Geschlechterforschung : Grüne verteidigen die Gender Studies

Die Grünen fordern eine bessere Förderung der Geschlechterforschung. Doch zuerst soll der Wissenschaftsrat die Gender Studies begutachten.

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Eine Professorin steht im Hörsaal vor Studierenden und erklärt einen Versuch aus der Physik.
Zündende Ideen gesucht. Die Grünen fordern ein Gutachten des Wissenschaftsrats zur Genderforschung - und verbindliche Frauenquoten...Foto: picture alliance /dpa/Friso Gentsch

Der rechtspopulistische Vorwurf des „Genderwahns“ richtet sich auch gegen Geschlechterforschung und ihre angebliche Überrepräsentation an den Universitäten. Angesichts der Tatsache, dass nur 0,4 Prozent der Professuren eine Voll- oder Teildenomination für Frauen- und Geschlechterforschung haben, sei genau das Gegenteil der Fall, schreibt die Grünenfraktion im Bundestag jetzt in einem Antrag, der am heutigen Donnerstag im Plenum diskutiert werden soll.

Angefeindet und diffamiert

„Die Genderforschung steht unter Druck: Einerseits fehlt ihr eine systematische und kontinuierliche Förderung. Andererseits wird sie von der ,Neuen Rechten‘ angefeindet, diffamiert und per Forschungsverbot infrage gestellt“, kommentiert Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion. Solche Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit weist die Fraktion zurück und mahnt an, die Geschlechterforschung „endlich angemessen zu stärken“.

Die Grünen fordern ein BMBF-Forschungsprogramm für Geschlechterforschung, ein Nachwuchsprogramm für Genderforscher und Genderforscherinnen und die Durchsetzung von Frauenquoten etwa nach dem Kaskadenmodell. Danach sollen in den Forschungsorganisationen die Anteile von Wissenschaftlerinnen in den jeweiligen Karrierestufen den Anteil der darunter liegenden Stufe erreichen. Darauf hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) die außeruniversitären Institute verpflichtet.

Verbindliche Zielquoten für Professorinnen

Die Grünen schlagen vor, dies bei einer Fortsetzung des Pakts für Forschung und Innovation ab 2021 verbindlich zu machen: Ein Teil der Finanzierung solle daran gekoppelt werden, inwieweit Zielquoten erreicht werden.

Mittelfristig sollte die Quote bei „mindestens 40 Prozent jedes Geschlechts auf allen Ebenen und in allen Fachbereichen“ liegen, fordern die Grünen. Die Gleichstellung von Frauen müsse beschleunigt werden. Tatsächlich stieg ihr Anteil bei den Professuren in den vergangenen zehn Jahren jährlich nur um 0,77 Prozentpunkte, ein 50-Prozent-Anteil würde so erst 2050 erreicht. Ein Instrument wäre die Fortsetzung des 2017 auslaufenden Professorinnenprogramms, heißt es. Es solle um die Förderung auch von Nachwuchswissenschaftlerinnen aufgestockt werden.

Vorbereiten und flankieren wollen die Grünen die Programme mit einer Begutachtung des Wissenschaftsrats zur Situation der Geschlechterforschung in Deutschland und mit einem Fortschrittsbericht zur Geschlechtergerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung in jeder Legislaturperiode.

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