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Humboldt-Universität Berlin : Sabine Kunst wird neue HU-Präsidentin

"Super-tolles Ergebnis": Die brandenburgische Wissenschaftsministerin Sabine Kunst ist zur Präsidentin der Humboldt-Universität gewählt worden. Die Formulierung, die HU sei unregierbar, hält Kunst für „überzogen“.

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Sabine Kunst, neue Präsidentin der Humboldt-Universität, nach ihrer Wahl.
Sabine Kunst, neue Präsidentin der Humboldt-Universität, nach ihrer Wahl.Foto: HU Berlin/Mark Wagner

Als Erster gratulierte Amtsinhaber Jan-Hendrik Olbertz seiner Nachfolgerin zur Wahl. Der HU-Präsident kam dem Vorsitzenden des Konzils Michael Seadle zuvor und überreichte Sabine Kunst einen Blumenstrauß, der dreimal so groß war wie der des Konzils, passend zum guten Wahlergebnis: 49 Mitglieder des Konzils hatten mit Ja gestimmt, sechs mit Nein. Zwei Stimmen waren ungültig. Kunst nannte das Ergebnis später vor Journalisten „überwältigend“ und „super-toll“. Nach den Gesprächen mit Uni-Angehörigen in den vergangenen Wochen habe sie damit nicht gerechnet.

Sabine Kunst kann ihre Amtszeit mit breiter Unterstützung beginnen

Geht man davon aus, dass die Nein-Stimmen besonders aus den Reihen der sieben anwesenden Studierendenvertreter kamen, kann Kunst ihre fünfjährige Amtszeit mit breiter Unterstützung aller drei übrigen Statusgruppen beginnen: der Professoren, der wissenschaftlichen Mitarbeiter und der nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter. Genau das gleiche Wahlergebnis hatte vor fünf Jahren Olbertz eingefahren. Er bleibt im Amt, bis Kunst, momentan noch Wissenschaftsministerin in Brandenburg, im Sommer antritt. Wann genau hängt davon ob, wann die Landesregierung auf sie verzichten kann.

Olbertz erklärte schriftlich, Kunst sei „eine vortreffliche Wahl“: „Ich bin sicher, dass sie den vom derzeitigen Präsidium eingeschlagenen Weg der Humboldt-Universität als exzellente Universität in Forschung und Lehre erfolgreich fortführen wird.“ Der Amtsinhaber ist davon überzeugt, dass dies nur möglich ist, wenn die Universität ihre Leitung professionalisiert und statt des bislang in der Verfassung vorgesehenen Vizepräsidenten für Haushalt einen Kanzler einführt.

Bisher haben an der HU die Vizepräsidenten für Forschung und für Lehre in ihren Ressorts die Verantwortung für Finanzen und Personal. Für Olbertz war dies die Bedingung für eine zweite Amtszeit. Eine Mehrheit dafür fand er aber nicht und trennt sich darum nicht nur im Guten von der HU.

Die HU unregierbar? Das hält Kunst für "überzogen"

Kunst sagte nach ihrer Wahl auf Journalistenfragen, sie halte die Formulierung, die HU sei unregierbar, für „überzogen“: „Es geht ja nicht ums Regieren, sondern darum, die Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre zu schaffen.“ Wichtig sei aber, dass „ein Profi“ für Haushalt, Verwaltung und Technik den Gesamtüberblick habe. „Ob er nun Kanzler heißt oder Vizepräsident, ist mir egal.“ Die entscheidende Frage sei aber, ob „unter diesen Bedingungen“ eine solche Person gefunden werden kann. Damit spielt Kunst wohl darauf an, dass Kanzler an Hochschulen Beamte sind und bei einem Wechsel in das Amt des Vizepräsidenten die Beamtenposition und daraus resultierende Versorgungsansprüche verlieren.

Mitglieder des Konzils reagierten auf die Wahl erfreut: „Ich bin sehr froh über das gute Ergebnis. Das stärkt ihr den Rücken“, sagte die Biologie-Professorin Ann Ehrenhofer-Murray. Florian Waldow, Professor für Erziehungswissenschaft, sagte, ihn überrasche das gute Ergebnis für Kunst keineswegs: „Sie ist einfach eine gute Wahl.“ Ursula Fuhrich-Grubert, die Zentrale Frauenbeauftragte der HU, sagte: „Ich freue mich, dass zum zweiten Mal in der Berliner Geschichte eine Frau Uni-Präsidentin wird. Sie ist eine exzellente Person, im Wissenschaftsmanagement wie in Forschung und Lehre. Wir haben einen Glücksgriff getan.“ In Fragen der Gleichstellung werde Kunst den von Olbertz beschrittenen Weg sicher fortsetzen und eigene Akzente setzen.

Die Studierenden lassen offen, wie sie gestimmt haben

Die Studierendenvertreter Olenka Bordo Benavides und Jakob Hoffmann ließen offen, wie ihre Gruppe bei der Wahl abgestimmt hat. Allerdings gebe es nun einmal grundsätzlich gegenüber dem Präsidium Kritik von Studierendenseite. Das ergebe sich schon aus den Interessen der Studierenden, die nicht immer kompatibel seien. Da die Studierenden in den Gremien immer in der Minderheit seien, müssten sie aber Unterstützung für ihre Anliegen suchen. „Frau Kunst hat uns Gespräche angeboten.“ Schon im Vorfeld habe Kunst aber versichert, dass sie nicht für die Einführung der Zwangsexmatrikulation an der Humboldt-Uni ist. Die Studierenden wünschen sich nun, dass die Uni ihren Ausstieg aus dem Verein Uni-Assist angeht, der die Zeugnisse ausländischer Studierendenbewerber prüft. Außerdem fordern sie die Einrichtung einer zentralen Antidiskriminierungsstelle an der HU.

Berlins Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte, Kunst sei für die HU und für Berlin „die richtige Frau zur richtigen Zeit“: „Als anerkannte Wissenschaftlerin, erfahrene Hochschulmanagerin sowie mit der richtigen Mischung aus Teamgeist, Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsstärke wird sie die starke Humboldt-Universität noch stärker machen wird.“ Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin, teilte mit: „Ich gratuliere Frau Kunst zur Wahl und freue mich sehr auf eine gute Zusammenarbeit, insbesondere in der Exzellenzinitiative und auch bei dem Großprojekt Digitalisierung.“

An der HU wird erwartet, dass die Vizes wieder kandidieren

Darauf setzt auch Horst Bredekamp, prominenter Kunsthistoriker der HU, – insbesondere in Hinblick auf die Exzellenzinitiative, in der sich die HU erneut um hohe Fördersummen von Bund und Ländern bewerben will. „Durch ihre leitende Tätigkeit in höchst unterschiedlichen Institutionen verkörpert Frau Kunst wie kaum eine zweite Person eine Fülle von Perspektiven, wie sie für die Exzellenz-Initiative unabdingbar ist“, sagte Bredekamp, der auch Mitglied der Gründungsintendanz des künftigen Humboldtforums ist. Er hoffe, dass durch Kunst „die lebendige Präsenz der Wissenschaften im Humboldtforum weiter gestärkt wird“.

An der Humboldt-Universität wird erwartet, dass die jetzigen beiden Vizepräsidenten Michael Kämper-van den Boogaart (Studium und Internationales) und Peter Frensch (Forschung) für eine zweite Amtszeit kandidieren. Der Wahltermin ist für den 9. Februar anberaumt. Ob sich bis dahin ein Kandidat oder eine Kandidatin für das lange nicht kontinuierlich besetzte Amt des Vizepräsidenten für Haushalt finden lässt, ist offen.

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