Medizingeschichte : Antike Augensalbe

Aus dem Wrack eines antiken Handelsschiffes haben Archäologen den Inhalt eines uralten Arztkoffers geborgen. Darunter waren auch 2000 Jahre alte Tabletten.

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Uralt. In dieser Blechdose haben die Tabletten die Zeit überdauert.
Uralt. In dieser Blechdose haben die Tabletten die Zeit überdauert.Foto: dpa

Es war ein kleines Schiff, das etwa 140 vor Christus im Golf an der toskanischen Küste unterging. Sein Ziel, die etruskische Handelsstadt Populonia, hat es nie erreicht. Doch im Bauch des 15 Meter langen und drei Meter breiten Schiffswracks fanden Archäologen bereits in den 80er Jahren Hinweise auf seine Geschichte: Beladen mit Stapeln von Glasschalen, Keramik aus Pergamon und Amphoren voller Wein hatte es von der griechischen Küste aus Kurs aufs Zentrum des Römischen Reiches genommen.

An Bord war auch eines der wichtigsten Exportgüter Griechenlands: ein Arzt. Unter seinen Utensilien waren zum Beispiel Instrumente zum Aderlass, mehr als 100 zylindrische Ampullen für Tinkturen, Mörser und etliche Blechdosen.

Eine der runden Dosen haben nun Forscher um Erika Ribenechini von der Universität von Pisa geöffnet und darin mehr als 2000 Jahre alte Medikamente gefunden. Die sechs großen, grauen Tabletten sollte aller Wahrscheinlichkeit nach niemand schlucken, schreiben sie im Fachmagazin „PNAS“. Ihre Form mit einem Durchmesser von vier Zentimetern und einem Zentimeter Dicke legen nahe, dass sie die Basis für eine entzündungshemmende Augensalbe waren.

„Galen, der bekannteste Arzt dieser Zeit, hat genaue Anweisungen für den Gebrauch hinterlassen“, sagt Roland Wittwer, Arbeitsstellenleiter des Projekts „Galen als Vermittler, Interpret und Vollender der antiken Medizin“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. „Sie sollten zum Beispiel in Muttermilch oder Eiweiß aufgelöst werden. Die Salbe wurde dann ins Auge oder auf die Lider aufgetragen.“

Die chemische Analyse von Ribenechini und ihren Kollegen erhellt nun die tatsächliche Zusammensetzung der Tabletten. Sie bestanden zu mehr als 80 Prozent aus anorganischen Materialien, darunter vor allem Hydrozinkit (Zinkblüte) und das Zinkerz Smithsonit. Zinkoxide seien zu der Zeit ein Nebenprodukt der Kupferherstellung gewesen. Sie hätten in der antiken Medizin eine große Rolle gespielt, betonen die Forscher. Das Team fand außerdem Reste hitzebehandelter Stärke, Tier- und Pflanzenfette wie Olivenöl sowie Pinienharz zur Konservierung. Die zahlreichen verschiedenen Pollen deuteten nicht auf die Verwendung bestimmter Heilpflanzen, sondern auf Honig hin, meinen die Forscher.

Einzigartig sei der Fund nicht aufgrund der verwendeten Wirkstoffe, sagt Wittwer. „Kollyrien ähnlicher Zusammensetzung wurden mehrfach als Grabbeigaben gefunden.“ Dass aber der Inhalt eines antiken Arztkoffers auftaucht und somit das Repertoire des reisenden Arztes offenbart, sei ungewöhnlich.

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