Protest von Architektur-Studierenden : Sie wollen weiter klassische Modelle bauen

Architektur-Studierende der Technischen Universität Berlin protestieren gegen Kurs-Streichungen im Modell-Bau. Die Uni spricht von "zeitgemäßen Methoden".

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Studierende tragen Plakate und Grableuchten über einen Uni-Campus.
Konstruktiv. Etwa 70 Studierende zogen am Dienstag vom Ernst-Reuter-Platz zum TU-Hauptgebäude.Foto: Promo/Team IfA

Architekturstudierende der TU Berlin haben in einem symbolischen Trauerzug zwei Angebote in ihrem Fach zu Grabe getragen. Die bislang im Bachelor-Studium Architektur verankerten Module „Modell und Design“ sowie „Einführung in CAD“ (computergestütztes Design) sollten aufgrund von Sparzwängen abgeschafft werden, heißt es in einer Erklärung des Astas der TU und des Team IfA, der Fachschaft der Studierenden am Institut für Architektur. Dem TU-Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Hans-Ulrich Heiß, sei am Dienstag eine Petition mit mehr als 300 Unterschriften übergeben worden.

Die Modell-Werkstatt der Zukunft ist digital

Eine „digitale Werkstatt“, in der die Studierenden künftig mit Hilfe von Computer-Programmen, 3D-Druckern und computergesteuerten Fräsen Modelle herstellen sollen, sehen sie kritisch. Ein solches „Fab Lab“ sei zwar von der Institutsleitung als Alternative zu den bisherigen Modulen als „großes Zukunftsprojekt angekündigt“ worden. Doch ohne die Einführung in das computergestützte Design würden die Studierenden die Technik der digitalen Werkstatt gar nicht bedienen können. Zudem gebe es derzeit noch kein Betreuungskonzept für das Fab Lab – es fehle an der notwendigen Finanzierung.

Vor dem Haupteingang der TU wurden Grablichter, Blumen und Plakate abgelegt.
Vor dem Haupteingang der TU wurden Grablichter, Blumen und Plakate abgelegt.Foto: Tsp

Die Initiative „Rettet die Grundlehre“ fordert deshalb, die Module, in denen die Grundlagen des analogen und des digitalen Modellbaus vermittelt werden, müssten erhalten bleiben, 20-prozentige Personalkürzungen zurückgenommen und das Fab Lab mit ausreichend technischem Betreuungspersonal aufgebaut werden.

CAD wird zugunsten "zeitgemäßer Methoden" abgeschafft

Die TU hat die Kritik der Studierenden auf Anfrage zurückgewiesen. Es würden keine Fachgebiete gestrichen, erklärte eine Sprecherin am Mittwoch. Das Institut für Architektur habe sich aber entschieden, „die Lehre im analogen Modellbau so nicht mehr weiterzuverfolgen“. Stattdessen solle das Angebot im digitalen Bereich erhöht werden. Die Entscheidung sei „Teil der Strategie zur Innovation und Digitalisierung am Institut“.

Die Modellbauwerkstätten blieben dabei weiterhin bestehen und stünden den Studierenden zur Verfügung, heißt es. Im Hinblick auf die Neuausrichtung sollten die Werkstätten zudem ausgebaut werden – gemeint ist die Schaffung des Fab Lab. Einführungen in CAD würden am Institut künftig tatsächlich nicht mehr angeboten. Mit dem Fab Lab sollten „zeitgemäße Methoden in der Forschung und Lehre“ eingeführt werden.

Vor dem TU-Haupteingang haben die Demonstranten Grableuchten, weiße und rote Nelken sowie Schilder mit Aufschriften wie „Sichert unsere Grundlehre“ oder „Modell & Design muss bleiben“ abgelegt. Man sehe das Architekturstudium als Ganzes in Gefahr, erklären die Studierenden: „Das Modell ist das zentrale Element für die Kommunikation architektonischer Ideen.“

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