Statt Akten und Chaos : Eine App gegen Epidemien

Auf der Cebit zeigen Forscher vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, wie Technik im Kampf gegen Ebola helfen kann. Gemeinsam mit Epidemiologen haben sie eine App entwickelt, die alle wichtigen Daten bei einem Ausbruch schnell an die Lagezentren weitergeben soll.

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Mit Apps gegen die Ebola-Seuche. Mit einem Computerprogramm für Mobiltelefone will das Helmholtzzentrum für Infektionsforschung in Braunschweig das aufwendige Aufspüren von Kontaktpersonen von Ebola-Infizierten erleichtern.
Mit Apps gegen die Ebola-Seuche. Mit einem Computerprogramm für Mobiltelefone will das Helmholtzzentrum für Infektionsforschung in...Foto: HPI

Der schwerkranke Mann erbrach sich im Flugzeug, im Flughafen und gleich noch einmal in einem Auto. Am 20. Juli 2014 hatte er den Albtraum vieler Gesundheitsschützer wahr werden lassen: Ebola war in Nigeria angekommen, in der chaotischen 21-Millionen-Metropole Lagos, einer Stadt voller Slums. Wie sollte man hier jemals alle Kontaktpersonen finden? Der Mann steckte Ärzte an und Krankenschwestern. Bald musste die Gesundheit von fast 1000 Menschen überwacht werden. 21 Tage lang, 18 500 Besuche.

Die App wird in Nigeria getestet

„Wir brauchen bessere Technik, um das zu bewältigen“, dachte eine Mitarbeiterin des Ebola Emergency Operations Centers und alarmierte Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Der Epidemiologe half gern. Im vergangenen Dezember erhielten sie mit anderen Partnern eine Projektförderung vom Bundesforschungsministerium im Verbund „Ebokon“, gemeinsam entwickeln sie ein IT-System zur Nachverfolgung der Patienten und ihrer Kontaktpersonen, über zentral vernetzte Mobiltelefone. Eine dazugehörige App, die unter anderem die Doktorandin Cindy Fähnrich und ihre Studenten am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam programmiert haben, präsentiert das HPI am heutigen Montag auf der Cebit in Hannover. Im April wird das ganze System, an dem auch SAP, das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg und das Robert-Koch-Institut in Berlin beteiligt sind, in zwei Bundesstaaten Nigerias getestet.

Daten werden in Echtzeit gebraucht

Allerdings am Beispiel von Masern, von Cholera und der Vogelgrippe, denn Nigeria hat bereits im Oktober Ebola besiegt. Es blieb bei 20 Fällen. „Zum Glück“, sagt Krause. Im Test werden dafür nun fiktive Szenarios verwendet. Doch Ebola habe wie unter einem Brennglas gezeigt, dass bei einem solchen Ausbruch alle Daten in Echtzeit gebraucht werden, um sie auszuwerten und entsprechend zu reagieren. Digital. Ohne die Verzögerungen, Dopplungen und andere Fehlerquellen, die Aktenberge aus Papier mit sich bringen.

Für die Heerscharen von Helfern, teils eilig geschult und in unterschiedlichsten Funktionen unterwegs, haben die Forscher nach vielen Gesprächen vor Ort eine leicht verständliche App für Handys entwickelt, die selbst im Funkloch funktioniert und bei der nächsten Gelegenheit die gesammelten Informationen an die Cloud übermittelt. Im Hintergrund operiert eine SAP-Hochleistungsdatenbank, die den Lagezentren sofort interaktive Analysen und Simulationen ermöglicht. Alle Elemente sind in der IT-Infrastruktur miteinander verzahnt. Auch die Kommunikation über die App ist keine Einbahnstraße, die Helfer können über sie gesteuert werden. Das Ganze heißt nun Sormas, kurz für: Surveillance and Outbreak Response Management System.

Krause ist zuversichtlich, dass Sormas mehr bietet als die Software „EpiInfo VHF“ der amerikanischen Seuchenbehörde CDC oder die „Ebola Care App“, die bereits in Westafrika benutzt werden. „Wir haben unser System auf die Bedürfnisse der Behörden vor Ort und die Standards der WHO zugeschnitten“, sagt er. Es könne ohne großen Aufwand an andere Länder oder Hilfsorganisationen angepasst werden - auch wenn es um das Erkennen und Bekämpfen anderer Epidemien geht.

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