Hochschulbewerbung : Zittern bei der Unizulassung

Noch immer ist unklar, wann das 15 Millionen Euro teure bundesweite Bewerbungsportal für Studieninteressierte voll funktionsfähig ist. Immerhin gab es beim Pilotbetrieb bisher keine Pannen.

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An die Uni. Oft muss lange auf einen Platz gewartet werden.
An die Uni. Oft muss lange auf einen Platz gewartet werden.Foto: Bernd Wannenmacher

In diesen Tagen ist es soweit: Studieninteressierte erfahren, ob sie einen Platz an ihrer Wunschuni bekommen. Die ersten Hochschulen haben ihre Zu- und Absagen bereits verschickt, andere folgen demnächst. Oft zittern Abiturienten bis kurz vor Semesterbeginn, ob sie einen Platz bekommen. Denn wegen der vielen Mehrfachbewerbungen können die Hochschulen oft erst spät klären, welche Plätze für Nachrücker zur Verfügung stehen. Weil Hochschulen immer wieder Bewerber abspringen, bleiben sogar Plätze in den begehrten NC-Fächern frei.

Das Prozedere könnte stark vereinfacht werden: Das versprach das lang angekündigte Bewerbungsportal „Hochschulstart.de“ der Stiftung für Hochschulzulassung (ehemals ZVS). Dort sollen sich Abiturienten zentral online bewerben können, über den digitalen Datenabgleich sollen Plätze schneller als bisher vergeben werden. Auf einen Blick würden Studieninteressierte sehen, wie der Stand bei allen ihren Bewerbungen ist.

Doch der Start des 15 Millionen Euro teuren Portals ist wegen technischer Schwierigkeiten immer wieder verschoben worden. In der aktuellen Bewerbungsrunde gibt es zumindest einen Pilotbetrieb, mit 17 (von knapp 190 möglichen) Hochschulen und 22 Studiengängen. Der Betrieb sei bisher erfolgreich gelaufen, hieß es am Dienstag in Berlin. „Es gab keine Pannen“, sagte Wilko Wittke von der Stiftung für Hochschulzulassung. Doch wann und ob überhaupt das Portal flächendeckend arbeiten wird, ist offen. Eine konkrete Aussage wollte dazu keiner der Verantwortlichen treffen.

Auch beim Pilotbetrieb ist die entscheidende Hürde noch nicht genommen. Der „Mehrfachzulassungsabgleich“ – wenn die Hochschulen ihre Bewerberranglisten einstellen und das System Doppelungen erkennen soll – steht erst in der kommenden Woche an. Ohnehin bildet der Probebetrieb kaum die üblichen Bewerbermassen ab. 13 856 Bewerber gaben insgesamt 21 286 Bewerbungen ab, nur 4000 Bewerber entschieden sich für mehr als eine Bewerbung. Zum Vergleich: In Berlin kamen FU und HU alleine auf jeweils über 30 000 Bewerbungen. Dennoch sei der Betrieb jetzt aussagekräftig, sagte der niedersächsische Wissenschaftsstaatssekretär Josef Lange, stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats: „Man kann zeigen: Das System funktioniert.“

Kern des Problems ist die technische Anbindung des neu entwickelten Bewerbungssystems an die bestehende Software der Hochschulen. Bei einem Test Ende 2011 waren nur 40 Hochschulen technisch in der Lage, sich an das Portal anzuschließen. Vor allem der Hochschul-Informations-Service (HIS), der die meisten der bestehenden Uni-IT-Systeme entwickelt hat, geriet in die Kritik. Dessen „Konnektoren“, die das Portal mit der Unisoftware verbinden sollten, funktionierten nicht. Inzwischen sei das Problem prinzipiell gelöst, hieß es nun. Bei der Anbindung im Pilotbetrieb seien „alle Varianten“ dabeigewesen. Micha Teuscher, der Vorsitzende des Stiftungsrats, forderte die Hochschulen zu einer „aktiven Beteiligung“ bei der Anbindung ihrer Systeme an das Portal auf.

Für 2013 nannte Teuscher ein Ziel: Im Fach Psychologie – wo jetzt schon einige große Unis teilnehmen und auf das mehr als drei Viertel aller Bewerbungen im Probebetrieb entfielen – sollten die Unis möglichst flächendeckend Plätze über das Portal anbieten.

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