Islamophobie in Berlin : Weitere Hochschule entlässt islamfeindlichen Dozenten

Nach der HWR und der HTW Berlin hat sich auch die SRH Hochschule Berlin von einem Dozenten getrennt, dem islamfeindliche Äußerungen vorgeworfen werden.

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Studierende stehen in einem Saal und werfen schwarze Hüte in die Luft.
Die Studierenden und Lehrenden an der Berliner SRH kommen aus 80 Nationen. Ein Dozent dem Rassismus vorgeworfen wird, sei schon...Foto: SRH

Auch die private Management-Hochschule SRH hat sich von dem Berliner Statistikdozenten Wolfgang Hebold getrennt. „Wir haben die Zusammenarbeit kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe beendet“, sagte die Sprecherin der SRH Hochschule Berlin, Gesine Kelling, dem Tagesspiegel am Mittwoch auf Anfrage. Hintergrund sind islamfeindliche Äußerungen Hebolds auf verschiedenen Webseiten, aber auch in seinem Lehrmaterial für die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR). Darüber hatte die „Abendschau“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) am 25. Mai berichtet. Demnach mussten Studierende in einem Kurs des Lehrbeauftragten etwa Überlegungen darüber anstellen, ob die Zahl von Terroranschlägen und der Anteil von Muslimen in der Bevölkerung einen sinnvollen, für statistische Betrachtungen geeigneten Zusammenhang ergäben..

Dozent widersprach den Vorwürfen

Am Tag vor der Ausstrahlung des RBB-Berichts hatte die HWR Hebold gekündigt, unmittelbar danach trennte sich auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) von dem Diplom-Mathematiker. Hebold selber sah seine Aussagen im RBB-Bericht, nach denen er sein Statistik-Beispiel für „im Alltag relevanter“ als andere Beispiele halte, „vom RBB bösartig verdreht“, wie er dem Tagesspiegel sagte. Einträge auf Webseiten, die ihm zur Last gelegt werden, stammten zudem nicht von ihm. Für ihn sei zwar „der politische Islam“ „ein Problem“, aber er sei „nicht rassistisch“.

Auf interkulturellem Campus fehl am Platze

Die SRH Hochschule Berlin, an der Hebold ebenfalls Lehrbeauftragter war, hatte ihn zunächst freigestellt und wollte seine Stellungnahme abwarten. Bereits am 27. Mai habe man dann die Zusammenarbeit beendet, sagt SRH-Sprecherin Kelling. „Wir haben 80 Nationen auf unserem Campus am Ernst-Reuter-Platz, wir stehen für Interkulturalität und Internationalität. Da sind solche Äußerungen, wie sie hier im Raum stehen, überhaupt nicht tragbar.“ An der SRH Hochschule Berlin seien allerdings im Rahmen seiner Lehrtätigkeit keine islamophoben oder rassistischen Ausfälle bekannt geworden.

SRH-Studierende bekamen Aufgaben aus anderer Quelle

Die Hochschule hat deutsch-türkische Wurzeln, ging 2007 aus der 2002 von dem Unternehmer Erman Tanyildiz in Berlin gegründeten OTA Hochschule hervor. Die HWR-Studierenden mussten Lehrmaterialien von Hebolds Homepage herunterladen und kamen so kaum an islamfeindlichen Aussagen vorbei. Dies sei an der SRH Hochschule nicht der Fall gewesen, weil man Aufgaben ausschließlich im hochschuleigenen Intranet bereitstelle, sagt Kelling. Einige Inhalte seiner Homepage sowie Blog-Einträge auf dem islamophoben Blog „diskurskorrekt“ hatte Hebold im Zuge der RBB-Recherchen gelöscht beziehungsweise verändert. Der Mathematiker war auch in der Tagesspiegel-Community aktiv. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft wie berichtet, ob es sich bei seinen islamfeindlichen Äußerungen um Volksverhetzung handelt.

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