Impfung für Böden : Ein alter Acker wird zum artenreichen Lebensraum

Verarmte Böden können wieder fit gemacht werden, zeigen niederländische Forscher. Die Bodenbeimpfung eigne sich, um die Renaturierung massiv zu beschleunigen.

Blühendes Leben. Nach der Bodenbeimpfung ist nach acht Jahren eine Heidelandschaft entstanden. Das Vergleichsfeld (links) wurde nicht behandelt, es ist nur 30 Meter entfernt.
Blühendes Leben. Nach der Bodenbeimpfung ist nach acht Jahren eine Heidelandschaft entstanden. Das Vergleichsfeld (links) wurde...Foto: Wubs/Nature/dpa

Einst intensiv bewirtschaftete und biologisch verarmte Kulturflächen lassen sich über eine Impfung mit gesundem Boden wieder in artenreiche Lebensräume verwandeln. Je nach Herkunft des Bodenimpfstoffs lasse sich ehemaliges Agrarland in Richtung einer Heidelandschaft oder einer Graslandschaft entwickeln, berichten Wissenschaftler um Jasper Wubs vom Netherland Institute of Ecology (Wageningen) im Fachjournal „Nature Plants“.

Sie hatten auf einem 160 Hektar großen Stück Land, auf dem für etwa 60 Jahre Getreide angebaut wurde, Versuchs- und Kontrollflächen abgeteilt. Zunächst entfernten sie dort die oberste Bodenschicht. Auf diese Weise beseitigten sie quasi das „Vermächtnis“ der zurückliegende Flächennutzung, das noch auf Jahre in die Zukunft eine gesunde Entwicklung der Artenvielfalt hemmen kann.

Bodenorganismen steuern die Entwicklung in eine gewünschte Richtung

Dann streuten sie den Bodenimpfstoff, den sie aus nahe gelegenem Grasland oder Heideland gewonnen hatten, ganz dünn auf die Flächen. In der weniger als einen Zentimeter dicken Schicht befanden sich Samen der Pflanzen, aber vor allem auch für die jeweiligen Flächen typische Bodenorganismen. Nach sechs Jahren hatten sich die Versuchsflächen entsprechend des aufgebrachten Bodenimpfstoffs in Grasland oder Heideland verwandelt mit den jeweils typischen Pflanzenarten und den Organismen wie Bakterien, Milben, Springschwänzen oder Fadenwürmern.

Vor allem diese Bodenorganismen seien es, die die Entwicklung der Fläche in eine gewünschte Richtung steuerten. Das funktioniere ähnlich wie bei einer Fäkaltransplantation beim Menschen, bei der eine gestörte Bakteriengemeinschaft im Darm durch die Übertragung einer gesunden Mikrobenzusammensetzung wiederhergestellt werde, erläuterte Wubs in einer Pressekonferenz. Weitere Versuche zeigten, dass sich dies auch ohne die vorherige vollständige Entfernung der oberen Bodenschicht erreichen lässt, wenn auch etwas weniger effektiv. Nach Ansicht der Wissenschaftler kann das Verfahren die Renaturierung von Flächen von Jahrzehnten auf einige wenige Jahre beschleunigen. (dpa)

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben