Klimaschutz : Kurzfristige Entspannung

Die zwei werden oft vergessen: Auch Methan und Ruß treiben die Temperaturen nach oben. Werden Emissionen vermieden, kommt das dem Klima zugute – und der Gesundheit von Millionen Menschen.

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Rauch und Ruß. Offene Feuerstellen schaden der Gesundheit. Zudem trägt der freigesetzte Ruß zum Klimawandel bei.
Rauch und Ruß. Offene Feuerstellen schaden der Gesundheit. Zudem trägt der freigesetzte Ruß zum Klimawandel bei.Foto: REUTERS

Wenn die Sprache auf den Klimaschutz kommt, wird fast ausschließlich über Kohlendioxidemissionen diskutiert. Tatsächlich ist das Gas ein wesentlicher Treiber der globalen Erwärmung. Aber nicht der einzige. Bis Mitte des Jahrhunderts könnte die Erderwärmung um ein halbes Grad Celsius geringer ausfallen, wenn die Menschheit den Ausstoß von Methan und Ruß deutlich eindämmt. Das berichtet ein 24-köpfiges Forscherteam im Fachblatt „Science“ (Band 335, Seite 183). Darüber hinaus würde die Emissionsminderung hunderttausenden Menschen einen vorzeitigen Tod ersparen und die Erträge der Landwirtschaft spürbar steigern.

Methan und Ruß fallen in die Gruppe der „short lived climate forcers“, was man ungefähr mit „kurzzeitige Klimatreiber“ übersetzen kann. Methan zum Beispiel hat zwar eine mehr als 20-mal stärkere Treibhauswirkung als die gleiche Menge Kohlendioxid (CO2), wird aber wesentlich schneller abgebaut als das CO2, das jahrzehntelang in der Atmosphäre bleibt. Auch Ruß treibt die Temperaturen nach oben. Die winzigen Kohlenstoffpartikel, die etwa durch eine unvollständige Verbrennung von Holz, Kohle oder Diesel entstehen, absorbieren einen Teil der Sonnenstrahlung. Dadurch wird die Luft erwärmt. Andererseits ist Ruß ein guter Kondensationskeim für Wassertropfen und wird deshalb durch Regen rasch wieder aus der Lufthülle entfernt.

„Auf lange Sicht müssen wir uns mit Kohlendioxid befassen, keine Frage“, sagt der Studienleiter Drew Shindell. Kurzfristig sei die Reduktion von Methan und Ruß aber einfacher zu bewerkstelligen und bringe schnelle Erfolge.

Shindell, der am Goddard-Institut der Nasa und der Columbia-Universität in New York forscht, stützt sich dabei auf umfangreiche Modellierungen: Das Team hat aus rund 400 verschiedenen Möglichkeiten zur Emissionsminderung die wirksamsten herausgesucht. Für Methan sind das: Abfangen des Gases bei der Kohle-, Erdöl- und Erdgasgewinnung, Aufspüren von Lecks in langen Pipelines, Abdecken von Mülldeponien, moderne Abwasserbehandlung und verbesserter Reisanbau. Die effektivsten Arten der Rußvermeidung sind: Partikelfilter für Dieselfahrzeuge, Stilllegen technisch völlig überalterter Autos, einfachste Kochstellen für Holz gegen moderne Öfen tauschen sowie ein Verbot der Brandrodung.

Angenommen die Durchschnittstemperatur steigt bis 2050 um 1,34 Grad – was ein gängiges Ergebnis von Simulationen ist: Würden die wichtigsten Vermeidungsstrategien für Ruß und Methan greifen, könnte die Erwärmung in dieser Zeit um bis zu 0,5 Grad geringer ausfallen, haben die Forscher ausgerechnet.

Weniger Schadstoffe kommen auch der Gesundheit zugute – was im Falle der offenen Kochfeuer in einfachen Unterkünften leicht nachzuvollziehen ist. Methan wirkt allerdings auch indirekt: Es reagiert mit anderen Gasen und führt zu erhöhten Ozongehalten in Bodennähe. Dieses Gas gilt als gesundheitsschädigend und behindert zudem das Pflanzenwachstum.

Eine Studie des UN-Umweltprogramms vom vergangenen Jahr kommt zu dem Schluss, dass eine Verminderung von Ruß und bodennahem Ozon schätzungsweise 0,7 bis 4,6 Millionen vorzeitige Todesfälle vermeiden kann. Zudem könnten – bei strikter Reduktion – von 2030 an rund 50 Millionen Tonnen Getreide mehr geerntet werden.

Die aktuelle Untersuchung, die auf dem UN-Bericht aufbaut, arbeitet auch die Wirkungen in einzelnen Regionen heraus. Weniger Ruß bedeutet weniger Schmutz auf Schnee und Eis, wodurch das Sonnenlicht besser reflektiert wird. Wie Shindells Team berichtet, könnte eine Rußminderung dazu führen, dass im Himalaja und der Arktis die Erwärmung in den nächsten 30 Jahren um zwei Drittel geringer ausfällt als erwartet. Ozon wiederum wird vor allem in sonnigen Gegenden gebildet. Der Studie zufolge würde ein geringerer Methanausstoß die Landwirtschaft besonders in Iran, Pakistan und Jordanien voranbringen.

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