Hochschulverträge : FU Berlin fordert Chemie-Bau

Die FU fühlt sich vom Berliner Senat vernachlässigt: Die lange erwartete Sanierung des Chemie-Gebäudes wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

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FU-Präsident Peter-André Alt
FU-Präsident Peter-André AltFoto: Bernd Wannenmacher

An der Freien Universität Berlin kommt Ärger über die Hochschulverträge auf. Denn zwar wird das Gesamtergebnis – bis 2017 wächst der Zuschuss für alle Hochschulen um 122 Millionen Euro – mit Blick auf den Haushalt Berlins als gerade noch hinnehmbar akzeptiert. Aber über die Ausgestaltung der Verträge im Einzelnen gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Hochschulen und dem Berliner Senat. Vor allem fühlt sich die FU beim Hochschulbau extrem ungerecht behandelt und trotz ihrer Leistungen nicht wertgeschätzt.

Denn anders als von der FU-Leitung sicher erwartet, hat der Senat das seit vielen Jahren sanierungsbedürftige Chemie-Gebäude in der Takustraße 3 nun doch nicht in seine Investitionsplanung für die kommenden zwei Jahre aufgenommen. FU-Präsident Peter-André Alt sprach bei einer Sondersitzung des Akademischen Senats der FU am vergangenen Donnerstag von einem „absoluten Skandal“.

Nach Darstellung der FU-Leitung stand das Gebäude seit Jahren auf Platz eins der Prioritätenliste der Senatsverwaltung für Wissenschaft. Nun soll stattdessen die TU ein neues Mathe-Gebäude und die HU ein Gebäude für die Naturwissenschaften in Adlershof bekommen. Das gönnt die FU den Nachbarunis auch. Doch es wird gleichwohl als tief ungerecht empfunden: „Der Berliner Politik ist nicht wichtig, was wir aufgebaut und wie wir uns geschlagen haben“, sagte die Sinologin Mechthild Leutner. FU-Vizepräsidentin Monika Schäfer-Korting sagte, in ihren 20 Jahren an der FU habe sie immer wieder erlebt, wie die FU sich gegen alle Widrigkeiten behauptet habe: „Zuerst wurde die HU zur Eliteeinrichtung ausgebaut, dann wurde die FU mit Sparmaßnahmen 2003 fast zerstört.“ Die FU sei aber „immer gestärkt“ aus allen Widrigkeiten hervorgegangen: „Wir sind zwei Mal Exzellenzuni geworden, die HU nur einmal. Wir sind perfekt. Und ein perfektes Kind bekommt eben keine Zuwendung mehr.“ Das Land habe an der FU kein Interesse.

FU-Präsident Alt berichtete auch, in der jetzigen Fassung sehe der Hochschulvertrag einen Passus zu den Mitteln aus dem Hochschulpakt vor. Die Präsidenten sollten unterschreiben, ihnen sei bewusst, dass das Land Berlin nicht in die Bresche springen wird, sollte der Bund sich aus der Finanzierung zurückziehen: „Das werde ich mich weigern, zu unterschreiben“, sagte Alt.

Der Bund hilft den Ländern seit 2007 beim Aufbau von Studienplätzen, die Berliner Hochschulen bekommen in den kommenden vier Jahren zwischen 12 und 13 Prozent ihrer Mittel vom Bund, bis zu 153 Millionen Euro. Doch wie es nach 2017 weitergeht, ist offen: „Wenn die Bundesmittel nicht ersetzt werden, bricht alles weg“, sagte Alt.

Unzufrieden ist die FU auch darüber, dass die Senatsverwaltung den Hochschulen weitere Leistungssteigerungen abverlangt, für die die Unis erst den maximal möglichen Landeszuschuss bekommen sollen. So sollten die Unis den Anteil ihrer Absolventen in der Regelstudienzeit weiter steigern, obwohl der Anteil bereits sehr hoch sei. Zulegen sollen die Unis auch noch einmal bei den Drittmitteleinwerbungen um jährlich ein Prozent. Das sei angesichts des aktuellen „sehr hohen Niveaus“ mit Risiken in der Finanzierung behaftet, sagte Alt. Es könne der FU schon dann zum spürbaren finanziellen Schaden gereichen, wenn ein Sonderforschungsbereich nicht verlängert werde. Der Akademische Senat der FU arbeitet nun an einer Resolution, in der er die Forderungen öffentlich machen will.



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