Forschung : Wissenschaft will mehr Offenheit bei Tierversuchen

Wenn es um Tierversuche geht, wird es schnell emotional. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen will nun einen Austausch mit sachlichen Argumenten fördern.

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Eine weiße Labormaus sitzt auf der Hand eines Labormitarbeiters und nagt an einem Futterstückchen.
In menschlicher Hand. Forscher wollen weniger Tierversuche machen, das Tierwohl verbessern und nach Alternativen suchen.Foto: IMAGO

„Wem das gar nichts ausmacht, der sollte keine Tierversuche machen.“ Das sagt eine freundliche Tierärztin, die zugleich die Arbeitsgemeinschaft Mikrobielle Immunologie am Leibniz-Institut für Naturstoffforschung in Jena leitet. Und die Nagetiere per Injektion mit Candida-Pilzen infiziert, um zu verstehen, wie im – tierischen und menschlichen – Organismus bei einer Infektion Pilze, Bakterien und Wirt zusammenwirken.

Die Forscherin Ilse Denise Jacobsen ist in einem kurzen Film zu sehen, der auf der Homepage der Informationsinitiative „Tierversuche verstehen“ angeklickt werden kann (www.tierversuche-verstehen.de). Ziel sei es, die Diskussion zu stimulieren und zu versachlichen, sagte Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina bei der Vorstellung in Berlin. Zwar gibt es schon Anläufe wie eine Broschüre der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), ein Themenportal der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und eine Stellungnahme der Leopoldina. Die Kommunikation laufe aber eher „anlassbezogen“, und Wissenschaftler hätten hier eine Bringschuld, ergänzte Hacker.

Was heute getan wird, um Tierversuche durch andere Experimente zu ersetzen, ihre Zahl zu reduzieren und ihren Ablauf, wenn es schon nicht anders geht, wenigstens zu verfeinern, darüber ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen (Leopoldina, Wissenschaftsrat, Deutscher Akademischer Austauschdienst, DFG, Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft, MPG, Hochschulrektorenkonferenz) will das nun mit vielfältigen Informationen rund um das Thema auf der Internetplattform und über die Sozialen Medien ändern. Zu den Angeboten gehört ein Dialogformular, auf dem von Bürgern Fragen gestellt werden können, ebenso wie eine Experten-Datenbank für Journalisten.

Es gibt auch Materialien für den Schulunterricht

Die Kosten von jährlich 250.000 Euro werden von den fünf forschenden Mitgliedsorganisationen der Allianz gemeinschaftlich getragen, eine Referentenstelle finanziert die DFG. „Wir werden prüfen, ob dadurch die Kommunikation zum Thema tatsächlich gefördert wird“, versprach Stefan Treue, Präsidiumsbeauftragter der Leibniz-Gemeinschaft für Tierschutzfragen.

Besteht überhaupt eine Chance, dass aus der festgefahrenen Kontroverse zwischen Tierversuchsgegnern und Forschern, die die teilweise gesetzlich geforderten Studien durchführen, ein Austausch von sachlich begründeten Argumenten wird? Ein Pluspunkt der frisch gestarteten Initiative ist sicher, dass hier Materialien für den Schulunterricht bereitgestellt werden. „Unser Optimismus speist sich aber auch aus der Erfahrung von Ländern wie England, Frankreich und der Schweiz, die mit der Kommunikation auf diesem Feld schon weiter sind“, betonte der Primatenforscher Treue.