• Zitty
  • Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Berlin 030
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Interview mit Wolfgang Huber : „Wir könnten Klone nicht für ihr Zustandekommen verurteilen“

16.05.2013 17:59 Uhrvon
Wolfgang Huber ist evangelischer Theologe und Professor an der Humboldt-Universität Berlin. Als Mitglied des Deutschen Ethikrates liegt sein Schwerpunkt auf christlicher Bioethik. Foto: dpaBild vergrößern
Wolfgang Huber ist evangelischer Theologe und Professor an der Humboldt-Universität Berlin. Als Mitglied des Deutschen Ethikrates liegt sein Schwerpunkt auf christlicher Bioethik. - Foto: dpa

Menschen zu klonen, würde sie ihrer Individualität berauben, meint Wolfgang Huber, Mitglied des Deutschen Ethikrates im Interview. Dennoch müssten auch Klone als vollwertige Menschen anerkannt werden.

Bei den Embryonen, die nun erzeugt wurden, gab es keine Befruchtung. Wo beginnt menschliches Leben dann?

Das menschliche Leben beginnt mit der Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle. In diesem Fall hat man statt der Samenzelle eine andere Zelle verwendet, mit ihr aber denselben Effekt erzielt, nämlich die Bildung eines menschlichen Embryos. Die Maßstäbe für einen menschlichen Embryo sind auch in diesem Fall anzulegen. Das Verbot des Klonens, wie es in Deutschland gilt, trifft auch auf dieses Verfahren zu. Unabhängig davon, ob man die so erzeugten Embryonen zu reproduktiven Zwecken einsetzt, oder ob man sie zu therapeutischen Zwecken nutzen will.

Insofern ist es folgerichtig, die Forderung zu erneuern, das Klonen grundsätzlich zu verbieten, und stattdessen im Blick auf künftige Heilungschancen etwa den Weg über induzierte pluripotente Stammzellen zu nutzen.

Was wäre denn so schlimm an einer Welt mit Klonen?

Menschen nach einem von Menschen gemachten Bauplan zu entwerfen, heißt, sie ihrer Identität und Unverwechselbarkeit zu berauben. Wenn wir vom Menschen als Individuum sprechen, dann, weil der Mensch nicht total planbar und machbar ist, weil er sein Leben als Geschenk und seine Individualität als etwas Unverfügbares erhält. Wenn wir stattdessen den Menschen zum Produkt machen, dann rühren wir an der Wurzel der menschlichen Freiheit.

Wären Klone trotzdem Menschen?

Angenommen, sie kämen zur Welt, dann wäre die Frage ähnlich, wie wenn ein Kind durch eine Vergewaltigung gezeugt wird. Entscheidet sich die Mutter es auszutragen, behandeln wir das Kind, das so zur Welt kommt, natürlich als menschliche Person. Genauso würden wir auch mit einem menschlichen Klon umgehen. Denn wir können ihn nicht dafür verurteilen, dass er auf eine Weise zustande kam, die wir ethisch missbilligen. Das ändert aber nichts daran, dass wir mit allen Kräften verhindern müssen, dass es überhaupt zu solchen Klonen kommt. Man muss von vornherein klarmachen, dass wir das nicht wollen, auch wenn es technisch derzeit noch nicht möglich ist. Deshalb sind energische Schritte zum weltweiten Verbot des Klonens von Menschen notwendig.

Unter welchen Umständen ist Stammzellforschung moralisch vertretbar?

Sie ist vertretbar als Grundlagenforschung, bei der die therapeutischen Zwecke als einzige im Vordergrund stehen. Außerdem dürfen menschliche Embryonen niemals als Mittel zu anderen Zwecken hergestellt werden, sondern ausschließlich zu Zwecken der menschlichen Reproduktion.

Tagesspiegel twittert

Folgen Sie unserer Wissen und Forschen Redaktion auf Twitter:

Kai Kupferschmidt:


Ralf Nestler:


Tilmann Warnecke:


Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Empfehlungen bei Facebook

Weitere Themen

Foto:

Dr. Dollars Diagnose und weitere Artikel aus unserem Gesundheit-Ressort.

Gesundheit