Stipendien : Bund fördert Studienstiftung für Muslime

Evangelische, katholische und jüdische Begabtenförderungswerke gibt es schon. Mit der dem Avicenna-Studienwerk wird jetzt auch ein eigenes Stipendienprogramm für muslimische Studierende geschaffen.

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Muslimische Studentin im Hörsaal Foto: picture-alliance/ dpa
Gleichgestellt. Das muslimische Avicenna- Studienwerk ist der vierte konfessionelle Stipendiengeber für Begabte.Foto: picture-alliance/ dpa

Muslimische Studierende erhalten ein eigenes Stipendienprogramm. Mit sieben Millionen Euro unterstützt das Bundesbildungsministerium (BMBF) in den kommenden vier Jahren den Aufbau des Avicenna-Studienwerks, danach soll es wie die übrigen 12 Begabtenförderungswerke dauerhaft vom Bund finanziert werden. Benannt nach dem persischen Universalgelehrten Ibn Sina (latinisiert Avicenna) des Mittelalters, entsteht ein viertes konfessionelles Studienwerk. Chancen auf eine Förderung haben leistungsstarke Studierende und Promovierende, die sich gesellschaftlich engagieren.

„Dies ist ein historischer Tag für die vier Millionen Muslime in Deutschland“, sagte Bülent Ucar, Vorstandsvorsitzender des Studienwerks und Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück, am Dienstag in Berlin. Das Stipendienprogramm sei ein „wichtiger Schritt zur Gleichbehandlung“. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) nannte die Gründung eine logische Folge der Schaffung von mittlerweile vier universitären Zentren für Islamische Studien. Diese hatte ihre Vorgängerin Annette Schavan (CDU) nach einer Empfehlung des Wissenschaftsrats zur Integration der islamischen Theologie an die Universitäten initiiert.

Ebenso wie beim 1948 gegründeten Evangelischen Studienwerk Villigst, beim katholischen Cusanuswerk (seit 1956) und beim 2008 geschaffenen jüdischen Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerk sollen die Avicenna-Stipendiaten in der Regel religiös gebunden sein. „Sie sollen Muslime sein, aber sie werden nicht weiter nach ihrem religiösen Bekenntnis befragt“, sagt Ucar. Zudem könnten auch einzelne Nichtmuslime aufgenommen werden, die sich mit interkulturellen oder interreligiösen Themen beschäftigen. Bis Anfang 2014 werde das Auswahlverfahren festgelegt, dann erfolge die erste Ausschreibung. Im Wintersemester 2014/15 könne man die ersten 50 Stipendiaten aufnehmen, in den kommenden Jahren sollen es bis zu 390 werden. Das einkommensabhängige Grundstipendium für Studierende beträgt bis zu 670 Euro im Monat, hinzu kommt ein Büchergeld. Promovierende bekommen monatlich 1050 Euro.

Unterstützt wird das Avicenna-Studienwerk auch von der Mercator-Stiftung, mit einer Million Euro für fünf Jahre. Damit übernimmt die Stiftung zunächst die Rolle der Religionsgemeinschaften, die in den anderen konfessionellen Studienwerken die Geschäftsstellen finanzieren und die ideelle Förderung übernehmen. Um entsprechende Zusagen bei muslimischen Verbänden werde sich das Studienwerk in den kommenden Jahren bemühen, sagt Ucar.

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