Hamburgs Uni-Präsident Dieter Lenzen : "Rankings sind Unfug"

"Gravierende methodische Mängel": Der Präsident der Uni Hamburg, Dieter Lenzen, erklärt, warum seine Hochschule Ranglisten boykottiert und welche Alternativen er sieht.

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Untersucht. „Gravierende methodische Mängel“ sieht Dieter Lenzen bei den meisten Rankings, die die Leistungen von Hochschulen und Forschern bewerten wollen. Hier Wissenschaftler bei einem Symposium zur Systembiologie an der Uni Hamburg.
Untersucht. „Gravierende methodische Mängel“ sieht Dieter Lenzen bei den meisten Rankings, die die Leistungen von Hochschulen und...Foto: UHH/Schell

Herr Lenzen, Ihre Uni hat angekündigt, sich nicht mehr an Ranglisten und Umfragen beteiligen zu wollen. Warum?

Die Zahl der Anfragen für irgendwelche Untersuchungen und Datenlieferungen hat unglaublich zugenommen. Das passiert ein bis zwei Mal pro Woche. Oft richtet sich das an 20, 50 oder 100 Hochschullehrer, an die Verwaltung und an die Leitung. Unser Kerngeschäft ist aber nicht die Lieferung von Daten, sondern Forschung und Lehre. Die Rankings, die aus diesen Daten entstehen, haben gravierende methodische Mängel. Lesern wird suggeriert, die Uni auf Platz sieben sei tatsächlich schlechter als die auf Platz fünf. Diese Rankings sind Unfug, vor allem wenn sie gemischte Parameter zur Ermittlung des Ergebnisses heranziehen. So entstehen Anlässe zu Entscheidungen von Studierenden, Eltern, Geldgebern, Politikern, die hoch zufällig sind. Das wollen wir verhindern. Wir wollen auch nicht mehr dazu beitragen, dass Unis national und international ständig aufeinandergehetzt werden.

Die Uni Hamburg landet in diversen Rankings eher selten an der Spitze. Wollen Sie auch wegen dieser mittelmäßigen Ergebnisse nicht mehr in Ranglisten auftauchen?

Wir haben den Zeitpunkt für unseren Vorstoß bewusst gewählt, weil wir ein Meta-Ranking angefertigt haben, eine Zusammenschau aller Rankings. Danach würde die Uni Hamburg unter den rund 300 deutschen Hochschulen auf Platz 15 liegen. Es ist also Quatsch zu sagen, wir seien mittelmäßig.

Damit schmückt man sich aber gerne?

Nein, wir haben das Meta-Ranking nur gemacht, damit man nicht sagen kann, wir wollten uns nicht in die Karten gucken lassen. Wir brauchen den Vergleich nicht zu scheuen.

Dieter Lenzen, 64, leitet seit dem Jahr 2010 die Universität Hamburg als Präsident. Zuvor war der Erziehungswissenschaftler Präsident der Freien Universität Berlin.
Dieter Lenzen, 64, leitet seit dem Jahr 2010 die Universität Hamburg als Präsident. Zuvor war der Erziehungswissenschaftler...Foto: UHH/Dichant

Inwieweit beeinflussen Ranking-Ergebnisse tatsächlich die Mittelvergabe durch die Politik?

Ganz linear passiert das natürlich nicht. Die Verlautbarungen einzelner Landesregierungen legen aber nahe, dass man Entscheidungen auch auf dem Ranking des Centrums für Hochschulforschung basieren lässt. Natürlich darf staatliches Handeln aber nur auf staatlich beurkundeten Zahlen beruhen. In den USA hat es der Supreme Court sogar verboten, private Rankings zur Grundlage für die einkommenserhebliche Bewertung von Wissenschaftlern zu machen.

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