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Promotionen : Wer ein „summa“ verdient

03.12.2012 13:20 Uhrvon
Auf längere Sicht. Nicht nur für die Titelvergabe, vor allem für den Prozess des Promovierens müssen Unis Verantwortung übernehmen, sagt Hochschulforscher Stefan Hornbostel.Bild vergrößern
Auf längere Sicht. Nicht nur für die Titelvergabe, vor allem für den Prozess des Promovierens müssen Unis Verantwortung übernehmen, sagt Hochschulforscher Stefan Hornbostel. - Foto: picture-alliance/dpa

Der Berliner Hochschulforscher Stefan Hornbostel ist "schockiert" über die Noteninflation bei Promotionen in Deutschland. Drei aktuelle Studien seines Instituts, des IFQ, zeigen weitere Missstände auf - und Lösungsansätze.

Der deutsche Doktortitel ist durch die Plagiatsskandale vor allem prominenter Politiker ins Gerede gekommen. Doch wissenschaftlich oft anspruchslose Doktorarbeiten vor allem in der Medizin oder reine Türschildpromotionen werden seit den 80er Jahren kritisiert. Auch eine Inflation sehr guter Noten, überlange Promotionszeiten, die Abhängigkeit der Doktoranden von ihrem Betreuer und die Promotion im stillen Kämmerlein gelten seit längerem als problematisch.

Systematisch untersucht wurde dies nie. Nun hat das Berliner Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) drei Studien vorgelegt, in denen die Probleme der Promotion in Deutschland erstmals umfassend dargestellt werden.

„Schockierend“ nennt IFQ-Leiter Stefan Hornbostel die Entwicklung bei der Benotung von Doktorarbeiten. Fachspezifisch gebe es eine „massive Inflation“ der Bestnote (summa cum laude). Das geht aus dem neuen „Informationssystem Promotionsnoten“ hervor. Danach gibt es bundesweit beispielsweise neun Universitäten, die in den Wirtschaftswissenschaften jede zweite Promotion mit „summa“ bewerten. Das Informationssystem beruht auf Daten des Statistischen Bundesamts.

Auch über alle Fächer ist „eine deutliche Tendenz zu besseren Bewertungen“ zu beobachten. Der Anteil der „summa cum laude“-Promotionen ist in den vergangenen acht Jahren von zwölf auf 16 Prozent gestiegen. Besonders auffällig sei die Inflation im Fach Psychologie, dort stieg der Anteil von 17 auf 25 Prozent.

Vor einem Jahr hatte bereits der Wissenschaftsrat darauf verwiesen, dass die Unis in der Mehrzahl der Fälle für Promotionen die Bestnote oder die zweitbeste Note (magna cum laude) verleihen. Diese Praxis dürfe nicht pauschal „als Ausdruck unzureichender Qualitätsstandards“ gewertet werden, hieß es. Vielfach rechtfertige die Vorauswahl der Doktoranden die guten Noten am Ende des Verfahrens. Deshalb hat der Wissenschaftsrat eine neue Notenskala vorgeschlagen. Das Promotionsverfahren solle entweder mit „Bestanden“ oder mit „Mit besonderem Lob/Ausgezeichnet“ bewertet werden. Einer Auszeichnung müsse zwingend ein drittes, externes Gutachten zugrunde liegen.

Als Königsweg, die Doktorandenausbildung zu verbessern, hat der Wissenschaftsrat vor zehn Jahren die flächendeckende Einführung von Graduiertenkollegs empfohlen. In ihnen sollen die Doktoranden besser betreut, in ein Forschungsprogramm integriert werden und überfachliche Kurse belegen. Doch häufig halten diese Programme nicht, was sie versprechen. Bei fast 40 Prozent derjenigen, die offiziell in einer Graduiertenschule promovieren, ist die Mitgliedschaft offenbar nur eine formale. Faktisch arbeiteten sie „unter vergleichsweise unstrukturierten Bedingungen“, ergab jetzt eine erste Auswertung des „ProFile-Promovierendenpanels“. „In diesen Programmen gibt es eine große Vielfalt beim Grad der Strukturierung und der Qualität“, sagt Hornbostel. „Häufig ist die Freiheit ähnlich groß wie bei Individualpromotionen.“

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