Hertie School of Governance : Regierungsschule regiert mit

Hertie School: Absolventen kommen nun auch in Ministerien unter. Nun hat die Hertie School of Governance auch einen neuen Direktor. Der Soziologe Helmut K. Anheier von der Uni Heidelberg hat am Freitag den Gründungsdirektor der Berliner Regierungshochschule, Michael Zürn, abgelöst.

Amory Burchard

Zürn hatte die 2003 gegründete private Hertie School seit 2004 geleitet. Jetzt kehrt der Politikwissenschaftler ans Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) zurück, wo er ohnehin ein Standbein behalten hatte.

Der heute 50-jährige Zürn leitet dort die Abteilung Transnationale Konflikte und Internationale Institutionen und freut sich „auf die Autonomie eines Wissenschaftlers“. Die Entwicklung der Hertie School seit der Aufnahme des Lehrbetriebs 2005 sei sehr positiv, sagt Zürn: Für den Studiengang Public Policy gebe es mittlerweile über 500 Bewerbungen auf 80 Plätze pro Studienjahr. Auch das zweite Masterprogramm zum Verwaltungsmanagement laufe gut an. Und die Absolventenzahlen stiegen kontinuierlich – von 30 im Jahr 2007 auf 75 in diesem Jahr. Zudem sei in den letzten Monaten auch das Ziel der Hertie School erreicht worden, mehr Absolventen in der öffentlichen Verwaltung und in Ministerien unterzubringen, sagt Zürn. Dieser Bereich sei jetzt gleichermaßen an Teilnehmern der Masterprogramme interessiert wie bislang schon Nicht-Regierungs-Organisationen, Beratungsunternehmen oder internationale Organisationen.

Der neue Direktor der Privathochschule will die Strategie der Hertie School gleichwohl „nachbessern“. Stärken wolle er vor allem den Bereich, den er aus Heidelberg und von früheren akademischen Stationen mitbringt, sagt Helmut K. Anheier. Der 55-Jährige hat sich auf Professuren unter anderem an der University of California, an der London School of Economics und an der Johns Hopkins University auf Fragen der Zivilgesellschaft und des Stiftungswesens spezialisiert. 2006 kam er nach Heidelberg, wo er das Centrum für Soziale Investitionen mitbegründet hat. An der Hertie School will Anheier Forschung und Lehre zur Rolle privater Akteure in gemeinnützigen Einrichtungen verstärken. Zudem holt er eine Dependance des Heidelberger Centrums nach Berlin. Es soll Untermieter am Standort der Hertie School an der Friedrichstraße (Mitte) werden – und eng mit ihr kooperieren.

Für verbesserungswürdig hält Anheier auch den Anteil von Frauen in Führungspositionen der Hertie School. Derzeit sind nur drei von 14 Professuren von Wissenschaftlerinnen besetzt, in der Verwaltungsspitze findet sich keine einzige Frau. Er wolle sich in den nächsten Monaten um die Berufung zweier Seniorprofessorinnen und einer Stiftungsprofessorin bemühen, sagt Anheier.

Michael Zürn bleibt der Hertie School verbunden – über ein gemeinsames Doktoranden-Programm mit WZB und Freier Universität. 15 Promovierende hat die 2008 gestartete „Berlin Graduate School for Transnational Studies“. Die Beteiligung der Hertie School hat zur positiven Bewertung durch den Wissenschaftsrat beigetragen, der die Hochschule Ende 2008 akkreditiert hat. Die Hertie School hat derzeit rund 160 Studierende, die mindestens 10 000 Euro Gebühr pro Jahr zahlen. Amory Burchard

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