutzen.“

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